Reise
03. Dezember 2012

Hotels der Schwarzwald-Hochstraße

Die alten Hotels der Schwarzwaldhochstraße siechen dahin, die Bühlerhöhe ist nur das letzte in der Reihe. Naht Rettung vom Nationalpark?

Von Susanne Kupke

Österreichs Kaiserin Sissi speiste 1883 hier mit Erzherzogin Valerie, andere betuchte Gäste schnallten sich auf der Höhe die ersten Skier an oder machten Jagd auf Auerhühner. Das Hotel Sand an der Schwarzwaldhochstraße war Ende des 19. Jahrhunderts erste Adresse für viele Adelige und vermögende Bürger. Das war einmal: Der Glanz ist längst verblasst. Das Hotel steht seit langem leer und ist nur ein Beispiel für den Verfall der früheren Prachtbauten an der Schwarzwaldhochstraße.

Während das Schicksal der Bühlerhöhe - es ist das letzte verbliebene Luxushotel an der berühmten Panoramastraße - noch offen ist, ist das des ehemaligen Hotels Hundseck bereits besiegelt. Im November rückten die Bagger an, um das ehemals denkmalgeschützte, zuletzt baufällige Gemäuer dem Erdboden gleichzumachen. «Es war Gefahr in Verzug», sagt der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr, der findet: «Es ist einfach traurig, was sich da oben abspielt.»

Dabei hatte das Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Hundseck lange durchgehalten: Noch Mitte der 1930er Jahre eleganter Treff der Gesellschaft und Wintersportzentrum des Bühler Höhengebiets, wurde es im Zweiten Weltkrieg für die Kinderlandverschickung genutzt, danach für französische Soldaten und bis 1982 als Kurklinik für Bergarbeiter aus dem Ruhrgebiet. Tagungs- oder Jugendhotel, Asylheim oder Residenz eines indischen Gurus - Pläne gab es für das Hundseck einige. Besitzer auch. Die letzten ließen das Haus verfallen.

Droht dieses Schicksal nun auch der Lieblingsresidenz Konrad Adenauers, der in die Jahre gekommenen Bühlerhöhe, und dem benachbarten Hotel Plättig? Beide wurden - wie das Hundseck - von einem ausländischen Investor gekauft. Zwar gab es für das Schlosshotel immerhin Pläne. Doch aus der Neueröffnung im nächsten Jahr wird wohl nichts. Der neue ukrainische Eigentümer scheint das Interesse an der geschichtsträchtigen Immobilie verloren zu haben.

«Man steht dem einigermaßen ohnmächtig gegenüber», sagt der Rastatter Landrat Jürgen Bäuerle (CDU). «Die Eigentümer haben es versäumt, in guten Zeiten in die Häuser zu investieren.»

Doch das mit dem Investieren ist gar nicht so leicht: König Gast hat immer höhere Ansprüche, will aber immer weniger bezahlen. «Hoteliers müssen viel Geld in die Hand nehmen», weiß der Inhaber vom Hotel Schliffkopf, Heiko Fahrner. «Und 14-Tage-Urlauber haben wir schon lange nicht mehr.» Die meisten seiner vorwiegend baden-württembergischen Gäste bleiben im Schnitt nur zweieinhalb Tage. Auch, weil die heutigen Alpin-Skifahrer den schneesichereren Feldberg im Südschwarzwald oder die Alpen vorziehen.

Das Hotelsterben ist nach Ansicht von Landrat Bäuerle aber keineswegs ein Zeichen für den Niedergang des Tourismus an der Schwarzwaldhochstraße. «Es gibt ein anderes Freizeitverhalten», sagt er. Mit Wanderwegen, einem dichten Loipen- und Mountain-Bike-Netz oder Attraktionen wie dem Wildnis- oder Lotharpfad werden deshalb vor allem Tagestouristen angesprochen. Der beliebte Mummelsee ist ohnedies «Rummelsee». Viele Reisebusse halten dort.

Ganz in der Nähe ist mit Unterstmatt noch ein altes Hotel außer Betrieb. «Bis jetzt habe ich keinen Investor gefunden», sagt Eigentümer Fahrner. Er hofft, dass die Bühlerhöhe möglichst bald wieder aufmacht. «Wo viele Leute hingehen, kommen mehr», meint er. Fahrner, dessen Familie seit 1932 auf dem Schliffkopf ist, freut sich daher, dass das ehemalige Hotel Zuflucht zwischen Bad Peterstal und Kniebis als Anlaufpunkt für Wanderer des Westwegs wiederbelebt wurde.

