ITB in Berlin 16 Geheimtipps

Von Michael Zehender

Mecklenburg-Vorpommern ist 2018 das Partnerland der Reisemesse ITB in Berlin. Ohnehin liegt Urlaub in Deutschland hoch im Kurs. Viele Regionen und Reiseziele sind dabei weithin bekannt: Dresden, Schloss Neuschwanstein, der Hamburger Hafen und das Brandenburger Tor zum Beispiel. Doch in jedem Bundesland gibt es auch interessante weniger bekannte Orte. 16 Geheimtipps aus den 16 deutschen Bundesländern für eine Reise:

 

Baden-Württemberg: Oberlauf der Donau

Die Donau als zweitlängsten europäischen Strom kennt fast jeder. Doch wahrscheinlich die wenigsten kennen die wilde Seite des Flusses in Baden-Württemberg. Von der Quellregion im Schwarzwald bahnt sich der junge Fluss seinen Weg am Südrand der Schwäbischen Alb entlang, wo sich das Donautal mit hoch aufragenden Kalkfelsen und dem schmalen Flussbett bildete. Spannend für Urlauber kann auch die Suche nach den Anfängen des Flusses sein. «Brigach und Breg bringen die Donau zu Weg», sagt der Volksmund. Doch auch die Bregquelle bei Furtwangen und die Quelle des Donaubachs in Donaueschingen werden als Anfänge des Flusses diskutiert. Interessant ist auch ein Naturphänomen einige Kilometer weiter: die Donauversickerung bei Tuttlingen. An etwa 150 Tagen im Jahr versinkt hier die Donau komplett im Flussbett und gelangt über ein unterirdisches Karstwassersystem in den sogenannten Aachtopf (www.die-junge-donau.de und www.donauversickerung.info).

 

Bayern: Käse aus Gunzesried

Ein ganzes Dorf macht Käse - so lässt sich vielleicht am besten die Sennerei Gunzesried in der Nähe von Sonthofen beschreiben. Seit 1892 wird in der nach Angaben von Bayern Tourismus ältesten Sennerei des Freistaats Käse produziert. Sie befindet sich als Genossenschaft im Besitz der örtlichen Bauern. In der Sennerei gibt es einen kleinen Verkaufsbereich und einige Tische, an denen verschiedene Käsesorten bei einer Brotzeit direkt verzehrt werden können. Auch bei einer kleinen Wanderung ist die Sennerei ein guter Stopp. Der Weg führt von Gunzesried aus an der Senn-Alpe vorbei über einen kleinen Höhenweg wieder zurück zur Sennerei im Dorf (www.gunzesrieder-bergkaese.de).

 

Berlin: Buddhistisches Haus

In Frohnau im Norden der Stadt liegt der laut Visit Berlin älteste buddhistische Tempel Europas. Der Arzt und Schriftsteller Paul Dahlke hat ihn von 1922 bis 1924 für die von ihm gegründete Buddhistische Gemeinde errichtet. Besucher betreten das Gelände durch das Elefantentor. 73 Stufen über acht Treppenabsätze sind zu passieren, die den achtfachen Weg Buddhas zur Erlösung symbolisieren. Zu sehen sind der Tempel, die angeschlossene Bibliothek und der Garten täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr. Auch Meditationskurse, Führungen und Vorträge werden angeboten (www.buddhistisches-haus.de).

 

Brandenburg: Uckerseen

Mehr als 3000 Seen gibt es in Brandenburg. Der Unteruckersee bei Prenzlau ist mit sieben Kilometern Länge einer der größten. Mit dem Oberucker- und dem Potzlower See bildet er eine Art Seen-Trio. Unter- und Oberuckersee sind durch den Ucker-Kanal verbunden. Per Boot durchquert man hier eines der größten zusammenhängenden Schilfgebiete Deutschlands. Die Seen lassen sich besonders gut erkunden per Kanu und in einer Kombination aus Fahrradtour und dem Fahrgastschiff «Onkel Albert», das in Warnitz ablegt (www.ferienregionuckerseen.de).

 

Bremen: Sternstunden

Gemessen an der Einwohnerzahl, hat Bremen in Deutschland die höchste Beschäftigungsdichte in der Luft- und Raumfahrt. In mehr als 140 Betrieben und rund 20 Forschungseinrichtungen arbeiten laut der Bremer Touristik-Zentrale etwa 12 000 Menschen. Nun hat Bremen das Raumfahrtjahr «Sternstunden 2018» ausgerufen. Unter anderem gibt es Führungen bei Airbus, wo das Columbus-Modul der Raumstation ISS entstand. In einem Nachbau erfahren Besucher Wissenswertes über das Leben im All. Für Besucher geöffnet haben auch der Fallturm im Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation, wo mit Schwerelosigkeit experimentiert wird, und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (www.bremen-tourismus.de/raumfahrt).

