REISE
16. Juni 2009

Kroatien-Urlaub im Wandel

Hotels auch für Anspruchsvolle: Von Istrien im Norden bis Dubrovnik im Süden der Adria findet sich heute ein dichtes Netz von Vier-Sterne-Hotels im Urlaubsland Kroatien

Größere Familien mit Kindern, Studenten, Senioren und junge Verliebte haben in den vergangenen Jahrzehnten Kroatien als Urlaubsland angesteuert - oft mit dem eigenen Auto. Allen gemeinsam war der kleine Geldbeutel, der für die «schönsten Wochen des Jahres» zur Verfügung stand.

So war auch das Angebot: Nur 14 Prozent des Bettenangebots befand sich in Qualitätshotels. Die große Mehrheit gab sich mit bescheidenen Privatquartieren oder Campingplätzen zufrieden. Doch diese Zeiten sind vorbei. Auch in Kroatien - mit einer spektakulären Küste von 1700 Kilometern Länge von der Natur reichlich beschenkt - können anspruchsvolle Gäste inzwischen auf ihre Kosten kommen.    

In den vergangenen drei bis vier Jahren hat sich in Kroatien eine Hotellandschaft entwickelt, die auch dem verwöhnten Urlauber gerecht wird: Von Istrien im Norden bis Dubrovnik im Süden der Adria findet sich heute ein dichtes Netz von Vier-Sterne-Häusern.    

Valamar ist mit 22 Hotels und acht Appartementanlagen das größte ausländische Tourismusunternehmen in Kroatien. Die österreichischen Besitzer haben abgewirtschaftete Anlagen aus den 70er Jahren modernisiert und ein Netz von Vier-Sterne-Häusern aufgebaut. Ihr Flaggschiff ist das neue «Valamar Lacroma Resort» in Dubrovnik. Das «President»-Hotel mit Blick auf das Meer und die Elafiten-Inseln sowie ganz im Norden in Porec das «Diamant» und das «Tamaris» haben sich inzwischen bei ausländischen Gästen einen Namen gemacht.    

Im Jahr 2008 haben neun Millionen Ausländer die kroatische Küste besucht. Ein knappes Drittel von ihnen kam aus Deutschland und Österreich. Die Gäste von jenseits der Grenzen spülten gemeinsam mit den zwei Millionen inländischen Urlaubern mehr als sieben Milliarden Euro in die Kassen. Inzwischen hat sich der Tourismus mit einem Anteil von einem Viertel am Bruttoinlandsprodukt zum mit Abstand wichtigsten Wirtschaftszweig gemausert.    

Dennoch werden die Strände selbst in der Hochsaison nicht von Massen bevölkert. Es gibt nur rund 120 000 Hotel- und 440 000 Privatbetten. Dazu kommen gut 200 000 Stellplätze in Campinganlagen. Bis auf wenige Ausnahmen vor allem in Istrien besitzt Kroatien meist Steilküsten. Damit sind den Investoren natürliche Grenzen gesetzt, nach dem Vorbild anderer Mittelmeerländer Betonwüsten zu errichten.    

Dass der Tourismus dennoch eine große Zukunft hat, zeigen die jüngsten Investitionen ausländischer Unternehmen. Seit kurzem läuft zum Beispiel die «Softopening» genannte Schritt-für-Schritt-Eröffnung des «Kempinski Adriatic» in Savudrija an der äußersten Nordwestspitze Istriens, praktisch gegenüber von Venedig. Das «Fünf-Sterne-Golf- und Spahotel» will mit dem ersten 18-Loch-Golfplatz in Kroatien punkten. Ein Clou soll die eigene Hochzeitskapelle sein. Bereits vor drei Jahren hat ein Hilton-Hotel in Dubrovnik seine Tore geöffnet.    

Das mit Abstand ambitionierteste Projekt versucht gerade die Südtiroler Falkensteiner-Michaeler-Gruppe auf der wildromantischen Halbinsel Punta Skala bei der Adriastadt Zadar. Mit Investitionen von 210 Millionen Euro entsteht auf 30 Hektar mit 1,6 Kilometern Naturstrand eine ganze Ferienregion. «Mischkonzept» heißt die Zauberformel, sagt Manager Gerhard Mansbart: Es gibt ein gerade eröffnetes Familienhotel, ein im kommenden Frühjahr fertiges Fünf-Sterne-Luxus-Haus und 187 Appartements. Die zwischen 40 und 100 Quadratmeter großen Wohnungen können gekauft oder gemietet werden.

Zur Anlage gehören ein Salzwasserpool, in dem «das Tote Meer nachgestellt» wird, ein Riesen-Hamam mit zehn Meter hoher Decke, 6000 Quadratmeter Spa-Bereich, Wandelgänge und Wasserspiele überall, lichtdurchflutete Räume und Meerblick aus fast jedem Zimmer. Weil die Urlaubslandschaft autofrei ist, verschwinden die fahrbaren Untersätze in der Tiefgarage. Die Entsalzungsanlage, Abwasseraufbereitung und Stromproduktion garantieren den Betrieb, auch wenn es einen der gefürchteten Ausfälle der Kommunalbetriebe geben sollte. «Wir sind bei Vollbelegung wenigstens drei Tage autark», sagt Manager Mansbart.    

In Kroatien hat es rund um den Jahrtausendwechsel Aberdutzende windige Privatisierungen der alten Hotels aus kommunistischen Zeiten gegeben. Den Käufern ging es nicht um die Verbesserung des touristischen Angebots, sondern um schnellen Gewinn. Das Desinteresse und der Schlendrian bei den Beschäftigten aus der Ära des Sozialismus wirkte mehr als Bremse denn als Motor für die Branche. Erst die Kombination aus einzigartiger kroatischer Landschaft und erprobtem Hotel-Know-how eröffnet dem Tourismus nun neue Perspektiven. (Thomas Brey, dpa)    

Kroatische Zentrale für Tourismus, Kaiserstraße 23, 60311 Frankfurt (Tel: 069/238 53 50), www.kroatien.hr