Honza Klein unterwegs
26. Februar 2013

Key West Food & Wine Festival 2013

Fotos Honza Klein

Die schönste Art, den Winter zu verkürzen

Weinprobe im Little White House, wo Harry S. Truman und später auch John F. Kennedy den Sommer verbrachten, Dinner am südlichsten Strand der kontinentalen USA, Lunch und Musik in einer Hafenkneipe - all dies bietet das Key West Food & Wine Festival.

Bereits zum vierten Mal lud die Stadt am südlichsten Ende der USA zu dieser kulinarisch Erkundungstour. Aus einem anfänglich kleinen Gastronomieevent mausert sich das Festival zu einer der unterhaltsamsten und nicht minder leckeren Veranstaltung im sonnigen Süden der USA. "Als erstes muss man natürlich dass Wetter nennen, welches von Jahr zu Jahr mehr Gäste anlockt", meint Reiseveranstalter Stan Douglas.

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Eigentlich biete er seit Jahren mit seiner Firma Palio Tours Reisen zu ausgefallenen Veranstaltungen nach Italien an. Carneval in Venedig, Arena die Verona, Palio in Siena. Doch da er in Coral Gables bei Miami lebt, hat er nun auch das Gute, das so nah liegt, entdeckt. "Wir müssen hier natürlich im Winter nie über Gäste klagen", erzählt er. Aber dieses Festival in Key West sorgt für einen Extraschub. Viele Amerikaner aus dem kalten Norden nutzten die Chance, die Karibik zu besuchen, ohne die USA verlasen zu müssen, wie er es ausdrückt.

Und dann sei da natürlich das kulinarische Angebot. "Yellow Snapper, Florida Lobster und Gulf Shrimp gibt es wohl kaum irgendwo frischer", ist sich Douglas sicher. Der beste Platz beim Festival dafür war übrigens die Hafenkneipe Hogfish Bar & Grill auf der nahe gelegenen Stock Island. Wohl kaum ein Tourist verirrt sich sonst hierher, so dass die Bezeichnung Local Food zutreffender nicht sein könnte.

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Der Shrimpskutter - übrigens genau so einer wie man ihn aus dem Film Forest Gump kennt - liegt in Steinwurfweise. Wie Douglas sagte: "Frischer geht wohl kaum." Dazu gibt es Weine aus der ganzen Welt. Ich testete Italiener, Argentinier, Franzosen, sogar Deutschen Riesling. Leider keinen Floridawein, der immerhin auf einer ganz kleinen Fläche zwischen den Keys und Miami gedeiht. Das wäre noch mal ein Tipp fürs nächste Jahr.

Und dann ist da natürlich das überschäumende Nachtleben auf der Duval Street. Gleich um die Ecke des Hemingway Hauses. Der alte Mann, der das Meer liebte, wird gewusst haben, warum er sich hier niederließ. Seine Frau schenkte ihm einst den ersten Pool, der zu einem Haus in Key West gehörte. Ernest indes ließ sich eher von innen die Kehle befeuchten, wie man weiß, gerne mit Daiquiri und gern in Sloppi Joes Bar.

Kurz daneben tanzen heute im Coyote Ugli leicht bekleidete Bardamen zu ohrenbetäubendem Lärm auf dem Tresen (vermutlich wäre auch Hemingway hier mal Gast gewesen, hätte es den Laden seinerzeit bereits gegeben), etliche Bars und Pubs bieten Live Musik, am Straßenrand kann man sich eine Zigarre frisch rollen lassen. Easy Living, wie in der Karibik eben.

Und wo erlebt man schon, dass in einem Irish Pub der Sänger, der immerhin fast fünf Stunden Non-Stop-Unterhaltung bietet, irgendwann die amerikanische Hymne anstimmt, um all den Soldaten "die unsere Freiheit wo auch immer verteidigen, zu danken", und die gut 500 Gäste stolz und alle (nicht wie die Deutsche Nationalmannschaft bei einem Länderspiel), wirklich alle stolz mitsingen. Bevor man sich indes in diese abend- bzw. nachtfüllende Duval-Street-Party stürzt, sollte man unbedingt mal am Mallory Square vorbei schauen.

Einen homemade Mojito in der Hand und Blick zu einem Bilderbuchsonnenuntergang. Fast schon kitschig aber so schön. Nächstes Jahr im Januar (22.-26.1. 2014) geht das Key West Food & Wine Festival in die fünfte Runde. "Es gibt schlechtere Orte um den Winter zu verkürzen", meint Stan Douglas als wir uns zu einer letzten Zigarre und einem letzten Drink treffen. Und ganz zum Schluss sagt er: "See you next year!" Aber mir war schon vorher klar, dass ich im Januar 2014 einen Termin in Key West habe.

Ich bin dann mal wieder unterwegs

Euer Honza

Infos und Buchungen zum Festival: miasobeconnections.com