Honza Klein unterwegs
13. Januar 2018

Karibischer Wein und kuriose Leuchtinstallationen Curacao im Winter

Karibischer Wein und kuriose Leuchtinstallationen | Curacao im Winter, Foto: Honza Klein

Nach Curacao zieht es nicht einmal eine halbe Million Touristen pro Jahr. Die geringe Zahl der Gäste macht aber auch seinen Reiz aus. Kein Massentourismus und man hat immer noch den Eindruck des ursprünglichen Lebens.

Ein Kuriosität findet sich gleich neben dem Flughafen, gegenüber der Hato-Höhlen. Oder besser gesagt fand sich. Denn einzig das Hinweisschild und das leere Landhaus zeugen noch von der Idee des holländischen Paares Ilse und Roelof Visscher. Sie betreiben schon in der Heimat ein Weingut und wollten das 2014 auch in der Karibik starten. Doch schon die Ernte 2016 war die letzte. "Zu viele Schwierigkeiten", ist auf der Webseite zu lesen. Nun soll es auf einer der benachbarten Inseln weitergehen. So ist der Wein aus Curacao nun eine echte Rarität und bei örtlichen Weinhändlern noch zu bekommen.

Karibischer Wein und kuriose Leuchtinstallationen | Curacao im Winter, Foto: Honza Klein

Ein wenig obskur ist es ebenso, in der Inselhauptstadt Willemstad Leuchtschriften mit dem Gruß "White Christmas" und gleich daneben ein paar leuchtende Schneemänner zu sehen. Es ist Weihnachten. Auch in der Karibik. Auch auf der zu den Niederlanden gehörenden Insel Curacao. Dass Weihachten ist bemerkt man an den überreichlich vorhandenen Leuchtfiguren und Schriftzügen. Bei Temepraturen um die 30 Grad am Heiligen Abend ist dies auch notwendig als Gedächtnisstütze.

Dass man in Holland ist, macht die Architektur deutlich. Kleine Ziehbrücken und die typischen holländischen Handelshäuser am Hafen. Bunt angemalt und schon war man bei der Unesco der Meinung, dass dies Weltkulturerbe sein muss. Vielleicht ein Tipp für so manche deutsche Kleinstadt. Einfach mal die Farbtöpfe aktivieren!

Karibischer Wein und kuriose Leuchtinstallationen | Curacao im Winter, Foto: Honza Klein

Dabei war das ganze wohl nur eine Absatz-Förderungs-Maßnahme der örtlichen Farbenfabrik. Es geht die Geschichte um, Albert Kikkert hätte gemeint, dass die weißen Häuser die Sonne zu sehr reflektierten und das wiederum seine Migräne befördere. So ordnete er kraft seines Amtes an, er war immerhin von 1816 bis 1819 Gouverneur von Aruba, Bonaire und Curacao, die Häuser sollten bunt werden.

Karibischer Wein und kuriose Leuchtinstallationen | Curacao im Winter, Foto: Honza Klein

Die Bürger taten was ihr Gouverneur wollte, kauften reichlich bei der einizgen Farbenfabrik der Insel und wie gesagt goutierte die Unseco dass viele Jahre später. Nach dem Tod von Kikkert stellte sich indes heraus, dass dieser ein nicht ganz unbedeutender Miteigentümer der ansässigen Farbenfabrik war. Nun ja - hübsch anzusehen ist es allemal und es wurde Tradition.

Gleich davor findet sich die ungewöhnlich Queen Emma Bridge. Wohl weltweit einzigartig. Sie verbindet die beiden Stadtteile Punda und Otrabanda versperrt jedoch den Eingang zu dem Natur-Hafen-Becken welches wohl ein Grund für den Aufschwung der Insel war. Erst nutzen es die Spanier, Engländer, später die Holländer als Umschlagort für Sklaven. Heute nun ist Öl das Geschäft.

Karibischer Wein und kuriose Leuchtinstallationen | Curacao im Winter, Foto: Honza Klein

Wenn also ein Schiff hindurch will, wird die Bücke einfach zu Seite bugsiert. Mitsamt Menschen darauf. Offensichtlich noch ohne irgendwelche EU-Normen. Keine Absperrungen, keine Wärter, die dafür sorgen, dass man nicht doch von der Kante fällt. Besonders voll ist es jedoch sowieso nicht auf der Queen Emma Bridge. Außer wenn wieder mal die Kreuzfahrer kommen. Bis zu vier Schiffe liegen dann vor oder direkt hinter der Brücke und die Touristen erobern die Altstadt und oder machen Ausflüge zu den Stränden.

Besonders beliebt sind dabei die Kleine und einen Steinwurf weiter die Grote Knip. Zwei schöne Buchten mit glasklarem Wasser, Strand, eingefasst von Klippen von den Mutige den Sprung wagen. Fast ganz im Westen gelegen ist hier sonst fast nur Wildnis. Die Orte sind winzig aber es gibt ein paar Herbergen und einige Restaurants an den Klippen mit schönem Ausblick und den traditionellen Gerichten der Insel. Das sind vor allem deftige Suppen und Eintöpfe und vor allem Fleisch von Ziegen, Hühnern aber auch Leguan. Natürlich auch allerlei Fisch.

