Mail aus München
13. Oktober 2018

Kellereigenossenschaft Bozen in Südtirol Erste Ernte in neuer Kellerei

Kellereigenossenschaft Bozen in Südtirol | Erste Ernte in neuer Kellerei

Mail aus München: "Was lange währt wird endlich gut" freuen sich der Geschäftsführer Klaus Sparer und der Önologe Stephan Filippi, die gemeinsam seit über zwanzig Jahren die Geschicke der Kellerei in Bozen mit ihren 222 Mitgliedern leiten.

Nach langem Warten auf die offizielle Genehmigung die bürokratischen Mühlen Italiens mahlen langsam) war endlich am 12. Oktober 2016 die Grundsteinlegung und bereits im Herbst 2018 wurde die erste Ernte eingefahren. Im ganzen Talkessel ist der riesige Kubus mit dem stilisierten bronzefarbenen Rebenblatt aus Aluminiumblech sichtbar und wird ein weiteres Wahrzeichen der Stadt Bozen werden.

Kellereigenossenschaft Bozen in Südtirol | Erste Ernte in neuer Kellerei

Die Kellerei Bozen zählt heute mit 350 Hektar Rebflächen zu den größten Kellereigenossenschaften Südtirols und zu den Spitzen-Weinbaubetrieben Italiens. Alles begann 1908, als sich einige Weinbauern der Gemeinde Gries zusammenschlossen, um sich gemeinsam um den Anbau und die Vermarktung der dort vorrangig angebauten Rebsorte Lagrein zu kümmern. 1930 gründeten dann achtzehn Weinbauern rund um den St. Magdalenerberg eine Weinbaugenossenschaft deren Ziel es war, den St. Magdalener Wein bekannter zu machen.

Die sandigen Böden auf den von der Sonne verwöhnten Hügeln am Fuße des Ritten waren stets perfekte Lagen für den Vernatsch, ebenso wie die Lagen um Gries bestens für den Lagrein geeignet waren. Nicht zuletzt deshalb schlossen sich 2001 die beiden kleinen Genossenschaften zur "Kellerei Bozen" zusammen, deren Weinlagen sich bis heute größtenteils auf die beiden Gebiete verteilen. Diese Toplagen tragen dazu bei, dass die Kellerei Bozen heute für ihre großartigen St. Magdaleners und Lagreins weit über die Grenzen Südtirols hinaus berühmt ist.

Kellereigenossenschaft Bozen in Südtirol | Erste Ernte in neuer Kellerei

Der sicherlich am meisten ausgezeichnetste Wein ist der "Taber Riserva", der bei allen nationalen und internationalen Verkostungen stets hochkarätig bewertet wird. Ganz aktuell hat der Taber Riserva 2106 erneut die drei Gläser beim Gambero Rosso 2019 eingeheimst. Den 80 jährigen Reben, der optimalen Lage rund um Bozen mit hohen Temperaturunterschieden zwischen Tag und nach Nacht und nicht zuletzt dem Fingerspitzengefühl und Können des Önologen Stephan Filippi ist es zu verdanken, dass so ein kraftvoller, intensiv nach Kirschen duftender und samtiger Rotwein entstehen kann.

Anders als der konzentrierte, in Holzfass und ein Jahr im Barrique gereifte Taber sind die Vernatsch-Weine von der Lage St. Magdalener. "Ein Vernatsch muss kein Schwergewicht sein, er soll elegant, mineralisch und fruchtbetont sein und Lust auf ein weiteres Glas machen" erzählt Stephan Filippi.

Önologe Stephan Filippi (l) und Geschäftsführer Klaus Sparer (r)

Der Lagen-Vernatsch "Huck am Bach" der auf schotterigen Böden auf Höhen zwischen 250 bis 500 Meter auf dem St. Magdalenerhügel gedeiht ist ein mittelkräftiger Rotwein, der sich wunderbar als Speisenbegleiter unterschiedlichster Gerichte eignet. Eine köstliche Symbiose aus Vernatsch (85 %) und Lagrein (15 %) ist der St. Magdalener "Moar", ein vollmundiger samtiger Wein, der durch seine fruchtig-blumigen Noten auch Genießer die Vernatsch lieber links liegen lassen, begeistert. Wie hoch der Stellenwert des Vernatsch, insbesondere natürlich des St. Magdaleners für die Kellerei Bozen ist, zeigt, dass diese Rebsorte 30 Prozent der Gesamtproduktion ausmacht.

Kellereigenossenschaft Bozen in Südtirol | Erste Ernte in neuer Kellerei

Das Vinifizieren der ersten Ernte im neuen Keller ist für den erfahrenen Stephan Filippi eine große Herausforderung, die man noch besser verstehen kann, wenn man die ehemalige Kellerei in der Stadtmitte gesehen hat. Die neue Kellerei im Stadtteil Moritzing ist in einen Berg hineingebaut und daraus ergibt sich ein Höhenunterschied zwischen Traubenannahme und der Vergärung im Erdgeschoss von 20 Metern. Das mit PIWI-Reben bepflanzte Dach lässt den imposanten Bau mit einer Gesamtfläche von 20.000 Quadratmetern harmonisch mit dem Gelände verschmelzen. Die neue Kellerei ist eine der ersten Kellereien in Italien die nach dem Klimahaus Standard erbaut wurde.

Während die ersten Weine beim Vergären sind, ist der schicke, neuen Wineshop bereits stark frequentiert von Südtirol-Touristen, Weinliebhabern und Einheimischen. Es gibt viel zu verkosten, denn das Portfolio der Kellerei ist umfangreich, man hat die Wahl zwischen 19 Weinen der Klassik Linie und 20 Lagenweinen.

Eines dürfte jedoch heute schon feststehen, der Premieren-Jahrgang 2018 verspricht große und beeindruckende Weine.

Eure Monika Kellermann