Hotels
15. August 2010

Im Hotel & Club Soho House Berlin und London

fotos copyright soho house

Fotos: Soho House

Die Berliner sind skeptisch, was exklusive Clubs mit Mitgliedskarte angeht. Das Soho House könnte eine Ausnahme werden. Muss aber nicht

Was wohl Wilhelm Pieck dazu sagen würde? Für Events kann man einen Raum namens Politbüro in jenem Haus mieten, in dem der DDR-Staatspräsident ein und aus ging. Das in den 20er Jahren erbaute Eckgebäude in der Torstraße ist typisch für die Zeitläufte von Berlin-Mitte. Früher war es ein Warenhaus, das Juden gehörte. Dann war es in den Händen der Nazis, danach Parteizentrale der SED und später Institut für Marxismus und Leninismus. Nach dem Mauerfall dann der Leerstand.

Das Soho House soll die Kreativen aus aller Welt anlocken. Nach London, New York und Hollywood ist es der erste Ableger des Clubs in Deutschland. Nach britischem Vorbild sind bestimmte Bereiche wie die Dachterrasse mit dem Pool und die Fitnessgeräte nur für Mitglieder zugänglich. Wer oben war, kann bestätigen: das old-fashioned Retro-Interior wirkt lasziv und animierend - beautiful.    

Elitär soll es aber nicht zugehen, die Mitgliedschaft kostet 75 Euro im Monat. «Wir wollen Individualisten, keine Schlipsträger», sagt Nick Jones, Gründer der Soho House Group. Eingerichtet ist das Haus in einer Mischung aus englischem Club-, Retro- und «Habitat»-Stil. Hotel und Sauna sind für jedermann geöffnet. Als Hotelgast wird man Club-Mitglied auf Zeit. Einer der ersten Mieter des Politbüros war kürzlich die Berlin Tourismus Marketing, die in dem sehr hippen und legeren Raum ihre Bilanz-Pressekonferenz gab.

Die Hauptstädter müssen erst noch überzeugt werden, was Clubs angeht, für die man im Abo zahlt. Das «Goya» am Nollendorfplatz scheiterte 2006, nachdem es versucht hatte, Nachtschwärmer als Aktionäre zu gewinnen. Das Soho House hat ein anderes Konzept und ist günstiger als andere Clubs nach englischem Vorbild.

Es soll schon mehr als 1000 Mitglieder geben, aber solche Zahlen sind in der Regel mit Vorsicht zu genießen. Berliner sind sowieso verwöhnt, was interessante Orte mit Retro-Flair angeht. Und manchen ist Mitte ohnehin zu schnöselig geworden.

Das Original steht im Londoner Soho

Das Soho-Original steht im Londoner Szeneviertel Soho. In der Greek Street hatte der Millionär Jones vor 15 Jahren einen Treffpunkt für Medienleute eröffnet. Der Ehemann einer BBC-Moderatorin will die Wichtigen und Wohlhabenden im Showbiz an einem Ort zusammenbringen.

Wer die weinrote Mitgliedskarte haben will, muss dort von mindestens zwei Mitgliedern empfohlen werden. Für sie dürfte 600 Pfund (derzeit 690 Euro) Eintritt pro Jahr wohl eher «Peanuts» sein. Die Warteliste ist ebenso lang wie die Bearbeitungszeit tausender Mitgliedsanträge.

In einem schilfgrünen Eckhaus in einer schmuddeligen Gegend gegenüber vom Prince Edward Theatre deutet nichts auf solch einen Privatclub hin. An einer unscheinbaren Tür klingeln braungebrannte Menschen. Bis zu 2000 Besucher spazieren hier täglich ein und aus, um in die schweren Ledersessel zu sacken, mit Netzwerk-Freunden Fußball zu gucken oder den Ausblick auf der Dachterrasse zu genießen. Männer tragen das Hemd an den oberen zwei Knöpfen offen. Das Haus will ein locker-lässiges Wohnzimmer und kein Nachtclub sein.

Telefonieren und Fotografieren ist allerdings nicht erlaubt. «Wir wollen das schön privat halten», sagt Club-Manager Raul mit breitem Lächeln. «Die Leute hier sind alle happy, sie wollen in Ruhe plaudern und sich austauschen.» Rund 150 Kellner, Köche und Barkeeper kümmern sich auf fünf Etagen um das Gästewohl. «Unser Motto lautet: Ja, ja, ja.»

Mit diesem Credo ist Gründer Jones auf Expansionskurs. Vor wenigen Wochen öffnete ein Haus in West Hollywood, Miami folgt im Mai. Das Geld dafür kommt von Milliardär Richard Caring. Seine Caprice-Gruppe kaufte mitten in der Krise die Mehrheit am Soho House.

Die englische Clubkultur reicht bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. Die Tradition begann damals als exklusiver Treffpunkt für Debatten und den Erfahrungsaustausch. Der 1819 gegründete Travellers Club gilt als ältester Verein für Entscheidungsträger. Diese noch heute herrschaftlichen «Gentleman's Clubs» haben wenig mit den hippen «Member's Clubs» zu tun. Ihre Zielgruppe sind Leute, die Geld haben. W&G/dpa

Mehr coole Orte in Berlin

Niko meint: Trotz der wundervoll verspielten Atmosphäre ist das Soho House in Berlin kein Selbstläufer. Nach dem ersten Hype wird es von den Berlinern auf Normal-Maß gebracht werden - das Schicksal aller Locations der Metropole. Vielleicht ändert sich dann auch die nervende, zickig-arrogante Attitüde des Managements. 

Soho House, Torstraße 1, 10119 Berlin, sohohouseberlin.com