WEIN
04. Juni 2013

Italiener lehrten die Franzosen wie man Wein macht

Foto pitopia

Laut Studie eines internationales Forscherteams brachten die Italiener den Franzosen die Weinherstellung bei - und die dafür erforderlichen Reben brachten sie gleich mit

Die Etrusker aus Italien brachten den Franzosen vermutlich die Weinherstellung bei. Zunächst exportierten sie ihren Wein noch per Schiff nach Frankreich. Spätestens gut 400 Jahre vor Christus begannen dann die Franzosen selbst, Wein anzubauen und zu keltern, wie ein internationales Forscherteam in den «Proceedings» der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften schreibt. Es sei wahrscheinlich, dass sie dabei auf die Kenntnisse der Etrusker und auch auf deren domestizierte Weinpflanzen zurückgegriffen haben.

Der Anbau von Wein ist eine sehr alte Kulturtechnik, die vor etwa 9000 Jahren im Nahen Osten entwickelt wurde. Wie das Handwerk nach Westen und in den Mittelmeerraum gelangte, sei weniger gut bekannt, erläutern die Autoren um Patrick McGovern vom Museum für Archäologie und Anthropologie der Universität von Pennsylvania in Philadelphia. Die Ägypter bauten im 4. Jahrtausend vor Christus Wein an, von dort verbreiteten Seefahrer das Handwerk vermutlich im Mittelmeerraum. Ab etwa 625 vor Christus brachten die Etrusker Wein aus Zentralitalien in Amphoren per Schiff an die Küsten Südfrankreichs.

Die Forscher um McGovern untersuchten nun solche etruskischen Amphoren, die in der Hafenstadt Lattara in Südfrankreich ausgegraben worden waren. Sie wählten drei Amphoren aus, die besonders gut erhalten waren und Rückstände von einer Flüssigkeit am Boden zeigten. Diese untersuchten sie mit verschiedenen, hauptsächlich massenspektrometrischen Verfahren. Sie fanden dabei unter anderem Hinweise auf Weinsäure in den Gefäßen - und damit dafür, dass in ihnen tatsächlich Wein aufbewahrt worden war.

Zudem untersuchten die Forscher eine alte Presse aus Stein, die ebenfalls in Lattara gefunden worden war und aus der Zeit um 425 bis 400 vor Christus stammt. Auch daran wiesen die Wissenschaftler Spuren von Weinsäure nach. Bisher war unklar, ob mit der Presse Weintrauben oder etwa Oliven gepresst wurden. Die Traubenpresse stelle den ersten eindeutigen Beweis von Weinherstellung auf französischem Boden dar.

Die Forscher fanden zudem Spuren von Baumharz, vermutlich Pinienharz, und von bestimmten Gewürzen, wie Rosmarin, Thymian oder Basilikum. Diese Zusätze könnten auf eine medizinische Anwendung des Weins hindeuten. Medizinische Wirkstoffe wurden in der Antike häufig in Alkohol gelöst. Die Baumharze könnten zudem die Haltbarkeit des Weins beim Transport per Schiff verbessert haben.

Zusammen mit den Resten von Traubenkernen, Stielen und Früchten, die in Lattara in großen Mengen gefunden worden waren, liefere ihre Untersuchung gute Anhaltspunkte dafür, wie der Wein nach Frankreich kam und wie dort eine eigene Wein-Industrie begründet wurde.

Heute ist Frankreich das wichtigste Weinanbauland der Welt. Knapp dahinter folgt Italien, wie die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) kürzlich in Paris mitteilte. Die Weinherstellung sei im vergangenen Jahr weltweit um fünf Prozent auf 250,9 Millionen Hektoliter zurückgegangen.

Obwohl Länder wie Chile, China oder die USA aufholten, produzierten Frankreich, Italien und Spanien zusammen immer noch etwa die Hälfte der weltweiten Weinmenge. dpa