 

Hamburg: Ottensen

Viele Hamburger nennen den Altonaer Stadtteil Ottensen noch immer «Dorf». Die Ursprünge gehen in der Tat auf ein holsteinisches Dorf zurück, damals mit dem Namen Ottenhusen. Heute ist Ottensen eines der lebendigsten Viertel Hamburgs mit einer Kneipen- und Restaurantszene, die sich sehen lassen kann. Kultureller Höhepunkt im Jahr ist das Kultur- und Straßenfest Altonale. «Die Fabrik» dient seit 1971 als Kulturzentrum und wurde unter anderem durch Otto Waalkes, Inga Rumpf und Udo Lindenberg bekannt. Fünf Theater gibt es im Stadtteil und mit dem «Zeise» eines der schönsten Kinos (www.hamburg.de/ottensen).

 

Hessen: Warzenbeißer Kunstweg

Im Nationalpark Kellerwald-Edersee steht die Natur an erster Stelle. Doch auch die Kunst kommt nicht zu kurz. Zehn sogenannte Land-Art-Objekte bilden den Warzenbeißer Kunstweg. Sie sind in die natürliche Umgebung entlang der Bloßenberg-Route integriert. Einige Objekte sind dauerhaft, andere sollen sich mit der Zeit langsam auflösen. Der Warzenbeißer ist eine Heuschreckenart, die in vielen Teilen Deutschlands bereits ausgestorben ist, im Nationalpark aber einen Lebensraum findet (www.nationalpark-kellerwald-edersee.de).

 

Mecklenburg-Vorpommern: Schweriner See

Wie heißt Norddeutschlands zweitgrößter See? Auf den Schweriner See würden wahrscheinlich nicht viele Menschen tippen - wenn sie ihn denn überhaupt kennen. 61,54 Quadratkilometer misst er, und seit 2000 ist er ein europäisches Vogelschutzgebiet. Erkunden lässt er sich mit Booten aller Art, außerdem gibt es Fahrrad-, Reit- und Wanderwege.

Ein besonderes Ausflugsziel ist Schloss Wiligrad (Foto oben). Am Ende des 19. Jahrhunderts am Steilufer errichtet, liegt es in einer außergewöhnlichen Gartenlandschaft. In der DDR diente das Schloss als Parteischule und später als Ausbildungsstätte der Polizei. Im Park entstanden Schießstände und Bunkerhügel. Heute finden im Schloss Kunstveranstaltungen statt (www.schwerin.m-vp.de/schloss-wiligrad/).

 

Niedersachsen: Wendland

Den meisten Menschen in Deutschland ist das Wendland wahrscheinlich vor allem durch Gorleben und den Protest gegen das Atommülllager bekannt. Die Region hat aber auch andere, für Urlauber interessante Dinge zu bieten. Allen voran sind das die Rundlingsdörfer. Von einst Tausenden in Norddeutschland sind noch 95 erhalten - alle liegen im Wendland. Daneben ist die Region bekannt für Kunst und Kultur, zum Beispiel mit der kulturellen Landpartie, die jedes Jahr an rund 100 Orten 1000 Veranstaltungen umfasst. Wer nach Natur und Ruhe sucht, kommt im Naturpark Elbhöhen-Wendland, im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue oder in der Nemitzer Heide auf seine Kosten (https://wendland-elbe.de).

 

Nordrhein-Westfalen: Schloss Türnich

Kerpen ist den meisten Deutschen wohl vor allem ein Begriff durch Michael Schumacher, der von dort stammt. Doch die Stadt bei Köln hat mit Schloss Türnich eine weitere Besonderheit. Die Anlage aus dem 18. Jahrhundert mit Herrenhaus, Schlosskapelle, Park und Barockgarten wird derzeit vom Eigentümer Graf Severin von Hoensbroch renoviert. Trotz der Arbeiten hat das Café in einem der historischen Gebäude geöffnet, zudem gibt es Führungen mit dem Grafen persönlich (www.schloss-tuernich.de).

