Interview mit ARCOTEL CEO Martin Lachout: Linz hebt ab

Lieber Herr Lachout, im April hat das ARCOTEL Tabakfabrik eröffnet. Wie ist Ihre Bilanz nach dem ersten halben Jahr?

Ausgesprochen positiv. Wir sind von Tag 1 an geradezu überrannt worden. Das Restaurant Q27 ist Wochen im Voraus reserviert, das Hotel ist aktuell ebenfalls ausgebucht, und auch mit dem Tagungsgeschäft sind wir sehr zufrieden. Wir sehen, dass wir genau den richtigen Riecher hatten, die Stadt brauchte ein außergewöhnliches Hotel und Restaurant.

Wie positioniert sich das Q27 als Restaurant, wird es auch von Linzerinnen und Linzern angenommen?

Auf jeden Fall. Es sind gerade die Locals, die dafür sorgen, dass das mit 160 Plätzen recht große Restaurant immer gut gefüllt ist. Das liegt einerseits an dem überwältigenden 360 Grad-Blick auf Linz und Umgebung auf über 100 Metern Höhe, so etwas hat es bisher nicht gegeben in der Stadt. Gleichzeitig soll man bei uns nicht den Fahrstuhl in die 27. Etage bezahlen, wir sind kein teures Lokal. Das Bier kostet genauso viel wie unten im „Zur Liesl“, und auch die Essenspreise sind absolut vernünftig. Wir haben uns genau auf das Linzer Publikum eingestellt: Die älteren Gäste kommen am frühen Abend, und je später es wird, je jünger wird das Publikum. Am Wochenende haben wir einen DJ, und es passiert regelmäßig, dass abends der Fisch für die Sushi-Bar aus ist.

Konnte mit dem Bau des QUADRILL Tower das neue Viertel um die Tabakfabrik belebt werden?

Absolut, die Stadt hat einen Leuchtturm bekommen, den man schon von der Donaulände aus sieht. Er wertet das ganze Areal auf. Er zieht ganz neue Gäste an, und auch in der Tabakfabrik selbst wird sich noch viel viel tun in der Zukunft, der Innenhof soll begrünt werden, und es sind neue Veranstaltungsformate geplant. Das ganze Areal entwickelt sich fast zu einer Art zweitem Stadtzentrum, einem Treffpunkt mit immer mehr Angeboten. Es gibt einen sensationellen Bäcker, Cafés und Restaurants, hier entsteht eine junge, lässige Szene, die vielen Start-ups befruchten sich gegenseitig - da sind Unternehmen dabei, die man vom Namen her vielleicht nicht kennt, die aber enormes Zukunftspotenzial haben. Wir wollen ein Teil der Tabakfabrik sein, wo jetzt die Köpfe rauchen statt der Zigaretten, die hier früher für ganz Österreich hergestellt wurden. Das ist eine ganz spannende Entwicklung, hier geht es um Innovation und nicht darum, sich auf irgendwelchen Lorbeeren auszuruhen.

ARCOTEL Eigentümerin Dr. Renate Wimmer hat als gebürtige Linzerin eine besondere Beziehung zur Stadt. Spielte das eine Rolle bei der Auswahl des Standortes?

Natürlich hat Frau Dr. Wimmer eine sehr enge Beziehung zu der Stadt, in der sie aufgewachsen und zur Schule gegangen ist. Wir wollten neben dem ARCOTEL Nike schon immer ein zweites Haus in Linz haben, weil die Stadt unserer Meinung nach unterschätzt ist. 

Wie haben Sie es geschafft, sich ein solch prestigeträchtiges Objekt zu sichern?

Wir waren jedes Jahr auf dem Neujahrsempfang, wo sich die Elite von Linz trifft, und so wussten wir früh von der Ausschreibung und dass das Architekturbüro  Zechner & Zechner die Ausschreibung gewonnen hatte. Es hat ein paar Runden gedauert, aber ein Pluspunkt war sicherlich, dass wir bereit waren, 6,4 Millionen für die Ausstattung des Hotels einzubringen. Ich gehe davon aus, dass das den Bauträger, die Firma Bodner, beeindruckt hat.

Was ist das Besondere am ARCOTEL Tabakfabrik in Bezug auf die Architektur und das Design?

