Reise
28. August 2009

Im Rausch der Äpfel

Viez - so heißt der Apfelwein des Saarlandes: Auf der Viezstraße durch die Apfelwiesen in der Region de Cidre

Hoch über Tünsdorf liegen die Apfelwiesen von Josef Jacoby. Der Obstbauer zeigt auf den Talhang gegenüber: «Dort drüben werden wir einen weiteren Apfelgarten anlegen. Die alten Bäume haben wir gerade frei geschnitten.» Jacobys Gehöft aus dem Jahr 1833 liegt an der Viezstraße, die sich von Wallerfangen bis nach Konz vor den Toren von Trier hinzieht. «Viez» - so heißt der Apfelwein des Saarlandes. Die Bezeichnung wird zurückgeführt auf das lateinische Vice vinum, was soviel bedeutet wie «Stellvertreter des Weines».

«Unser Viez hat fünf, sechs Prozent Alkohol», erläutert Obstbauer Jacoby den Besuchern seines Biohofes. Im Saarland hat er eine lange Tradition, denn in alten Zeiten wurden die Äpfel auf vielen Bauerngehöften als belebendes Getränk für kalte Wintertage gepresst. Und im Sommer bot der Viez eine kühle Erfrischung bei der mittäglichen Pause während der harten Arbeit auf den Äckern.    

Heute führt die Viezstraße im Saarland mitten durch das Obstland, den Saargau. Weite Äcker auf der einsamen Hochebene, Weiden und Streuobstwiesen mit Apfelbäumen, Mirabellen, Pflaumen und Kirschen prägen die Landschaft. Alte Bauerngehöfte, wie Reihenhäuser Wand an Wand gebaut, bestimmen mit ihren breiten Toreinfahrten das Bild der Dörfer im Dreiländereck Deutschland, Frankreich und Luxemburg.    

Wer das erste Teilstück der Viezstraße hinter sich gelassen hat, findet nahe Büdingen plötzlich das Hinweisschild auf die «Steine an der Grenze». Bildhauer aus Europa, Asien, den USA und dem Nahen Osten haben entlang der Grenzlinie Deutschland-Frankreich an Wiesenecken und Feldrainen 29 Kunstwerke erstellt. Beeindruckend ist die tonnenschwere Skulptur von Thomas Wojciechowicz: Zwei Sandsteinplatten überbrücken den Grenzstein aus dem Jahre 1830 und bauen symbolhaft das deutsch-französische Haus.    

Als Autoroute schlängelt sich die Viezstraße auf 147 Kilometern durch das Saarland hinüber nach Rheinland-Pfalz. Die Viezregion bei Merzig ist eine uralte Kulturlandschaft, die schon von den Römern besiedelt wurde. Davon zeugt beispielsweise in Perl-Borg die rekonstruierte Römische Villa, deren Fundamente auf das 2. Jahrhundert nach Christus hindeuten.    

Geschichte und Gegenwart treffen sich an der Viezstraße in Orscholz: Dort besuchen Jahr für Jahr viele hunderttausend Reisende aus aller Welt die Klippe «Cloef». Von der Felsenkanzel in 400 Metern Höhe bieten sich atemberaubende Aussichten auf die Saarschleife. Zehn Kilometer lang zwängt sich der Fluss in einer imposanten Kurve durch die bewaldete Mittelgebirgslandschaft mit ihren steilen Berghängen.    

Viele Ausflügler zieht es während der Erntezeit in die «Region de Cidre», wie der Landstrich bei Merzig von den französischen Nachbarn in Lothringen auch genannt wird. Überall auf den Dörfern laden von Mitte September bis Ende Oktober Erntefeste zum Feiern und Vespern ein. In Tettingen-Butzdorf führt der Obstbrenner Alois Becker beim «Äppelfeschd» am 10. und 11. Oktober Gäste durch sein privates Brennereimuseum. Über 30 Obstbrennanlagen aus der Zeit zwischen 1650 und 1970 hat er zusammengetragen. Mehr als 100 Brennereien an der Viezstraße veredeln Äpfel, Mirabellen oder Pflaumen zu Obstwässern. Wegen der Branntweinsteuer wachen Zollbeamte mit Argusaugen über die Familienbetriebe: Bei 42 Prozent Alkohol verdient Vater Staat entsprechend mit. (Bernd F. Meier, dpa)

Tourismus Zentrale Saarland, Franz-Röder-Str. 17, 66119 Saarbrücken (Tel: 0681/9 27 200, Dreiländereck Touristik, Poststraße 12, 66663 Merzig (Tel: 06861/738 74,  www.viezstrasse-online.de