REISE
26. April 2009

Im Luxus-Zug wie Sissi zum Märchenkönig reisen

Reisen wie zu Kaisers Zeiten: Im Luxus-Zug nach Wien und Schloss Neuschwanstein

Es wackelt, es ruckelt. Wein schwappt aus den Gläsern. Flaschen rutschen auf polierten Tresen hin und her. So reiste der österreichische Herrscher Franz Joseph I. mit seiner Frau Sisi im kaiserlich-königlichen Hofsalonzug von 1891. Wer 249 Euro für eine Bahnfahrt berappen will, kann sich jetzt in diese glanzvolle Zeit zurückversetzen lassen. Bis Oktober zuckelt auf den Gleisen zwischen München und Füssen ein Nachbau des Luxuszugs. Im «Majestic Imperator Train de Luxe» dürfen Gäste in Sesseln Platz nehmen, ein Vier-Gänge-Menü verspeisen und dabei die Voralpenlandschaft des Allgäus an sich vorbeiziehen sehen.

Am Freitag war Premierenfahrt. Müsste man sich einen Lokomotivführer aus vergangenen Jahrzehnten vorstellen, er sähe wohl so aus wie Gottfried Rieck. Grauer Vollbart, Nickelbrille, eine qualmende Zigarillo in der Hand - so steht der Besitzer des Zugs in einem seiner Waggons. Und tatsächlich: 18 Jahre war Rieck Lokführer bei der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB). Als er später auf die Idee kam, für die ÖBB eine Abteilung für Luxuszüge zu gründen, blitzte er beim Generaldirektor des Unternehmens ab. Rieck machte sich selbstständig und gab den Nachbau des ersten Wagens in Auftrag. «Ich war damals verheiratet mit einer steinreichen Frau», erzählt der 60-Jährige.

Nach Riecks Angaben kostete jeder der mittlerweile zwölf Waggons zwischen 500 000 und 700 000 Euro. Als erster davon fuhr der Salon I durch Europa - Start war 1992. Wie das Vorbild aus dem Jahr 1905 ist auch der nachempfundene Salon-Wagen mit Mahagoni-Holz vertäfelt. Die Vorhänge passen farblich zu den Sitzgruppen aus grünen Sofas. «Für mich als Fachmann war es nicht schwierig, die Originalpläne des Kaiserzugs zu finden», sagt Rieck.

Von einer Diesellok gezogen gleiten die schwarzen Waggons über sattgrüne Wiesen in Richtung der Alpenkette. Doch wer im Zug arbeitet, hat wenig von diesem Ausblick. «Es ist enger und wackliger, und Gläser fallen schon mal herunter», sagt Service-Kraft Isabel Schneider. Trotzdem: «Es ist schön, hier zu arbeiten.»

Bisher konnten der Salon I und die anderen Wagen gemietet werden. So soll der jordanische König einmal mit dem Luxuszug zum Skifahren gefahren sein. Jetzt ist der «Majestic Imperator Train de Luxe» erstmals im Linienverkehr unterwegs: mittwochs zwischen Wien und dem nahe gelegenen Eisenstadt, donnerstags von Wien nach München, freitags zwischen München und Füssen, samstags auf dem Weg zurück nach Wien. Die abendliche Fahrt von München nach Füssen hat Hohenschwangau zum Ziel. Mit Kutschen werden die Gäste zu dem Schloss gebracht, von dem aus einst Märchenkönig Ludwig II. sein neuestes Bauprojekt beobachten konnte: das gegenüberliegende Schloss Neuschwanstein.

Auf der Reise des Luxuszugs ist der Weg aber das eigentliche Ziel. Dafür sorgen auch drei Köche, die auf der Strecke zwischen München und Füssen ein von Spitzenkoch Harald Wohlfahrt zusammengestelltes Menü zubereiten. Tournedo vom Rinderfilet mit getrüffelter Kräutermarkkruste - so lautet nur der Hauptgang für die bis zu 150 Gäste.

Rieck zeigt sich zuversichtlich, dass der Luxuszug auch in Zeiten der Wirtschaftskrise sein Publikum finden wird. Mit Blick auf den Fahrpreis gibt er aber zu: «Es kann nicht jeder mitfahren.» Michael Kieffer, dpa