Food
02. Oktober 2009

Kartoffel der Tropen

Kochbanane passt gut in den Auflauf

Exotische Früchte sind eine gute Möglichkeit, im Winter die Lust auf frisches Obst und leckere Vitamine zu stillen. Ein in hiesigen Läden noch selten angebotener Exot ist die Kochbanane. In Afrika und in den Tropen gehört sie zu den Grundnahrungsmitteln. In Nachbarländern mit kolonialer Vergangenheit wie den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien findet sie noch eher den Weg in Töpfe und Pfannen.    

Dabei ist die Verwandte der Obstbanane vielseitig. Sie könne im Prinzip in allen Gerichten eingesetzt werden, die sonst mit Kartoffeln zubereitet werden, sagt Ernährungsexpertin Gabi Kaufmann vom Verbraucherinformationsdienst aid in Bonn. So ähnlich wird die Kochbanane auch zubereitet: geschält, in Scheiben geschnitten und in Salzwasser gekocht. Püriert entsteht unter Zugabe von Kokosmilch ein karibisch angehauchter Kartoffelbrei, der sich zum Beispiel mit Curry verfeinern lässt.    

Die Frucht kann mit oder ohne Schale gedämpft, gegrillt oder gebraten werden. Die ziemlich dicke Schale lässt sich nur schwer lösen. Am besten geht es mit dem Messer: die Frucht halbieren, die Schale mehrmals in Längsrichtung einschneiden und abziehen. Hüllenlos kann die auch Plantene genannte Frucht dekorativ in ein Bananenblatt eingeschlagen und serviert werden.    

Ein vegetarisches Hauptgericht kombiniert Banane mit Aubergine und Käse zu einem Auflauf. Dazu werden die in Scheiben geschnittenen Zutaten in einer Form aufgeschichtet, mit Creme fraîche übergossen und mit Pfeffer, Salz und Aniskörnern abgeschmeckt. Als Beilage kommt ein Salat auf den Tisch. Zum Dessert gibt es in der Pfanne gebratene, honigbestrichene Bananenscheiben.

Für die schnelle Küche bieten sich Kochbananen-Fritten und Bratkartoffel an. Beides harmoniert mit Kurzgebratenem. Bananen-Chips sind eine gesunde Alternative zur fetthaltigen Knabberei. Denn die unter dem Namen Gemüsebanane bekannte Frucht enthält viele Nährstoffe: «Reichlich Kalium, Magnesium, Mangan und Vitamin B», listet Silke Restmeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn auf. Zum rohen Verzehr ist die Kochbanane kaum geeignet. «Sie kann einen unangenehmen, mehligen Geschmack haben.»    

Ursache ist der hohe Stärkeanteil. Die Stärke wandelt sich bei der Kochbanane - im Unterschied zur süßen Obstbanane - während der Reifung nicht in Zucker um. Aufgrund ihrer Konsistenz dient die «Mehlbanane» auch als Ersatz für Weizenmehl. Sie kann durchaus zum Andicken von Soßen oder zum Backen verwendet werden - eine Option, die sich laut aid vor allem bei Glutenunverträglichkeit anbietet. In der afrikanischen Küche kommt Bananenmehl zusammen mit Maniok und Tapioka zum Einsatz.    

Äußerlich hat die Plantene wenig Ähnlichkeit mit ihrer beliebten Verwandtschaft. Während diese dem Verbraucher appetitlich gold-gelb entgegen strahlt, wirkt die Kochbanane unansehnlich und schmuddelig. «Latexfäden hängen an der Schale, die grün, fahlgelb, cremefarben, grau aussehen kann», erklärt Hartmut Viehweg, Experte für Exoten beim Fruchtimporteur Inter Weichert in Hamburg. Mit zunehmender Reife kann sie sich violett bis schwarz verfärben.    

Das Aussehen tut dem Aroma keinen Abbruch. «Wenn sie aussieht, wie kurz vor dem Wegschmeißen, schmeckt sie am lieblichsten.» Grüne Früchte sollten Verbraucher nachreifen lassen. Anders als die druck- und kälteempfindliche Obstbanane verkraftet die robuste «Tropenkartoffel» den Aufenthalt im Kühlschrank problemlos.    

Das bis zu 40 Zentimeter große Mitglied der Bananenfamilie ist ein Solist. «Kochbananen wachsen in großen Abständen und werden einzeln von den Stauden geschnitten», erläutert Viehweg. Entsprechend liegen die eher kantigen Exemplare im Verkaufsregal. Die Hauptanbaugebiete erstrecken sich entlang des «Bananengürtels», einer Region nördlich und südlich des 30. Breitengrads.    

In weiten Teilen Afrikas, in Brasilien und Mittelamerika sowie in Südostasien kommt der Frucht als Lebensmittel eine wesentliche größere Bedeutung zu als in Deutschland - ihr Anteil am gesamten Anbau übertrifft Schätzungen zufolge den der Obstbanane deutlich. Nach Europa kommt sie als «Beipack» ihrer süßen Verwandten auf dem Seeweg.    

Rund 20 Kartons importiert Viehwegs Arbeitgeber pro Woche - eine verschwindend geringe Menge im Vergleich zur wöchentlichen Ration an Obstbananen von 150 000 Kisten. Als kleinste Menge werden in der Regel fünf Kilogramm an den Handel abgegeben. Ein Kilo entspricht etwa drei Bananen. Verkauft werden sie meist in Läden für afrikanische oder asiatische Lebensmittel. Auf Wunsch ordern aber auch Lebensmittelketten die das ganze Jahr über verfügbare Spezialität. (Monika Hillemacher, dpa)