JosephinenhütteDie Choreografie des Glases

Die Hitze des Ofens, das Glühen des Glases, der Einsatz archaischer Werkzeuge: All das ist die Bühne für ein Schauspiel, das sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat – und dennoch immer wieder aufs Neue verzaubert. Bei Josephinenhütte ist jedes Glas ein Unikat – mundgeblasen und handgeformt. Bis zu sechs Glasmacher arbeiten in einem eingespielten Rhythmus an jedem einzelnen Glas. Es ist ein fast tänzerischer Ablauf aus Formen, Drehen, Ziehen – ein Zusammenspiel von Gefühl, Präzision und Erfahrung. Jeder Handgriff sitzt, jeder Atemstoß ist Teil eines größeren Ganzen.

Glasdesigner Kurt Josef Zalto hat jeden einzelnen Künstler ausgewählt, der seine Josephine Glaskollektion fertigen darf. In einer Welt, die Geschwindigkeit belohnt, erinnert uns dieses Glas an etwas anderes: Geduld. Hingabe. Und die stille Kraft des Handwerks, die mit einfachsten Mitteln Wunderbares erschafft: Gläser, die den großen Weinen der Welt eine perfekte Bühne bieten.

Die Reise beginnt – ein Weg voller Präzision

Am Anfang der Fertigung steht eine eigens entwickelte Rohglas-Mischung. Dieses besondere Glasgemenge verleiht dem Endprodukt seine einmalige Leichtigkeit, Flexibilität und Brillanz – und damit auch eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit. Bei über 1.400 Grad Celsius wird das Gemisch im Ofen geschmolzen. Nur wenn die Qualität den höchsten Ansprüchen genügt, beginnt die Glasproduktion – andernfalls ruht an diesem Tag die Arbeit.

Kölbel und Cuppa – Formgebung in Perfektion

In mehreren kunstvollen Schritten verwandeln die Glasmacher das glühende Rohmaterial in ein filigranes Glas. Über die zuvor an der Spitze angewärmte Glasmacherpfeife holt der Kölbelmacher etwas flüssiges Glas aus dem Ofen und formt daraus vorsichtig und präzise eine kleine, kugelige Blase – das sogenannte Kölbel.

Über das Kölbel entnimmt der Glasbläser eine dem späteren Stück entsprechende Glasmenge aus dem Hafenofen. Die große Herausforderung ist die exakte Entnahme der richtigen Glasmenge, 10 Gramm machen schon einen enormen Unterschied und entscheiden, ob das Glas die gewünschte Leichtigkeit hat. Mit Holzwerkzeugen wird die noch zähflüssige Glasmasse vorgeformt.

Unter ständigem Drehen wird das Glas in eine zweiteilige, speziell angefertigte Form eingeblasen. Der heiße Kelch bzw. die Cuppa berührt diese Form jedoch nie – er schwebt dank einer feinen Dampfsperre, die bei rund 1.000 Grad entsteht. Nur die erfahrensten Glasbläser beherrschen die hohe Kunst, ein Josephine Glas nach den Anforderungen von Kurt Josef Zalto zu fertigen. Insbesondere die dünnwandige Filigranität der Gläser und die anspruchsvollen, kantigen Formen verlangen den Glaskünstlern alles ab.  

Stiel und Boden – aus einem Guss

Jetzt kommt der erste Meister ins Spiel. Er erwärmt den kleinen Zapfen, der sich nach dem Einblasen an der Unterseite des Glases befindet. Mit einem archaisch anmutenden Werkzeug – einer rustikalen Zange – wird der Stiel aus dem Kelch herausgezogen und unter ständigem Drehen geformt. Kelch und Stiel sind somit aus einem Guß. Es erfordert viel Erfahrung und ein exzellentes Augenmaß des Meisters, den Stiel ohne weitere Hilfsmittel, kerzengerade und präzise zu formen. Der zweite Meister übernimmt jetzt das Werkstück. Am Stielende wird mit reinem Augenmaß ein flüssiger Glastropfen aufgetragen, aus dem er mit einer speziellen Holzbodenschere die Grundplatte rotierend fertigt. Jeder Handgriff erfolgt mit sicherem Auge und jahrzehntelanger Erfahrung.

Abkühlung & Schliff – Geduld zahlt sich aus

Nach der Formgebung durchläuft jedes Glas einen kontrollierten Kühlprozess, der mehrere Stunden dauert. Nach dem Durchlaufen der Kühlphase beginnt die Endbearbeitung des Glases mit dem Absprengen der sogenannten Kappe an der Oberseite der Cuppa. Das Glas wird an dieser Stelle zuerst äußerst vorsichtig in einer Absprengmaschine mit einer Diamantspitze angeritzt und im nächsten Schritt mit einer kurzen, mindestens 1.400 Grad Celsius heißen Gasflamme exakt dort abgesprengt. Erst dann beginnt die Veredelung: Mit Diamantwerkzeugen wird der scharfe Mundrand geschliffen – innen und außen. Nun ist der Mundrand noch leicht matt.

Feuerpolitur – das finale Leuchten

Zum Abschluss sorgt die sogenannte Feuerpolitur für den samtig-weichen Rand und die charakteristische Klarheit des Glases. Das Glas wird dafür durch eine Flammenstraße geführt, wodurch sich kleinste Unebenheiten glätten. Fertig ist das Meisterstück.