HOTELS
28. Mai 2009

Intercontinental Berchtesgaden Resort soll verkauft werden

Das vor vier Jahren eröffnete Hotel Intercontinental Berchtesgaden Resort auf dem Obersalzberg ist nur gut zur Hälfte ausgelastet und machte zuletzt vier Millionen Euro Verlust. Dafür muss die staatliche Landesbank BayernLB aufkommen. Jetzt will das Land Bayern das Hotel mittelfristig loswerden

Der Staatsbetrieb des verlustreichen Luxushotels auf dem Obersalzberg ist an eine Laufzeit von bis zu 25 Jahren gebunden. Vereinbart mit dem Intercontinental-Hotelkonzern für die Herberge auf dem früheren Urlaubsberg der NS-Führung sind 15 Jahre plus eine zweimalige Verlängerungsoption von je fünf Jahren, wie es am Mittwoch in informierten Kreisen hieß. Die lange Laufzeit bedeutet jedoch nicht, dass ein Investor das Hotel nicht früher übernehmen könnte, wie es bei den Koalitionspartnern CSU und FDP hieß.

Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) will die Mehrheitsbeteiligung mittelfristig loswerden. Die Opposition forderte im Landtag umfassende Aufklärung über die Millionenverluste des Hotels. Als Konsequenz aus dem Milliardendebakel der BayernLB in der globalen Finanzkrise brachte die Staatsregierung außerdem die Änderung des Landesbank-Gesetzes in den Landtag ein.

Die Staatsregierung habe bei Abschluss der Verträge nie klar gemacht, «wie das Betreibermodell tatsächlich ausschaut», warf SPD- Fraktionschef Franz Maget der CSU vor. Maget legte Fahrenschon den Rückzug vom Vorsitz des BayernLB nahe. «Auch hier wurde wie in vielen anderen Fällen die Bayerische Landesbank für Interessen von CSU- Ministern eingespannt und in millionenschwere Verlustgeschäfte getrieben», kritisierte Maget. Die Freien Wähler verlangten «unverzüglich, umfassend und öffentlich unterrichtet» zu werden.

Fahrenschon widersprach und betonte, der Haushaltsausschuss des Landtags sei vor der Eröffnung des Hotels durchaus informiert worden. Der CSU-Abgeordnete und Chef der BayernLB-Kontrollkommission, Ernst Weidenbusch, argumentierte, das Hotel diene auch dazu, Nazis vom Obersalzberg fernzuhalten. «Wir wollen diese braune Brühe da oben nicht haben.» Zum öffentlichen Auftrag der BayernLB gehöre auch, Schaden vom Ansehen des Freistaats Bayern fernzuhalten.

Die von Weidenbusch geleitete Landtags-Kontrollkommission für die BayernLB will das verlustreiche Hotel nun inspizieren. Das Gremium wolle sich vor Ort ein Bild von der Situation machen, sagte Weidenbusch am Rande der Plenarsitzung. «Wir werden hinfahren, aber nicht dort übernachten.» Die Kommission wolle nicht nur das Hotel besuchen, sondern auch das nahe gelegene NS-Dokumentationszentrum. Weidenbusch gab keine Empfehlung ab, was der Freistaat mit dem defizitären Luxushotel anfangen soll. Einen Termin für den Besuch der Kommission in Berchtesgaden gibt es noch nicht.

Am Montag war bekanntgeworden, dass für das jährliche Defizit des Fünf-Sterne-Hotels von zuletzt vier Millionen Euro allein die staatliche Landesbank über eine eigens dafür gegründete Gesellschaft aufkommt.

Wie es am Mittwoch in der Finanzbranche in München hieß, sind bei Verträgen von Hotelketten mit Beteiligungsgesellschaften lange Laufzeiten üblich. Fahrenschon will jedoch die Beteiligung des Freistaats an dem Hotel loswerden. «Mittelfristig ist die Herausforderung, dass sich der Staat aus diesem Projekt zurückzieht oder zumindest seine übergroße Beteiligung zurückfährt», hatte er am Dienstag im Landtag gesagt.

Das vor vier Jahren eröffnete Intercontinental Resort mit 137 Zimmern und einer Präsidentensuite ist nur gut zur Hälfte ausgelastet. Das Gebäude zu Füßen von Hitlers einstiger Alpenfestung war nach einem Beschluss der Bayerischen Staatsregierung gebaut worden, um den Tourismus im von der Nazi-Diktatur belasteten Berchtesgadener Land zu beleben.

Die Novelle des Landesbank-Gesetzes sieht unter anderem vor, dass künftig auch vier externe Fachleute in den Verwaltungsrat berufen werden, um die Geschäfte der Bank besser kontrollieren zu können. Außerdem schafft die Gesetzesänderung die Grundlage für einen späteren Verkauf oder eine Fusion mit anderen Banken. dpa