30. Juli 2009

Krise trifft Luxusbranche härter als erwartet

Ob Champagner oder teurer Schmuck: Die Luxusgüterbranche wird von der Wirtschaftskrise stärker getroffen als bisher erwartet - zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Markenverbandes und der Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG

«Luxus ist eben nicht krisenresistent», erklärte Martin Ruppmann, Geschäftsführer der Markenartikel Service GmbH. Unter Experten galt die Branche bislang als krisenfest. «Luxus hatte immer Konjunktur», begründete Ruppmann. Inzwischen aber sinke die Bereitschaft der Kunden, einen «Mehrpreis» für Luxusgüter zu bezahlen. «Die deutschen Verbraucher sind im weltweiten Vergleich extrem preissensibel», erklärte Ruppmann.

Insbesondere «Luxuseinsteiger», die erstmals oder sehr selten Luxusartikel kaufen, sehen laut Studie das Preis-Leistungs- Verhältnis kritisch. Mehr als die Hälfte von ihnen (56 Prozent) greift gerne zu Imitaten.

Doch selbst diejenigen, die regelmäßig Luxusware kauften, seien kein dauerhafter Garant für stabile Umsätze, heißt es in der Studie. «Luxus heißt, sich etwas zu gönnen. Das wird jetzt aufgeschoben und manchmal auch aufgehoben, selbst von denen, die Luxus gewöhnt sind», sagte Ruppmann. Deutlich weniger gekauft würden derzeit Artikel wie Uhren, Schmuck, Luxuskosmetik oder Champagner. Bei Kosmetikartikeln etwa rechnet die Branche für das laufende Jahr mit einem Umsatzrückgang von vier Prozent.

«Teure Unterhaltungselektronik ist dagegen weniger von der Krise betroffen», sagte Ruppmann. Die Flaute auf dem Markt biete für die Unternehmen die Chance, das Profil zu schärfen und damit gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Das Volumen des Luxusmarktes in Deutschland schätzt KPMG auf insgesamt rund 12 Milliarden Euro. Für die Studie wurden im vergangenen Herbst und Winter in einer repräsentativen Stichprobe 3000 Verbraucher befragt.

Verband: Krise trifft Luxus- und Flughafenhotels

Die deutschen Tagungs- und Luxushotels sind nach Branchenangaben besonders heftig von der Wirtschaftskrise getroffen. Bei Flughafenhotels brach die Zimmerauslastung im ersten Halbjahr um 15,4 Prozent ein, wie der Hotelverband Deutschland nach Marktforschungsdaten mitteilte.

Auch bei 5-Sterne-Häusern war das Minus mit 9,4 Prozent überdurchschnittlich stark. Über alle Kategorien rutschte die Auslastung um 7,3 Prozent auf 57,5 Prozent. Zur Freude der Gäste fiel der durchschnittliche Zimmerpreis demnach um 7,8 Prozent auf 82 Euro. Das höchste Preisniveau hatte Frankfurt am Main (106 Euro), Berlin lag auf dem Bundesschnitt von 82 Euro. dpa

Durchschnittspreise im ersten Halbjahr 2009 in deutschen Städten:

Frankfurt am Main 106 Euro

Heidelberg 101 Euro

Köln 97 Euro

München 94 Euro

Hamburg, Nürnberg 93 Euro

Hannover, Mannheim 91 Euro

Stuttgart 89 Euro

Düsseldorf 88 Euro

Bonn 87 Euro

Essen 85 Euro

Berlin 82 Euro

Leipzig 66 Euro