Das ARCOTEL Tabakfabrik ist unser Flagship-Hotel, der Höhepunkt unter allen 13 Häusern in Deutschland und Österreich. Es setzt architektonisch wie konzeptionell neue Maßstäbe. Gemeinsam mit Bodner Bau als Developer wollten wir etwas Besonderes entstehen lassen. Wir verzichteten auf die klassische Lochfassade und verstehen uns als architektonisches Statement für das ganze Quartier. Im Inneren setzen wir auf klare, reduzierte Linien, damit die Räume für sich selbst sprechen. Statt die für österreichisches Design typischen schweren Vorhänge und floralen Muster einzusetzen, greift das Interieur den industriellen Charakter des Ortes auf, ohne dabei kühl zu wirken. Die Architektur der Umgebung soll sich im Haus wiederfinden, vor allem in den gemeinsam genutzten Bereichen, etwa in der zehn Meter hohen Lobby, an deren Decke die Zigaretten hängen. Auch das „Linzer Blau“, jener charakteristische Türkiston, kehrt hier wieder. Diese Details sind gewollt, sie verbinden die Geschichte mit der Gegenwart, zeigen, wer wir sind und woher wir kommen. Ein besonderes Gestaltungselement ist zudem das gemeinsam mit Ars Electronica Solutions entwickelte Themenzimmer. 

Das Haus hat es unter die 10 Nominierten zur „Hotelimmobilie des Jahres“ geschafft. Was hat die Jury aus Ihrer Sicht besonders überzeugt?

Ich denke, dass das ARCOTEL Tabakfabrik besonders mit der Einbindung des neu errichteten, hochtechnisierten QUADRILL Tower in das historische Areal der Tabakfabrik in Linz und mit der außergewöhnlichen Industriearchitektur, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet, punkten konnte. Auch dass das Architekturbüro Zechner & Zechner den kompletten Entwurf als innovative BIM-Planung angelegt hat, dürfte eine Rolle gespielt haben. Ob und womit wir die Jury am Ende überzeugen können, wird sich am 7. Oktober in München zeigen.

Glauben Sie, dass die Stadt Linz durch das neue Hotel an Attraktivität gewonnen hat?

Der QUADRILL Tower ist ein Leuchtturm, Linz hat so etwas dringend gebraucht. Bisher gab es hier eine saubere, funktionale Hotellerie, mehr nicht. Wegen der Werke kommen aber wichtige Leute in die Stadt, und die sind bisher abends in ihren schwarzen Limousinen nach Wien gefahren. Diese Lücke haben wir mit dem ARCOTEL Tabakfabrik geschlossen, mit einem 4-Sterne-Hotel und ohne auf großen Luxus zu setzen. Wir können etwas ganz Anderes bieten: Vom Restaurant aus können unsere Gäste die eigene Fabrik sehen und ihren GeschäftspartnerInnen zeigen, im Hotel spiegelt sich mit der Kombination aus Sichtbeton, Stahl und Linzer Blau die Geschichte von Linz wider. Wir haben nicht nur ein Hotel mit state-of-the-art-Standards und -Design geschaffen, sondern vor allem Emotionen und Einzigartigkeit. Das strahlt auf die Stadt zurück, denn Gäste kommen jetzt nicht nur tagsüber für Businesstermine, sondern bleiben über Nacht.

Was sind Ihre nächsten Pläne bei ARCOTEL Hotels?

Wir sind immer auf der Suche nach PartnerInnen und vernünftigen Standorten. Es gibt die Idee eines Refurnishments, wir haben Bürogebäude im Blick, die vom Grundriss her für ein Hotel passen könnten. Das ARCOTEL AQ in Wien war auch so ein Bürogebäude, so etwas würde ich gerne machen. Neubauten planen wir aktuell nicht, in der jetzigen Phase ist es irrsinnig schwierig, mit steigenden Zinsen und explodierenden Baukosten ein ordentliches Projekt aufzuziehen. 

Grundsätzlich glaube ich, dass man heute etwas schaffen muss, wo die Nachfrage nach dem Produkt aus dem Bedürfnis des Kunden entsteht. Hotels gibt es genügend auf dem Markt, Hospitality muss viel mehr sein als eine simple Übernachtung. Wir müssen Orte schaffen, wo Menschen gerne Ihre Zeit verbringen und wo sie einzigartige Momente erleben. Es geht um Gefühle, nicht um etwas Funktionales. Im ARCOTEL Tabakfabrik liefere ich genau diese Emotionen, ich schenke besondere Momente. Fahren Sie mal hoch auf den Turm und beobachten den Sonnenuntergang über Linz. Das fühlt sich an wie in einem Raumschiff, völlig losgelöst von Zeit und Raum. Genau das haben wir mit dem Produkt geschafft, das ist meine Vision für die Zukunft.

Herr Lachout, wir danken für das Gespräch.