26. Juli 2014

Kolumne Knigge-Alarm Frühstücksei

Knigge-Alarm Frühstücksei, Foto: pitopia / Armin Staudt

Babette Gott über die Formen des Umgangs mit dem Frühstücksei

Unter all den vielfältigen Eierspeisen ist erstaunlicherweise das normale weichgekochte Frühstücksei die größte Herausforderung, sowohl für den Koch als auch für jenen, der die kleine Köstlichkeit stilgerecht verzehren möchte.

Eine Zeitangabe, wann ein Ei weichgekocht ist - also mit festem Eiweiß und flüssigem Eigelb - kann hier nicht gegeben werden, denn viele Faktoren beeinflussen das Ergebnis: die Größe des Eis, die Lagertemperatur, natürlich die Kochzeit selbst und die Dauer des Abschreckens.

Ist mit ein bisschen Probieren und Erfahrung dann das ideale Frühstücksei gelungen, stellt sich die Frage, wie es nun stilvoll zu öffnen ist. Köpfen oder pellen? Darf das Messer benutzt werden oder nicht?

Serviert wird das Ei im Eierbecher mit Eierlöffel und Salzstreuer. Der Eierlöffel darf keinesfalls aus Silber sein, weil das den Geschmack des Eis beeinträchtigen würde. Ein normaler Edelstahllöffel kann aber verwendet werden, ebenso der beliebte Plastikeierlöffel oder die feinere Variante aus Perlmut.

Eine Möglichkeit, das Ei zu öffnen, ist das Pellen. Dazu wird die Schale mit dem Löffel leicht angeklopft. Wenn der Eierlöffel hierfür nicht geeignet ist, kann dies auch mit dem Messer geschehen. Anschließend wird der Löffel mit der Innenseite zum Eiweiß unter die Schale geschoben, diese abgehoben und auf die Ablageseite des Eierbechers gelegt, falls die nicht vorhanden, auf einen extra Ablageteller. Dieses Schälen muss natürlich nicht in einem Ansatz vollendet werden. Der Kopf des Eis kann nun mit dem Löffel abgeteilt, und das Ei verzehrt werden.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, das Ei mit dem Messer zu "köpfen". Der Ansatz darf dabei nicht zu weit unten sein, da sonst das Eigelb seitlich herunterfließt. Der abgeschlagene Teil wird dann einfach ausgelöffelt.

Beide Verzehrmethoden sind stilmäßig gleichwertig und dem "Rumpopeln" mit Fingernägeln an der Eischale in jedem Falle vorzuziehen. Wem der Löffeleinsatz zu kompliziert erscheint und das Köpfen zu brutal anmutet, der kann glücklicherweise auf Rührei, Omelett oder Spiegeleier ausweichen und sie ganz einfach mit Messer und Gabel essen.

Knigge-Alarm Brot

Babette Gott, Dipl. Betriebswirtin
Trainerin für Business-Etikette (IHK)
Vorstandsmitglied der
Deutschen Knigge-Gesellschaft
www.kniggealarm.de