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17. April 2010

Johann Lafer will Ernährungsbildung in Schulen

Starkoch Johann Lafer zeigte bei seinem ersten Auftritt als Lehrbeauftragter an der Hochschule Fulda, dass auch bei einfachen Gerichten Fallen lauern. Doch er will für die Bildung und Ernährung mehr erreichen

Nach dem Geschmack von Starkoch Johann Lafer müssen die Themen Kochen und Essen stärker in den Schulen verankert werden. «Das Wissen um gesunderhaltende und genussvolle Ernährung gehört ebenso zur Allgemeinbildung wie Rechnen, Schreiben, Fremdsprachen und Naturwissenschaften», sagte TV-Koch Lafer am Freitag in Fulda.

Im Rahmen eines Lehrauftrags an der Fachhochschule der osthessischen Domstadt hielt der 52 Jahre alte Österreicher mit dem markanten Schnauzbart seine öffentliche Antrittsvorlesung vor 600 Zuhörern, darunter viele Studenten. Nach Angaben der Hochschule ist die Zusammenarbeit zwischen einem Starkoch wie Lafer und den Ernährungswissenschaftlern in Deutschland einmalig.

Auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will mehr Schüler an die Kochtöpfe bringen, damit sie gesundes Essen selbst zubereiten. Mit Fernsehkoch Tim Mälzer startete sie am Freitag in Bornheim zwischen Köln und Bonn einen Wettbewerb unter dem Titel «Küchen für Deutschlands Schulen». «In Schulküchen können Schüler erfahren, wie viel Spaß und Genuss mit einer gesunden Ernährung und gemeinsamem Kochen verbunden ist», sagte Aigner. In den nächsten Jahren sollen immer mehr Übungskuchen in Schulen installiert werden. Schulen können sich um eine solche Küche bewerben. 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 17 Jahren in Deutschland gelten als zu dick.

Lafer unterrichtet in Fulda in diesem Sommersemester die Studenten am Fachbereich für Ökotrophologie (Ernährungswissenschaft) in mehreren Blöcken mit dem Ziel, Kompetenzen in puncto Geschmack und Genuss zu vermitteln. «Ich sehe meine Aufgabe darin, etwas für die kulinarische Bildung in Deutschland zu tun. Es geht um das systematische Erforschen des guten Geschmacks.» Die von ihm mitausgebildeten Ernährungswissenschaftler sollen später an Bildungseinrichtungen die Lust am Genießen gesunder Lebensmittel vermitteln und als Multiplikatoren dienen. «Leider waren kulinarische Themen viele Jahre in der deutschen Wissenschaft kein zentrales Forschungsanliegen», kritisierte Lafer.    

Parallel arbeitet Lafer mit den Hochschulwissenschaftlern und anderen Experten an einem vom Bund Ernährungskonzept für Schulen. Das Konzept namens «Take54you» soll später in ganz Deutschland angewendet werden. Mit dem Namen ist die Empfehlung gemeint, fünfmal am Tag Obst oder Gemüse zu essen. Nutzbar solle das bis 2011 zu entwickelnde Konzept auch für Altenheime, Krankenhäuser und Betriebskantinen sein.

Die Hochschule Fulda wurde förmlich überrollt von dem großen Zuschauer- und Medienintresse, dass Lafer in Fulda auslöste. «Wir hätten locker doppelt so viele Karten für die Veranstaltungen verteilen können», sagte Hochschulpräsident Karim Khakzar, «es geht uns hier aber nicht um Show-Kochen. Wir verfolgen einen ernsthaften Ansatz und wollen lediglich einen Experten aus der Praxis einbinden.» Fachbereichsdekan Christoph Klotter betonte: «Wir sind nicht publikumsgeil. Wir wollen über die Genussschiene Gesundheit vermitteln.» Er attestierte, dass Lafer sein Wissen bekömmlich vermitteln könne - bei all' der Fernseherfahrung.

Nach der Vorlesung in einem großen Hotelsaal kamen am Mittag dann etwa 100 der 400 Studenten des Fachbereich in den Genuss von Lafer live und in Aktion. Die meisten Studenten waren begeistert von der ersten Ringvorlesung, bei der noch andere Experten dabei sind. «Skeptisch» hingegen war Maria Fennert (22). «Die Hochschule betreibt hier recht viel Eigenvermarktung. Das wird so hochgepusht. Ein normaler, ähnlich qualifizierter Koch hätte es auch getan.»

Imke Lankamp (20) ist neugierig auf viele «Tricks und Kniffe». Nachhilfe in puncto Spiegelei-Braten gab's gleich zu Beginn vom Meister, um Sinn-Zusammenhänge zu erläutern. Lieber Butter statt Öl nehmen, riet Lafer. Und ganz wichtig: Das Ei in die kalte Pfanne schlagen, damit beides zusammen gleichmäßig erhitzt. So bleibt die Eiweißstruktur erhalten. Viele der Studenten hätten einen anderen Weg gewählt, wie sie zuvor durch Handzeichen zu erkennen gaben. (Jörn Perske, dpa)