06. März 2010

ITB und Reisetrends: Urlauber achten aufs Geld

Urlaub in der Heimat und All-inclusive-Reisen: das diskutiert die Branche auf der weltweit größten Reisemesse ITB in Berlin

«Kostentransparenz und Budgetkontrolle sind die Lehren aus der Krise, wodurch günstige, nahe oder vertraute Reiseziele bevorzugt werden», schreibt die Commerzbank in einer Tourismus-Studie. «Der Kopf - mit dem Überblick über das Budget - dürfte in der kommenden Reisesaison erneut die Oberhand behalten.» Deutschland werde erneut das Hauptreiseziel der deutschen Urlauber sein - und traditionelle Mittelmeerziele dürften im Vergleich zu günstigeren Reisen wie zum Beispiel in die Türkei verlieren. Insgesamt rechnet die Commerzbank 2010 mit einem geringen Anstieg der deutschen Reiseausgaben um 1,25 Prozent auf knapp 60,6 Milliarden Euro.    

Die großen Reiseveranstalter haben auf die Trends längst reagiert. So berichtet der Veranstalter Neckermann Reisen, dass 38 Prozent der deutschen Urlauber dieses Jahr einen All-Inclusive-Urlaub planten, um die Nebenkosten schon vor Reisebeginn zu kennen. Branchenprimus TUI geht bei den eigenen Kunden sogar von etwa 55 Prozent Nachfrage im Sommer 2010 aus und erhöht laufend den Anteil an solchen Rundum- Sorglos-Paketen. Im vorigen Sommer waren bereits rund 50 Prozent der TUI-Pauschalurlauber mit All-Inclusive-Reisen unterwegs. Noch sind die Folgen der Wirtschaftskrise nicht ausgestanden, die Zukunft wird von vielen weiterhin als ungewiss empfunden. Teure Extraausgaben und unkalkulierbare Risiken passen da nicht ins Bild.    

Das Krisenjahr 2009 hat die Urlaubsbranche mit einem blauen Auge überstanden. Wieder einmal bewahrheitete sich die These, dass die Deutschen am Urlaub besonders ungern sparen. Nach einer Erhebung der Fachzeitschrift fvw sank im Tourismusjahr 2008/2009 der Umsatz von 62 erfassten Veranstaltern lediglich um 2,2 Prozent auf 16,7 Milliarden Euro. Die Zahl der Reisenden ging etwas stärker um 5,9 Prozent auf 32,5 Millionen zurück - viele Urlaubsreisen an der im Sommer bestens gebuchten Ostsee oder in die Alpen sind in den Veranstalterzahlen allerdings nicht enthalten.    

Nach anfänglichen Preissteigerungen hätten die Veranstalter zum Sommer hin viele Schnäppchen geboten, schreibt das Branchenmagazin. Und der Preistrend hält an: Die großen Reiseveranstalter haben zur Ankurbelung der Nachfrage die Preise für den nächsten Sommer erneut gesenkt. Dabei können sie zum Teil von günstigeren Flugpreisen, Rabatten der Hotels und den Wechselkursen profitieren. Bei TUI sind Fernreisen im Durchschnitt um sechs Prozent günstiger, Flugreisen etwa ans Mittelmeer um fünf Prozent. Neckermann und Thomas Cook Reisen bieten ihr Programm für die Feriensaison 2010 im Schnitt ebenfalls um fünf Prozent billiger an, hieß es bei der Vorstellung der Sommerkataloge.    

Und das Reiseland Deutschland ist nach Einschätzung der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) ohnehin schon länger preiswerter als viele europäischen Nachbarländer. Die Senkung der Mehrwertsteuer für die deutschen Hotels dürfte sich dabei mittelfristig ebenfalls positiv für die Reisekasse auswirken - auch wenn viele Hoteliers die Preise zunächst nicht senken wollen und stattdessen in die Renovierung ihrer Häuser investieren.    

Eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in 20 000 deutschen Haushalten ergab bei den Reiseplänen für den kommenden Sommer ein Plus von drei Prozent für den Deutschland-Urlaub. Mittelmeer- und Fernreisen würden danach rund 10,8 Prozent verlieren.

Deutschland-Tourismus hat Krise besser überstanden

Das Reiseland Deutschland ist besser durch die Wirtschaftskrise gekommen als die europäischen Länder insgesamt. Während europaweit die Ankünfte ausländischer Gäste 2009 im Schnitt um 5,6 Prozent sanken, gab der Wert für Deutschland nur um 2,7 Prozent nach, teilte die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) unter Berufung auf Daten der Welttourismusorganisation UNWTO in Frankfurt mit.

Inzwischen habe Deutschland in Europa genauso wie Frankreich einen Marktanteil von rund neun Prozent. Damit sei Italien mit acht Prozent auf Platz vier verdrängt worden. An der Spitze liegt weiterhin Spanien mit elf Prozent. Das gute Preis-Leistungs-Verhältnis in Deutschland sei «gerade in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten ein wichtiger Faktor», sagte DZT-Chefin Petra Hedorfer. Die DZT ist für die Vermarktung des Deutschland-Tourismus vor allem im Ausland zuständig.

Die Übernachtungszahl inländischer Gäste stieg laut Statistischem Bundesamt vergangenes Jahr um 0,3 Prozent auf knapp 314 Millionen. Eine genauere Analyse zeige, dass die Zahl der Geschäftsreisen um vier Prozent sank, die Urlaubsreisen im eigenen Land aber um zwei Prozent zulegten, sagte Hedorfer. Einer Untersuchung zufolge habe es besonders im Segment der Kurzurlaube eine um sechs Prozent höhere Nachfrage gegeben.

Der Deutsche Tourismusverband (DTV) als Dachverband regionaler Tourismusorganisationen forderte unterdessen in Berlin eine weitere Stärkung des Deutschland-Tourismus. Ein Schwerpunkt sei die Verbesserung der Qualität. «Der größte Teil unserer Hotels, Freizeiteinrichtungen und der touristischen Infrastruktur spielt in der europäischen "Champions League" oben mit», sagte DTV-Präsident Reinhard Meyer. Manche Kleinstbetriebe und Unterkünfte im ländlichen Raum stünden aber noch vor Herausforderungen. dpa