12. März 2009

ITB 2009: So wird im Urlaub gespart

Tourismus-Trends in der Krise: All-inclusive und weniger Einkaufen. Die FUR-Reiseanalyse

Verunsicherung ja, kompletter Verzicht nein: So sieht aus der Sicht von Tourismusforschern und Reisebranche derzeit die Stimmungslage der Deutschen in Sachen Urlaub aus. Zum Start der Reisemesse ITB in Berlin (noch bis 15. März) wurde zwar deutlich, dass etwa jeder siebte Deutsche (15 Prozent) einen Einfluss der Finanzkrise auf seine Urlaubspläne sieht. Zugleich geht die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) aber auch davon aus, dass der Anteil der Deutschen, die ihre Koffer packen, nur von 76 auf 73 Prozent zurückgehen wird. Und Klaus Laepple, Präsident des Branchenverbandes DRV, erklärte, dass trotz der Wirtschaftskrise im Sommer kein Rabattkampf der Reiseveranstalter zu erwarten sei.    

Urlaubsreisen seien für die Deutschen eine "liebe Gewohnheit", sagte der Tourismusforscher Prof. Martin Lohmann aus Kiel bei der Vorstellung der neuen FUR-Reiseanalyse. "Das ist so ähnlich wie Weihnachtsbaum-Kaufen. So schnell verzichtet man darauf nicht." Die Tourismusforscher gehen deshalb davon aus, dass die Deutschen eher versuchen werden, an ihren Urlaubsorten die Ausgaben zu senken - also zum Beispiel weniger oft Essen zu gehen und seltener einzukaufen. Auch die Zahl der Kurztrips und zusätzlichen Reisen könnte sinken.    

Budgetsicherheit am Urlaubsort ist den Deutschen derzeit wichtig - so sieht es auch DRV-Präsident Laepple. Bei den Buchungen für den Sommer lägen vor allem All-inclusive-Angebote im Trend, bei denen die Touristen schon bei der Anreise wissen, was sie alles kostenlos essen und trinken dürfen und welche Sport-Aktivitäten ihnen umsonst geboten werden. Die Türkei mit ihrem großen Angebot an All-inclusive-Hotels liege derzeit - gegen alle Trends - mit acht Prozent mehr Buchungen bei den Veranstaltern im Plus.

Das wichtigste Reiseziel der Deutschen im Ausland werde aber auch 2009 Spanien bleiben. Dort legten momentan vor allem Ziele auf dem Festland bei den Veranstaltern zu. Mallorca, Ibiza und die Kanaren dagegen seien weniger gebucht als zur ITB 2008.    

Als die FUR-Befrager im Januar und Februar ihre 7815 Interviews in Deutschland führten, hatten 12 Prozent der Befragen bereits ihre Urlaubsreise 2009 gebucht - 2 Prozentpunkte weniger als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr. Allerdings war der Anteil derer, die sich bereits sicher waren, diesmal nicht in den Urlaub zu fahren, auch nur von 10 auf 11 Prozent gestiegen. Bei 19 statt 16 Prozent lag dagegen der Anteil der Unentschlossenen, die zwar reisen wollen, aber noch nicht wissen wohin. Das seien etwa zwei Millionen Menschen, die nun einen "Puffer für die Urlaubsanbieter" darstellen, sagte Lohmann.    

Die FUR-Reiseanalyse kommt damit zu etwas anderen Zahlen als Prof. Horst W. Opaschowski von der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg, der ebenfalls im Januar in Deutschland Verbraucher befragen ließ. Laut seiner Analyse, vorgestellt auf der Messe Reisen Hamburg, war die Zahl der am Jahresanfang noch unentschlossenen Urlauber mit 34,8 Prozent so hoch wie nie zuvor in den vergangenen 25 Jahren.    

Gezögert wird von manchem sicherlich, weil er seine persönliche wirtschaftliche Lage im Sommer derzeit noch nicht abschätzen kann. Allen, die auf Last-Minute-Schnäppchen hoffen, erteilte DRV-Präsident Laepple dagegen eine Absage: "Eine Preisschlacht wird es in der Form, wie das vielleicht erwartet wird, nicht geben." Was im Sommer "auf der Resterampe ist", werde den Kurzfristbuchern sehr eingeschränkte Wahlmöglichkeiten lassen. Große Veranstalter hätten wegen des schwachen Buchungsstandes im Januar ihr Angebot deutlich reduziert. Bei steigender Nachfrage könne es aber flexibel auch wieder erhöht werden - und seit einigen Wochen zögen die Buchungen an. Generell gelte für die Unternehmen: Ihre Marge kommt vor der Masse.    

Eine andere Entwicklung könnte die Wirtschaftskrise allerdings in jedem Fall verstärken: Das Wegbröckeln der Mittelschicht in Deutschland lasse sich auch im Tourismus erkennen, sagte Peter Aderhold, Geschäftsführer der FUR. Seit 2001 sei die Zahl der Reisenden in der Mittelschicht um 2,22 Millionen gesunken, während sie in der Oberschicht um 1,59 Millionen und in den unteren sozialen Schichten um 1,63 Millionen gestiegen sei. Dadurch lasse sich erklären, warum jetzt einerseits Luxusreisen und andererseits der besonders preisgünstige Urlaub gefragt sind. (Christian Röwekamp/dpa)