30. November 2009

Immer mehr Fleischereien schließen

5000 Fleischereien seit 1999 in Deutschland geschlossen

Wer eine Fleischerei sucht, hat es immer schwerer. In Deutschland haben in den vergangenen zehn Jahren rund 5000 Betriebe geschlossen. «Das geht von Jahr zu Jahr zurück», sagte Klaus Hühne vom Deutschen Fleischer-Verband (Frankfurt/Main). So gab es 1999, die Filialen inklusive, noch etwa 32 000 Metzger, die ihre Produkte selber herstellten und zum Teil auch schlachteten. Aktuell sind es etwa 27 000.

Zunehmend kaufen Verbraucher Wurst und Schinken an Theken, die Supermärkten gehören. Diese sind nicht in den Zahlen erfasst.

Hühne betont, die Betriebe würden zwar weniger, dafür aber «größer und leistungsfähiger». Den Rückgang bei den Geschäften erklärt der Sprecher damit, dass bundesweit generell weniger Einkaufsstellen, auch für andere Lebensmittel, vorhanden sind. «Es gibt natürlich auch Nachwuchsprobleme.» Die Anforderungen für die dreijährige Lehre erfülle nicht jeder. «Man muss gut rechnen können und auch körperlich fit sein.» Das Schöne am Beruf sei, dass er kreativ sei und dass es Spaß mache, den Leuten etwas Gutes zu verkaufen.

Der Fleischer-Schwund betrifft auch Berlin. Dort wurden 1998 noch fast 290 Geschäfte gezählt, dieses Jahr sind es 240. Es seien durchaus «sehr gute» Fachgeschäfte vorhanden, berichtet Hühne. Bei der Fleischer-Innung der Hauptstadt sind noch 145 Handwerksbetriebe eingetragen, nach dem Mauerfall waren es vier Mal so viele.

Nicht alle sind verschwunden. Es hätten sich auch manche Geschäfte zusammengeschlossen, erklärt der Geschäftsführer der Berliner Innung, Martin Stock. Er beschreibt, wie sich das Verbraucherverhalten geändert hat: «Bei uns gab es einmal die Woche Fleisch, den Sonntagsbraten», erinnert er sich.

Stock plädiert dafür, sich wieder daran zu orientieren und weniger, dafür besseres Fleisch zu kaufen. Bei jungen Familien, etwa auf Märkten im Prenzlauer Berg, hat er dieses bewusste Konsumverhalten bereits beobachtet. Für viele gehört es zur Kindheitserinnerung, dass der Fleischer ein Stück Würstchen über den Tresen reichte. Dass diese Läden aussterben, glaubt Stock aber nicht.

Und: In den Fleischereien gebe es meist Fragen zu artgerechter Haltung, nicht nach dem Ökosiegel. «Wir haben minimal Anfragen nach Biofleisch.» Stock empfiehlt, sich vom Fleischer ruhig zeigen zu lassen, wie es hinter dem Tresen in der Produktion aussieht. (Caroline Bock, dpa)