Karibischer Wein und kuriose Leuchtinstallationen | Curacao im Winter, Foto: Honza Klein

Und auch ein eigentlich afrikanisches Tier hat es auf die Speisekarte geschafft. Im Süden der Insel werden Strauße. Aus der einst nur als reine Zucht für den Verzehr geplanten Anlage ist inzwischen ein Ausflugsort geworden. Von dort kann man auch Touren in die Wildnis machen. Etwa zur Sint Joris Baai, die bei Kitesurfern sehr beliebt ist.

Karibischer Wein und kuriose Leuchtinstallationen | Curacao im Winter, Foto: Honza Klein

Touristischer Hotspot ist indes wohl der Strandabschnitt zwischen Willemstad und dem Curacao Sea Aquarium. Letzteres bietet übrigens auch die Möglichkeit mit Delfinen zu schwimmen. Gleich daneben liegt eine der vielleicht schönsten Anlagen der Insel: Lions Dive & Beach Resort. Und auch wenn die Gäste vorrangig aus den Niederlanden kommen, findet es sich beispielsweise auch im alltours-Katalog. Hat doch die Karibik als Urlaubsziel in den vergangenen Jahren immer mehr an Beliebtheit erlangt. Vor allem jedoch die Dominikanische Republik und die Strände bei Cancun/Mexico.

Karibischer Wein und kuriose Leuchtinstallationen | Curacao im Winter, Foto: Honza Klein

Nach Curacao zieht es nicht einmal eine halbe Million Touristen pro Jahr. Weniger als 10.000 sind Deutsche, die Mehrzahl kommt aus den Niederlanden. Schließlich ist es ein autonomes Land innerhalb des Königreiches. Diese geringe Zahl der Gäste macht jedoch wohl auch den Reiz aus. Kein Massentourismus und man hat immer noch den Eindruck des ursprünglichen Lebens. So etwa am schwimmenden Markt in Willemstad, wo die Händler aus dem 60 Kilometer entfernten Venezuela vom Boot aus vor allem Obst verkaufen. Oder auch in der benachbarten alten Markthalle Plasa Bieu, wo nun Mittag in riesigen Töpfen gekocht wird.

Karibischer Wein und kuriose Leuchtinstallationen | Curacao im Winter, Foto: Honza Klein

Das erwähnte Lions Dive & Beach Resort liegt direkt am Seaquarium Beach. Besonders schön, weil im Meer ein Steinwall für ruhige See sorgt. Nicht umsonst laden auch hier die Kreuzfahrtunternehmen ihre Gäste für einen Strandtag ab. Von den Zimmern hat man einen romantischen Blick aufs Meer und noch romantischer wird es mit einem Drink bei Sonnenuntergang in der direkt am Strand gelegenen Chill Bar. Dazu gibt es etliche weitere Restaurants, die zum Hotel gehören Gleich daneben zieht sich die Strandpromenade mit Restaurants, den üblichen Touriläden (dort kann man auch den üblichen Likör kaufen) und Bars entlang.

Karibischer Wein und kuriose Leuchtinstallationen | Curacao im Winter, Foto: Honza Klein

Dort ist vor allem am Wochenende Partytime. Jedoch immer noch entspannter als in vergleichbaren Orten. Etwa Mallorca oder bulgarische Strände. Zudem hat man nie das Gefühl sich unsicher fühlen zu müssen. Dies gilt übrigens auch bei Auto fahren. Wenig Verkehr und sehr geruhsam. Ist man doch auch in einer Stunde an so ziemlich jedem Ort der Insel. Egal von wo aus. Der Flughafen mit dem verlassenen Weingut liegt zentral fast in der Mitte.

Karibischer Wein und kuriose Leuchtinstallationen | Curacao im Winter, Foto: Honza Klein

Nun ja aber mit Curacao verbindet man ja auch eher den gleichnamigen Likör, der nur entstand, weil der von den Spaniern im 16. Jahrhundert geplante Orangenanbau wegen des Klimas nicht klappte, die Orangen verwilderten und man heraus fand, dass man immerhin aus den Schalen etwas machen kann, weil diese mit ihren ätherischen einen besonderen Geschmack hatten.

Karibischer Wein und kuriose Leuchtinstallationen | Curacao im Winter, Foto: Honza Klein

An den Bars am Strand ist es heutzutage aber vor allem Bier und Rummixgetränke, die über den Tresen wandern. Serviert von Kellnern die auf ihren T-Shirts zu stehen haben "I am superdushi". Wohl das Wort auf der Insel. Alles ist Dushi. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Die Menschen, die Drinks, das Wetter, das Essen, die Insel sowieso. Lieb, lecker, sexy, nett, schön - all das ist Dushi. Curacao eben.

Karibischer Wein und kuriose Leuchtinstallationen | Curacao im Winter, Foto: Honza Klein

PS. Von Deutschland aus ist zurzeit die einfachste Anreise via Amsterdam und KLM möglich. Etwa neuneinhalb Stunden dauert das. Air Berlin flog bis zum Sommer ab Düsseldorf. Aber das ist ja Geschichte. Indes sollte man bei KLM das nötigste (Waschzeug, Badehose/Bikini, Sommersachen im Handgepäck dabei haben. Der Transport von Koffern scheint nicht zu den beliebtesten Geschäftsfeldern der KLM zu gehören. "Einige Gäste warten schon seit einer Woche auf ihr Gepäck", meinte lapidar die Mitarbeiterin am Lost&Found Schalter. "Die KLM hat da ein Gepäckproblem", auch die Auskunft der alltours-Ansprechpartnerin im Hotel.

Bin dann mal wieder unterwegs