 

Rheinland-Pfalz: Erholungswald Ortelsbruch

Als Bruch bezeichnet man ein Sumpf- und Moorland mit Bäumen und Sträuchern. Im Ortelsbruch oberhalb von Morbach im Hunsrück gibt es einen Waldlehrpfad, den Nixenweiher mit Wassertretbecken und einen Waldspielplatz. Hinter der Kneippanlage beginnt der Weg durchs Hochmoor über Holzstege. Auf Schautafeln werden die Entstehung des Bruchs sowie Flora und Fauna erklärt. In der Nähe des Erholungswaldes steht im Morbacher Ortsteil Schmausemühle eine historische Ölmühle. Dort lernen Besucher, wie man kaltgepresstes Rapsöl herstellt, und in einem alten Steinofen werden Brote gebacken (www.morbach.de).

 

Saarland: Saarpolygon

Auf dem 150 Meter hohen Plateau der Berghalde Ensdorf in der Nähe von Saarlouis steht seit dem Jahr 2016 das Saarpolygon - eine begehbare Großskulptur aus Stahl. Je nach Standort verändert sich das Erscheinungsbild der 35 Meter hohen Landmarke. Es erinnert an die 250-jährige Vergangenheit des Steinkohlebergbaus im Saarland, der seit 2012 im Saarland beendet ist (www.bergbauerbesaar.de).

 

Sachsen: Zittauer Gebirge 

Als kleinstes Gebirge Deutschlands wird das Zittauer Gebirge gerne beschrieben. Eine Möglichkeit, die Region zu erkunden, ist die Zittauer Schmalspurbahn. Seit 1890 ist diese unterwegs. Startpunkt ist der Zittauer Bahnhof, nach einer Runde um die Stadt führt die Strecke am Olbersdorfer See vorbei und weiter in den Kurort Oybin mit der sehenswerten Burg- und Klosteranlage. Auch zu Fuß lässt sich das Gebirge erkunden, zum Beispiel bei einem Spaziergang über den Butterberg oder einer Wanderung von Waltersdorf, wo sich auch das Naturparkhaus des Gebirges befindet, nach Oybin. Besonders sehenswert im Zittauer Gebirge sind die natürlichen Sandsteinformationen, die an verschiedene Tiere und Fabelwesen erinnern (www.zittauer-gebirge.com)

 

Sachsen-Anhalt: Memleben

Heute ist Memleben in der Region Saale-Unstrut ein beschaulicher Ort. Doch einst war er ein begehrtes Reiseziel von Kaisern und Königen. Kaiser Otto II. gründete das Benediktinerkloster, jeweils ein Kaiser (Otto I.) und ein König (Heinrich I.) starben hier. Auf dem ehemaligen Klosterareal befinden sich das Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben. Die eindrucksvolle Außenanlage und einige Bauten können besichtigt werden. Im Jubiläumsjahr «25 Jahre Straße der Romanik» bildet das Kloster mit seiner Sonderausstellung «Wissen und Macht. Der Hl. Benedikt und die Ottonen» nach Angaben der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt einen Höhepunkt im Programm (www.kloster-memleben.de).

 

Schleswig-Holstein: Eider-Treene-Sorge

Abseits der großen Touristenströme liegt im Binnenland von Schleswig-Holstein die Region Eider-Treene-Sorge. Drei Flüsse geben ihr den Namen und bilden das größte zusammenhängende Fluss- und Niederungsgebiet des nördlichsten Bundeslandes. Erkunden lässt sich die Region auf dem Rad, auf dem Pferd oder auf dem Kanu. Die Wege führen durch Moore, Wälder, es geht vorbei an Reetdachhäusern, alten Kirchen und zahlreichen Museen (www.eider-treene-sorge.de).

 

Thüringen: Eichsfeld

Statt Rostbratwurst gibt es hier Eichsfelder Feldgieker und Stracke. Daneben locken Wanderwege, Dörfer und barocke Kapellen. Das Eichsfeld ist Thüringen, aber doch etwas anders. So empfinden sich die Bewohner der Region im Nordwesten des Bundeslandes vor allem als Eichsfelder und weniger als Thüringer. Die meisten Menschen hier sind katholisch - und waren es auch zu Zeiten der DDR. Kruzifixe an Wegen und auf Berggipfeln zeugen davon. Bekannt ist die Region für große kirchliche Prozessionen, zum Beispiel am Palmsonntag in Heilbad Heiligenstadt.

Der Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal liegt an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Entlang des sogenannten Grünen Bandes können Wanderer eine besondere Flora und Fauna entdecken (www.eichsfeld.de). dpa