Der umstrittene Nationalpark Nordschwarzwald würde nach Einschätzung von Hotelier Fahrner zumindest die Gegend wieder bekannter machen. Der parteilose Bühler OB Schnurr geht weiter: «Ich persönlich sehe den Nationalpark als Chance. Er bringt mit Sicherheit Arbeitsplätze, sorgt für eine Belebung und bessere Infrastruktur.»

Und vielleicht könnte dann das Hotel Sand gerettet werden, «der letzte Zeitzeuge einer glanzvollen Zeit», hofft der Durbacher Grundschul-Konrektor Marc Zöller. In den holzvertäfelten Stuben des Sand könnte ein Schwarzwaldhochstraßen-Museum mit Info-Center eingerichtet werden, schlägt er vor. Mit einer Handvoll Unterstützer kämpft er seit Jahren für den Erhalt der Höhenhotels - bislang hat die Politik nach seiner Beobachtung aber wenig Interesse an der «historischen Aufgabe» gezeigt. Dennoch will er weitermachen. dpa

Die Schwarzwaldhochstraße

Die Schwarzwaldhochstraße ist eine der schönsten und ältesten Panoramastraßen Deutschlands. Der erste Spatenstich war im Jahr 1930. Die Straße führt über 60 Kilometer von Freudenstadt nach Baden-Baden und gibt Ausblick in Schwarzwaldtäler, ins Rheintal und ins Elsass bis in die Vogesen. Zu den touristischen Highlights zählen neben vielen Wanderwegen der Mummelsee sowie der Lothar- und der Wildnispfad an der Bühlerhöhe. Beliebt ist die Bundesstraße 500 besonders im Sommer auch bei Motorradfahrern.

Die Hänge entlang der Schwarzwaldhochstraße mit Höhen zwischen 700 und 1164 Metern sind ein beliebtes Skigebiet. Der erste Skiläufer auf der Hornisgrinde war im Jahr 1894 vermutlich ein Stuttgarter Bankbeamter. Skilifte moderner Art gab es jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit den 1960er Jahren ist besonders auch das Langlaufen im Nordschwarzwald beliebt.

Der Nationalpark Nordschwarzwald

Für den geplanten Nationalpark im Nordschwarzwald werden derzeit 17 000 Hektar Staatswald auf ihre Eignung untersucht. Sie verteilen sich auf drei Regionen: etwa 9200 Hektar rund um den Schliffkopf nordwestlich von Freudenstadt, 2000 Hektar beim hohen Ochsenkopf westlich von Forbach und knapp 5800 Hektar bei Kaltenbronn. Der Nationalpark soll etwa 10 000 Hektar umfassen, die für die Forstwirtschaft dann nicht mehr zugänglich sind. Das wären etwa 0,7 Prozent der Waldfläche des Landes. Kritik gibt es vor allem aus den Reihen der holzverarbeitenden Industrie.

Das für Baden-Württemberg einmalige Schutzgebiet soll Rückzugsraum für bedrohte und seltene Arten werden und auch für Tourismus, Handel und Gewerbe Impulse geben. Ein Gutachten, das im nächsten Jahr fertig sein soll, soll Fragen betroffener Bürger beantworten. Entscheiden über die Ausweisung eines Nationalparks muss der Landtag.

Ein Nationalpark besteht aus drei Zonen: In der Kernzone wird überhaupt nicht mehr in die Natur eingegriffen. Diese Gebiete gelten als Rückzugsräume für seltene Tier- und Pflanzenarten. In den Entwicklungszonen greifen die Menschen noch ein. Im Nordschwarzwald könnten etwa Fichten geschlagen und durch Tannen oder Buchen ersetzt werden.

Bis zu einem Viertel der Fläche kann auch als so genanntes Management-Gebiet genutzt werden. Darunter fällt die Beweidung von Wiesenflächen mit Schafen und Rindern. Wanderwege, Loipen und Mountainbikestrecken bleiben bestehen.