KNIGGEALARM
01. September 2017

Kolumne Knigge-Alarm Eiskarten

Knigge-Alarm Eiskarten: Babette Gott über die Formen des Umgangs mit Eiskarten

Babette Gott über die Formen des Umgangs mit überdimensionierten Eiskarten.

Was gibt es im Sommer Schöneres als auf der Caféterrasse ein Eis zu genießen - vor Allem mit Kindern, vorausgesetzt sie sind größer als die Eiskarte.

Viele Eisdielen haben auf ihren kleinen Tischchen überdimensionale Speisekarten, die von eifrigen Bedienungen auch stets wieder aufrecht in den vorgesehenen Ständer in der Mitte des Tisches platziert werden, sodass die Gäste einander kaum anschauen können. Da stellt sich die Frage: Wie soll man hier reagieren? Darf der Gast überhaupt auf dem Restauranttisch nach Belieben umräumen?

Als Wirt trachtet man danach, dass der Gast sich stets wohl fühlt. Dazu gehört einfach, dass er - mit Ausnahme von festlich eingedeckten Tafeln - es sich an "seinem Tisch" bequem macht. Wenn er in einem Bistro beim Wein eine Zeitung liest, dann kann es sogar überlebenswichtig sein, dass er die brennende Kerze zur Seite schiebt. In anderen Fällen geht es vielleicht eher um Erleichterung der Kommunikation. Schließlich ist das Gespräch einer der Hauptgründe, in Begleitung ein Lokal zu besuchen.

Natürlich hat auch der Betreiber der Eisdiele seine Gründe für die Tischgestaltung. Leere Tische draußen legen die Vermutung nahe, dass dort vielleicht gar nicht bedient wird. Das einheitliche Ensemble von Eiskarte, Zuckerdose und Aschenbecher hingegen wirkt ordentlich und einladend, ähnlich wie die akkurat aufgestellten Stühle.

Aber genau das ändert sich in dem Moment, wo Gäste platznehmen, und das ist auch richtig so. Gut geschultes Servicepersonal nimmt die lästige Speisekarte nach der Bestellung mit und räumt auch den Aschenbecher ab, wenn er nicht gebraucht wird und Platzmangel herrscht. Ein ständiges Wiederaufstellen und Zurechtrücken der Tischgestaltung ist aus psychologischer Sicht ein Kampf ums Revier Tisch und führt dazu, dass der Gast sich nicht frei und behaglich fühlt. Das ist nicht im Sinne des Geschäftes.

Also besser den Gast unterstützen und auch mal von selbst die Frage stellen, ob dieses oder jenes abgeräumt werden soll, wenn man sieht, dass der Tisch sehr voll ist mit Dingen, die gerade nicht gebraucht werden.

Dann können Eltern auch mal mit kleineren Kindern in die Eisdiele gehen.

Knigge-Alarm Ehrengäste

Babette Gott, Dipl. Betriebswirtin
Trainerin für Business-Etikette (IHK)
Vorstandsmitglied der
Deutschen Knigge-Gesellschaft
www.kniggealarm.de