11. März 2010

ITB 2010: Skepsis und Zuversicht

In der Reisebranche herrschen nach dem Krisenjahr 2009 ebenso Skepsis wie Zuversicht, dass die Folgen der weltweiten Rezession bald überwunden sein werden

Die Vereinten Nationen rechnen vor allem dank der starken Nachfrage in Asien mit einer raschen Erholung des weltweiten Tourismus. Die deutschen Touristikunternehmen sind eher zurückhaltend bei ihren Hoffnungen auf eine Trendwende.

Der Generalsekretär der UN-Tourismusorganisation UNWTO, Taleb Rifai, sagte am Donnerstag auf der Reisemesse ITB in Berlin: «Die Ergebnisse der vergangenen Monate deuten auf eine Wiederbelebung hin, die etwas früher kommen und stärker ausfallen wird, als ursprünglich erwartet.» Dieses Jahr sei mit einem Anstieg der internationalen Gästeankünfte um drei bis vier Prozent zu rechnen. 2009 war laut UNWTO mit einem Rückgang der grenzüberschreitenden Ankünfte um vier Prozent auf 880 Millionen eines der schlechtesten Tourismusjahre.

Deutsche Reiseveranstalter und -verbände hatten sich zuletzt zwar vorsichtig optimistisch bei ihren Erwartungen an das Geschäft 2010 gezeigt. Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau sei aber voraussichtlich in diesem Jahr noch nicht zu erreichen. Die Reisepreise sind im Keller, Umsätze schwinden, auch wenn die Urlauberzahlen zum Teil gleich hoch sind wie früher.

Zu den weiterhin wachsenden Sektoren gehören Kreuzfahrten. Die Branche hat 2009 in Deutschland erneut ein Rekordergebnis erzielt. Zum ersten Mal unternahmen mehr als eine Million Deutsche eine Hochseereise, berichtete der Deutsche Reiseverband (DRV). Damit lagen die 34 Anbieter auf dem deutschen Hochseemarkt um 13,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Binnen zehn Jahren hat sich die Zahl der Hochseeurlauber verdreifacht und für 2010 werden erneut zweistellige Zuwächse erwartet.

Die Flussschiff-Anbieter zählten gut 396 000 Urlauber, 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Dort ging jedoch der Umsatz wegen Pleiten in zwei Reedereien zurück. Auch die teuren Luxusliner der TUI-Tochter Hapag-Lloyd waren 2009 nach Angaben der Reederei weiter gut besetzt.

Einen Anstieg der Gästezahl um fünf Prozent konnte anders als viele Konkurrenten der drittgrößte deutsche Reiseveranstalter Rewe für seine Pauschalreisetöchter ITS, Tjaereborg und Jahn Reisen melden. Der Umsatz sei allerdings in etwa auf Vorjahresniveau, da die Preise um vier bis fünf Prozent gesenkt worden waren. Der Veranstalter hofft, das Plus über das Jahr halten zu können.

Insgesamt gelte jedoch: «Der Markt wird sicher noch eine Weile brauchen, um sich zu erholen», sagte Geschäftsführer Ralph Schiller. 2010 werde angesichts der Wirtschaftskrise und ihrer Folgen eher ein noch schwierigeres Jahr als 2009.

Zu den Gewinnern gehören bei Rewe auch die Balearen mit Mallorca und Menorca, die zweistellige Zuwächse bei den Buchungen erreichten. Insgesamt gehören diese Inseln derzeit zu den großen Verlierern. Aber auch Urlaub im eigenen Land liege bei den Deutschen im Trend.

Beliebter geworden sind die ostdeutschen Bundesländer. Doch die Gäste achten stärker aufs Geld und verpflegen sich öfter selbst. Das ergab das «Tourismusbarometer» der Sparkassen. Trotz steigender Übernachtungszahlen seien deshalb 2009 die Umsätze der Herbergen und Gaststätten in den Ost-Ländern fast überall zurückgegangen. Die Branche blicke eher skeptisch in die neue Saison.    

Im Krisenjahr 2009 waren nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) auch die Radtouristen sparsamer: Gaben sie an der Radstrecke entlang der Elbe 2007 im Schnitt noch 70 Euro pro Tag aus, waren es im vergangenen Jahr etwa 10 Euro weniger. Kritik übte der ADFC an der Deutschen Bahn. Zwar habe sie 265 000 Fahrräder in ihren Zügen transportiert und damit etwas mehr als im Vorjahr. Durch die Umwandlung von Intercity- zu ICE-Verbindungen schränke die Bahn die Fahrradmitnahmemöglichkeiten aber ein.

Die Reisemesse verzeichnete an ihrem zweiten Tag gestiegene Besucherzahlen. «Der Trend ist positiv», sagte ITB-Chef Martin Buck. Die Messe ist bis Freitag Fachbesuchern vorbehalten, an den letzten Messetagen am Samstag und Sonntag öffnet sie auch für Privatbesucher. dpa