01. Mai 2008

In der Champagne bei Ruinart, Moet und Legras & Haas

Fotos: Alice Beckmann (u. Grand Cerf)

Es war eine herrlich legere Tour in die Kellereien und Kreide-Kathedralen von Ruinart, Moet und dem Familienunternehmen Legras & Haas

Um es gleich vorweg und deutlich zu sagen: Moet und brut werden mit hartem T ausgesprochen, nicht wie Moe oder bru, es sind Eigennamen! Die Mär geht ja überall, das nur bei Moet et Chandon das T gesprochen wird, denkste!

So, am ersten Tag ging es nach Chouilly, zu Legras & Haas. Ein bodenständiges Familien-Unternehmen, Brigitte Legras zeigte uns die neuen Keller, das Haus will schließlich wachsen. Im Stammsitz präsentierte sie uns ein paar von den wunderbaren Champagnern:

Blanc de blanc o.J. (hauptsächlich 2005er): weich, cremig, sehr reif und gehaltvoll 89-90

Rosé: Erdbeer-Minze, erfrischend, cremig 88/89

Zero Ultra Brut: sehr elegant und mineralisch 90-91

99er blanc de blanc: noch sehr frisch, weiße Blumen, sehr voll und weiblich 92

Dann der Hammer: ein 59er, 61 degorgiert: toll gereift, ein Cocktail aus exotischen Früchten, wie Datteln, Mango, immer noch schönes Mousse, getrocknete Aprikosen, ein Hauch von Sherry, wo bleibt die Gänsestopf oder der Hummer mit Mango? Ein großer Champagner 95+

Zum Abendessen im renovierten Sternerestaurant Le Grand Cerf:

blanc de blanc 02 zum Hummer in Melone (genial)

blanc de blanc 97 zum St. Pierre in Austernsauce (ebenso genial zu dem extrem feinen Champagner)

blanc de blanc 95 zur Bresse-Geflügel mit Morcheln, DER Klassiker (Groß!! Zum großen Champagner 93-94 Punkte)

Le Grand Cerf et Champagne Legras & Haas? Un mariage tres formidable!

Am nächsten Tag mit der Horde von Sommeliers und Barkeepern durch den klotzigen Moet-Besitz. Oben die übliche, seelenlose Massen-Abfertigung a la Mouton (kann man bei dem jährlichen Andrang vielleicht auch irgendwo verstehen und muss man einfach mal gemacht haben). Beeindruckend natürlich die 28 Kilometer langen Kreide-Stollen, in denen 108 Millionen Flaschen (rund 3 Ernten) lagern. Was für eine finanzstarke Bank!

Das Schönste an Moet: die Lage an der repräsentativen Avenue de Champagne in Epernay. Ein Champagner-Landsitz neben dem anderen ist hier aufgereiht: Moet & Chandon, Perrier-Jouet, Pol Roger, Esterlin, Franken, Boizel, De Venoge, Mercier und de Castellane etwas um die Ecke.

Noch beeindruckender der Besuch bei Ruinart. Regelrechte, über 20 Meter hohe Kathedralen wurden über die Jahrhunderte in die Kreide gegraben. Die perfekte Lagerung bei konstanten 10 Grad, Dunkelheit, keine Erschütterungen. Beeindruckend! Die Verkostung mit Ruinart-Deutschland Chef Thomas Hänle:

Ruinart blanc de blanc /weiße Flasche): Kreide ohne Ende, wie in den endlosen Gängen darunter, herb, wunderbarer Champagner für jeden Tag und jede Tageszeit 90+

Dom Ruinart 1998: herb, feine Kräuter, spitze Säure, muss noch lagern! 91+

Dom Ruinart 1996: gereift, golden, cremig, schön elegant, Seide 93/94+

Rosé: Hubbabubba Erdbeersorbet 88+

Dom Ruinart Rosé 1996: pure Walderdbeere, hauch Pumpernickel, sehr feine Robe, 93/94

Dom Ruinart Rosé 1990: Dunkler Lachs-Ton, touch sherry, wie ältere Burgunder, faszinierend rich und komplex, wunderbar 94-95+

Was für eine schöne Tour mit Andrea Hornung (San Nicci), Boris Radzcun (Grill Royal), Thomas Frede (Entrecote), Jens Pietzonka (Bean & Beluga), Norman Schmidt (Lorenz Adlon), Iris Schmied (Alpenstueck), David Wiedemann (Barschule Berlin), Marco Krentzien (Hugos), Konrad Finsterbusch (Duke), Alice Beckmann, Sebastian Rabe und Georg Mauer u.a.

Herzlichen Dank an Ruinart, Legras & Haas und den Berliner Händler Wein & Glas!

Grüße, Niko