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09. Mai 2009

Klimawandel: Eisheilige treten seltener in Erscheinung

Frostempfindliche Pflanzen niemals vor Mitte Mai ins Freie - diese eiserne Gärtner-Regel macht der Klimawandel immer häufiger unnötig: Frosteinbrüche zwischen dem 11. und dem 15. Mai - den Namenstagen der Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sofie - sind in Deutschland seltener geworden

In Frankfurt am Main gab es nach Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach in den vergangenen zehn Jahren sechs Kälterückfälle in dieser Periode, vor etwa 100 Jahren seien die Eisheiligen noch in sieben von zehn Jahren nachweisbar gewesen. «Hier dürfte der Klimawandel eine Rolle spielen», sagte Agrarmeteorologe Jurik Müller.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden nach Aufzeichnungen des DWD fast regelmäßig Kaltlufteinbrüche in der Zeit der Eisheiligen beobachtet. Schuld daran seien Nord-Wetterlagen, die arktische Polarluft nach Mitteleuropa führen. Die kalte Luft bereitet dann Gärtnern und Winzern schlaflose Nächte, denn Obstbaumblüten vertragen selbst leichten Frost nicht.

Schon immer gab es Jahre, in denen die Eisheiligen ganz ausgeblieben sind. So zum Beispiel 1945, als zu Servatius in Mitteldeutschland Tageshöchsttemperaturen von mehr als 33 Grad gemessen wurden. Dass die Eisheiligen aber auch hart zuschlagen können, belegen Aufzeichnungen von Chronisten aus dem Jahr 1750: Dort ist überliefert, dass die «Kalte Sofie» in der Mark Brandenburg sogar Schnee gebracht hat.

In Norddeutschland gelten die Tage vom 11. bis 13. Mai als Eisheilige (Mamertus, Pankratius und Servatius). Im Süden und Südosten zählt noch der 14. (Bonifatius) und der 15. Mai (kalte Sofie) dazu. Dort ist der 11. Mai kein Eisheiliger. Die eintägige Differenz erklärt sich laut DWD aus dem Zeitraum, den die Kaltluft bei Eintritt der Nord-Wetterlagen benötigt, um von Norden nach Süden vorzudringen. dpa