Lifestyle
22. September 2014

Kaffeetrends Kapsel oder Filter

Foto: Pitopia/Mainka

Jetzt wird wieder die gluckernde Filtermaschine herausgeholt - Interview mit Klaus Langen von der Deutschen Röstergilde

Extrastark, aus der Kapsel oder gar mit Sahne - am guten Kaffee scheiden sich die Geister. Röster, Händler und Genießer trafen sich beim «Kaffee Campus» in Berlin, der von der Deutschen Röstergilde veranstaltet wurde. Deren Präsident Klaus Langen kennt die neuesten Trends in Sachen Kaffee. Dort heißt es: Zurück zu alten Werten - wenn auch irgendwie anders.

Gibt es so etwas wie modernen Kaffee, was sind die Trends?

Was im Moment viel diskutiert wird, sind hellgeröstete Kaffees. Es gibt eine junge Röster-Generation die röstet sehr sehr hell. Da kommen mehr fruchtige Noten und andere Aromen heraus. Das ist Geschmackssache.

Auch der klassische Filterkaffee wird wieder gern getrunken, oder?

Ja, absolut. Der Verbraucher hat vor 15 Jahren eine Kaffeefiltermaschine in der Küche gehabt. Dann hat er sich eine Einzelportionsmaschine mit Pads oder Kapseln und dann einen Vollautomaten gekauft. Schließlich zog eine Espressomaschine in seine Küche. Und jetzt wird wieder die gluckernde Filtermaschine herausgeholt.

Was macht den klassischen Filterkaffee so besonders?

Die Vielfalt der Aromen kommt viel besser heraus. Der Kaffee ist relativ lange mit den gemahlenen Bohnen in Kontakt, eine Verbindung von mehr als einer Minute. Ein Espresso hingegen ist ziemlich schnell extrahiert, in 25 Sekunden geht das Wasser durch den Kaffee durch. Wenn der Kunde anfängt, sich die Frage zu stellen, warum er nun keinen Industriekaffee mehr trinken will, der ihm Bauchschmerzen macht - dann steigt er um.

Trinkt der Kaffeetrinker heute bewusster?

Genau so ist es! Es gibt inzwischen eine Menge Verbraucher, die hinterfragen. Der Konsument beginnt, auszuprobieren. Er fragt, ob der Kaffee biologisch angebaut und nachhaltig gehandelt ist. Das zeigt sich in den steigenden Absatzzahlen der Klein-Röster.

Die machen damit ein gutes Geschäft?

Es gibt zunehmend kleine Röster, Start-ups, Existenzgründer, die sich mit dem Thema Kaffee auseinandersetzen. Die Zahlen der Röstereien in Deutschland haben sich vervielfacht - und sie steigen weiter. Die handwerkliche Röstung ist ein enormer Trend. Wir rösten maximal bei 220 Grad, mindestens zwölf Minuten. Für uns kommt es nicht darauf an, den Kaffee in wenigen Minuten durch den Röster zu schießen. dpa

ZUR PERSON:

Klaus Langen ist Präsident der Deutschen Röstergilde. Er selbst betreibt eine Kaffeerösterei in Medebach im Sauerland (Nordrhein-Westfalen). Persönlich liebt Langen Kaffee aus ostafrikanischen Ländern wie Tansania oder Äthiopien. Er gießt das Wasser direkt auf das frischgemahlene Pulver, der Kaffeesatz - oder Prütt - bleibt in der Kanne zurück.

Umfrage: Drei Viertel der Bundesbürger brauchen morgens Kaffee

Ohne Kaffee kommen die meisten Bundesbürger morgens offenbar nicht in die Gänge. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der «Apotheken Umschau» können drei Viertel der Bundesbürger (75,7 Prozent) nicht auf ihre Tasse Kaffee am Morgen verzichten.

Doch dabei bleibt es bei vielen nicht: Jeder Dritte (34,1 Prozent) gab an, im Laufe eines Tages mindestens fünf Tassen Kaffee zu sich zu nehmen. Besonders süchtig nach ihrer Dosis Koffein zeigten sich Berufstätige (80,2 Prozent), aber auch Rentner und Pensionäre (84,8 Prozent). Für die repräsentative Umfrage befragte die GfK Marktforschung Nürnberg 1986 Männer und Frauen ab 14 Jahren.