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29. Oktober 2010

Jauch kurbelt Weinverkauf an Mosel und Saar an

Moselwinzer freuen sich über Günther Jauch, aber fahren Mini-Ernte ein

«Wir sind froh, dass Leute wie Jauch dieses kleine und feine Anbaugebiet an der Saar nach vorne bringen und bekanntmachen», sagte Helmut Plunien vom Vorstand des Vereins Moselwein in Mülheim an der Mosel.

Jauch hatte Mitte des Jahres das renommierte Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar übernommen, das in siebter Generation seiner Familie gehört. «Das hat einen positiven Effekt für das ganze Anbaugebiet», sagte Plunien, der in Ayl an der Saar Winzer ist. Die Saar gehört zum Anbaugebiet Mosel.

Seit Jauch Winzer geworden sei, werde im Weinort Kanzem deutlich mehr Wein verkauft, sagte Moselwein-Geschäftsführer Ansgar Schmitz. «Auch an Kunden, die dort vorher nie gesehen wurden.» Zudem sei der «ein oder andere Autogrammjäger» dort unterwegs. Der Einstieg des Fernsehmoderators ins Weingeschäft mache Menschen auf ein Gebiet aufmerksam, das sie vorher nicht kannten. «Und uns ist jede Aufmerksamkeit willkommen», sagte Schmitz.

Die Rebfläche an der Saar in Rheinland-Pfalz habe in den vergangenen Jahren wieder zugelegt. Sie liege derzeit bei 763 Hektar, nachdem sie vor ein paar Jahren noch bei rund 720 Hektar gelegen habe, sagte Schmitz. «Das liegt auch daran, dass Leute wie Jauch hier investieren.»

Jauchs Riesling-Betrieb, der rund elf Hektar umfasst, ist Mitglied im Verband Deutscher Prädikatsweingüter VDP. dpa

Mosel-Winzer fahren Mini-Ernte ein

Die Mosel-Winzer haben in diesem Herbst eine Mini-Ernte eingefahren. Mit einer geschätzten Menge von weniger als 700 000 Hektolitern sei das die kleinste Weinernte mindestens der vergangenen 40 Jahre, sagte der Vorsitzende des Vereins Moselwein, Adolf Schmitt. Viele Winzer hätten wegen schlechten Wetters Einbußen von bis zu 50 Prozent hinnehmen müssen. Mit der geernteten Qualität sei man aber «sehr zufrieden». Mostgewichte von 100 und mehr Grad Oechsle beim Riesling seien keine Seltenheit. Die Mosel ist das fünftgrößte Weinanbaugebiet Deutschlands.    

Für die geringe Ernte war das Wetter verantwortlich. Zunächst bescherte der lange Winter Frostschäden an den Reben. Im nasskalten Juni fiel ein Teil der Blüten ab, so dass weniger Beeren gebildet wurden. Und ein extremer Wetter-Mix im August und September ließ die Trauben regional unterschiedlich schnell reifen. 2009 waren an der Mosel noch 800 000 Hektoliter in die Fässer geflossen, 2008 waren es sogar 893 000 Hektoliter. Die Lese 2010 ist gerade zu Ende gegangen. «Es ist ein Jahrgang mit einer fantastischen Spannbreite - von fruchtigen Weinen bis zu Trockenbeerenauslesen», sagte Schmitt.    

Der Export von Moselwein habe sich nach dem Krisenjahr 2009 wieder erholt, teilte der Moselwein e.V. mit. Die Ausfuhren etwa in die USA als wichtigstem Auslandsmarkt legten in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 70 Prozent zu. Insgesamt gingen im ersten Dreivierteljahr rund 240 000 Hektoliter Moselwein im Wert von rund 74 Millionen Euro ins Ausland, davon 135 000 Hektoliter für gut 46 Millionen Euro in die USA.

Die Fassweinpreise, die 2009 und im ersten Halbjahr 2010 stark gefallen waren, seien bereits deutlich gestiegen. 2010er Riesling werde derzeit mit 1,00 bis 1,20 Euro je Liter gehandelt. Freunde des Moselweins müssten sich angesichts der kleinen Erntemenge aber keine Sorgen machen, betonte Schmitt. Noch gebe es Weine des Jahrgangs 2009 in den Kellern. Die Tropfen dieses Jahres kommen zum größten Teil im nächsten Frühjahr in die Flasche. dpa