09. März 2010

ITB Berlin 2010: Preise sind im Keller

Die Reisebranche startet nach kräftigen Rückgängen im vorigen Jahr vorsichtig optimistisch in die neue Saison

Die Talsohle sei durchschritten, die Lust auf Sommerurlaub steige wieder und die Buchungen zögen seit Mitte Dezember wieder an, sagte der Präsident des Branchenverbandes DRV, Klaus Laepple, auf einer Pressekonferenz vor Eröffnung der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin. Für Euphorie gebe es aber keinen Grund. Erst 2011 «könnte wieder ein normales Jahr mit stabiler Preisentwicklung und wachsender Teilnehmerzahl werden», sagte Laepple.

Derzeit seien die Preise im Keller. Hoteliers hatten den Reiseanbietern hohe Rabatte gewährt, nachdem die Gästezahl aus vielen europäischen Ländern eingebrochen war. Hinzu kamen geringere Kosten für Kerosinzuschläge bei Flugreisen. «Die Preise für organisierten Urlaub sind so günstig wie schon lange nicht mehr», sagte Laepple. Einen Preiskampf werde es aber nicht geben.

Erstmals seit Jahren war 2009 der Gesamtumsatz bei den Reiseveranstaltern gesunken. Nach den endgültigen Zahlen ging der Umsatz um rund drei Prozent auf 20,8 Milliarden Euro zurück. Dabei sei aber zu berücksichtigen, dass das Vergleichsjahr 2008 mit einem Plus von fünf Prozent das bislang umsatzstärkste der Branche gewesen sei. Deutlich stärker als bei Urlaubsreisen war das Minus bei Geschäftsreisen, weil Betriebe ihre Reisebudgets in der Krise zusammengestrichen hatten. Geschäftsreisebüros hätten ein Umsatzminus von 25 Prozent hinnehmen müssen, sagte Laepple.

Von den deutschen Flughäfen sind 2009 deutlich weniger Passagiere ins Ausland geflogen - erstmals seit sieben Jahren, wie das Statistische Bundesamt berichtete. 67,2 Millionen Passagiere bestiegen die Flugzeuge, 4,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Vor allem die Touristenflieger in Europa waren betroffen - mit einem Minus von 5,0 Prozent auf 51,5 Millionen Gäste. So flogen noch 6 Millionen auf die Mittelmeerinseln, die fast alle an Zuspruch verloren. Auf die Balearen mit der Hauptinsel Mallorca flogen noch 3,9 Millionen Fluggäste aus Deutschland - nach 4,1 Millionen im Jahr zuvor.

Trotz der sinkenden Gästezahlen habe sich Spanien aber erneut an der Spitze der Auslandsreiseziele behauptet, sagte Laepple. Auch Italien und Österreich hätten ihre Positionen auf den unmittelbar folgenden Rängen verteidigen können. Zugelegt habe der östliche Mittelmeerraum, vor allem die Türkei mit einem günstigen Preis-Leistungsverhältnis. Die Türkei ist in diesem Jahr Partnerland auf der ITB. Der türkische Tourismusminister Ertugrul Günay sagte, die Türkei wolle die Gästezahlen aus Deutschland weiter steigern - von 4,5 Millionen im vorigen Jahr auf über fünf Millionen 2010. Die Türkei wolle dabei auch seine kulturellen Schätze herausstreichen.

Die Internationale Tourismus-Börse in Berlin beginnt an diesem Mittwoch mit einer Rekord-Ausstellerzahl. 11 127 Unternehmen aus 187 Ländern zeigen bis zum Sonntag ihre Angebote rund um Reise und Urlaub. Die 26 Messehallen am Berliner Funkturm sind bis zum Freitag dem Fachpublikum vorbehalten. Am Wochenende öffnet die ITB auch für Privatbesucher. dpa