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15. Dezember 2009

Kekse für Hunde

Zur Weihnachtszeit haben selbstgebackene Kekse mit Namen wie Brokkoliröschen, Leberpralinen, Apfel-Möhren- Nockerl, Thunfisch-Zwerge oder Buttermilch-Hörnchen Konjunktur für Vierbeiner

Tierernährungsexperten haben keine Bedenken, solange der Hund nichts vom Teller des Menschen erhält. Statt im Supermarkt oder Fachhandel Leckereien zu kaufen, bindet sich meist Frauchen die Schürze um und hantiert mit Rührschüssel, Knethaken und Förmchen. Rund fünf Milliarden Euro geben die Deutschen im Jahr etwa für ihre Hunde aus: für Anschaffung, Futter, Steuern, Tierarzt und Zubehör. Europaweit sind sie damit nach Angaben des Verbandes für das Deutsche Hundewesen Spitze.

Starke Gewürze und Schokolade sind für Hunde tabu    

«Für den Hund selbst zu backen, gehört heute zur modernen Mensch- Tier-Beziehung dazu», sagt Professor Jürgen Zentek, Direktor des Instituts für Tierernährung an der Freien Universität Berlin. Der Hund brauche zwar keine Plätzchen, schaden würden sie aber auch nicht. «Wenn in Maßen und nur als Belohnung angeboten wird», betont der Fachmann. Kohlehydrate, Zucker, starke Gewürze und vor allem Schokolade seien für die Hundebäckerei tabu. Oft meinten es die Halter jedoch zu gut, und immer mehr Tiere kämpften mit Übergewicht.    

Bei der Weihnachtsbäckerei ist die Rollenverteilung geklärt: Frauchen steht am Herd und Hund hofft auf Kostproben. Im brandenburgischen Häsen kann Nadine Schulz ein Lied davon singen. In der Küche mit ihren drei erwachsenen und den drei Bobtail-Welpen kommt Stimmung auf - auch ohne besinnliche Weihnachtsmusik.

Backen für Vierbeiner als Lifestyle

Laut muss Schulz ihre Zuschauer zur Räson bringen. «Wenn ich Bleche und Küchenwaage bereitlege, wissen die, was kommt», erzählt die 30-jährige Hundenärrin. Wenig später durchzieht die Räume ein kräftiger Duft von Leberwurst und Käse. Obwohl sie weiß, dass beim Tier «das Auge nicht mitisst», sticht sie mit stoischer Ruhe Glocken, Kometen, Herzen oder Rentiere aus. Anfangs bediente sie die Küchenmaschine nur für ihre eigenen Tiere. Heute verkauft sie die Kekse über das Internet oder auf Märkten.

Der in Frankfurt/Main lebende Autor des Buches «Doggy bag» (easyverlag), Jürgen Wenz, sieht das Backen für den Vierbeiner mittlerweile als Lifestyle an. Er selbst rührt Teige für Tofu- Zucchinikissen, Joghurt-Kokos-Kekse oder Möhren-Apfel-Plätzchen an, deren Namen sogar Zweibeinern das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Aber auch Deftiges mit Fleisch kommt in den Ofen des 44- Jährigen. Testesser für seine veröffentlichten Rezepte ist sein Hund Tequila, ein genügsamer Esser. «Aber bei Weißwurstbatzen ist er nicht zu halten», sagt Wenz.

Auch die Autorin und Hundebesitzerin Ingeborg Pils («Sitz! Platz! Plätzchen!», Parragon Verlag) aus München weiß aus eigener Erfahrung: «Wer einen Hund hat, der will sich kümmern.» Das Backen sieht sie ganz pragmatisch: die Kekse sind in der Regel preiswerter und man weiß genau, was enthalten ist. Ihr Rezept für Hunde-Weihnachtskekse enthält eine Banane, Maisgrieß, Vollkornmehl und etwas Olivenöl.

Etwas irritiert ist Pils von den vielen Anfragen von Lesern, die bei der Fütterung ihrer Tiere ja nichts falsch machen wollen. «Die gleiche Sorgfalt wünsche ich mir bei der Ernährung in der Familie», sagt die Autorin, die in 30 Jahren mehr als 70 Kochbücher geschrieben und herausgegeben hat - jedoch immer für Menschen.    

Hundekeks-Bäckerin Nadine Schulz lässt an ihrem Marktstand Mensch und Tier an dem Backwerk schnuppern. «Ich habe alle selbst probiert», wirbt die junge Frau. Die Entscheidung hat unterdessen der Kunde auf vier Pfoten getroffen. Der Besitzerin bleibt nur übrig zu zahlen. Abends beim Fernsehen könnten nun theoretisch beide auf der Couch aus dem gleichen Tütchen Käse-Cracker naschen. (Gudrun Janicke, dpa)