Reise
13. Juli 2009

Kuba feiert Revolution

Reise zum Revolutionjubiläum: Kuba zelebriert den 50. Jahrestag seiner Revolution ein ganzes Jahr lang

Die Verkäufer mit ihren Imbisswagen in der Fußgängerzone San Rafael in Havanna haben viel zu tun. Brötchen mit einem Scheibchen Spanferkel (Lechón), ein kleiner Plastikbecher Austernmuschel-Cocktail (Ostión), eine Portion Eis, alles für je fünf Peso. Viele Kubaner greifen zu. Ein deutsches Ehepaar wartet unschlüssig. Fünf konvertible Peso (CUC), knapp 3,90 Euro, wären ganz schön happig. Die Deutschen sind mit den zwei Währungen in Kuba noch nicht vertraut.    

Dagegen zögert Jim aus Chicago nicht. Der 50-jährige Programmierer, der nach den Gesetzen seines Landes gar nicht auf der sozialistischen Insel Urlaub machen dürfte, weiß, dass «moneda nacional», abgekürzt «mn», die «weichen» Peso sind, die die Insulaner in ihrer Lohntüte haben. Ausländer besitzen sie meist nicht, sie sind aber bei der Bank erhältlich. Fünf «mn» sind umgerechnet gut 0,15 Euro - wer kann da meckern? Das Brötchen ist etwas flauschig, die Muscheln schmecken bitterer als echte Austern, Ferkelfleisch und Eis sind lecker.

Auch auf der engen Bummelmeile Obispo in Havanna Vieja, Altstadt und Weltkulturerbe, drängeln sich an diesem Sonnabend Kubaner und Touristen aus aller Welt. Es scheint so voll wie im Vorjahr. Eine Kamera klickt. Mutter und Tochter lassen sich vor einem Laden mit Fidel Castro fotografieren, der an der Scheibe mit einer «50» hängt. Kuba zelebriert den 50. Jahrestag seiner Revolution ein ganzes Jahr lang. Auch Castros Weggefährte Che Guevara grüßt zwischen Havanna, Cienfuegos, Trinidad und Santiago von vielen Wänden. Der neue Staatspräsident Raúl, Fidel Castros Bruder, bleibt bei den Revolutionswürdigungen eher im Hintergrund.    

Jim aus den USA hat sich von einem Freund aus Kanada mit Fidel und Che ablichten lassen. Jetzt spülen beide in einer Eckkneipe in Centro Habana zwischen betagten Häusern ihren üppigen Imbiss hinunter. Der Putz blättert, die Farbe welkt, die Toilettenspülung streikt, aber das Fassbier kostet nur sechs mn. Für Insulaner, die keine kubanische Verwandtschaft in Miami haben und nicht im Tourismus arbeiten, ist auch das viel Geld.    

Dann erzählt der Mann aus Chicago, wie er und einige tausend Landsleute jährlich trotz des US-Reise-Embargos auf die Insel fliegen, zum Beispiel von Cancun in Mexiko aus. «Die Behörden in Kuba stempeln meinen Pass nicht, ich nehme weder Zigarren noch Rum nach Hause», sagt er. Diese heimlichen Reisen gehören aber hoffentlich bald der Vergangenheit an, wünschen die meisten US-Bürger zwischen Los Angeles und New York. Immerhin hat Präsident Barack Obama im April das Reiseverbot etwas gelockert. Exil-Kubaner dürfen nun ohne Einschränkungen ihre alte Heimat besuchen und auch Geld überweisen.    

Kuba braucht dringend Devisen und hat noch Platz für mehr Gäste. Die Auslastung der fast 50 000 Hotelzimmer liegt bei knapp 65 Prozent. Weitere 3000 sind im Bau. «Wir wollen und brauchen mehr Touristen und sind dafür gerüstet», sagt Vize-Tourismusministerin María Elena López Reyes. Obamas Worte zu weitergehenden Reiseerleichterungen werden in Havanna genau verfolgt.    

Die Kubanerin würde sich auch über mehr Gäste aus Deutschland freuen. Doch die sind - anderes als Kanadier, Lateinamerikaner und Russen - eher kubamüde. Thailand, Kambodscha und Vietnam locken als preiswerte Palmen- und Sonnenziele. Und die Dominikanische Republik bietet bei All-inclusive-Reisen nach Einschätzung von Veranstaltern ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als Kuba.    

Drei mächtige Wirbelstürmen hatten im Herbst 2008 auf Kuba immense Schäden verursacht. Auch der Tourismus war von Stromausfällen, beschädigten Hotels und ramponierten Stränden betroffen. Doch im zentralistisch gesteuerten Kuba mit der Mobilisierung von Brigaden, Studenten und Landarbeitern liefen Evakuierung und Aufbau effizienter als in anderen Katastrophenregionen.    

Die unzähligen Propagandaplakate - zum Revolutionjubiläum dürften es noch ein paar mehr sein -, die zwischen Badestränden, Zuckerrohr und Rinderherden prangen, sind für Urlaubsfotos willkommen. So erfahren auch die Freunde in Deutschland: Der Kampf Kubas sei ein «ewiger» («siempre»). Und auf Bevormundung und Angriffe von außen gebe es eine klare Antwort: «Más revolución» («Noch mehr Revolution»). Auch Jim hat das fotografiert. Er hofft, bald mit Familie nach Kuba fliegen zu können - mit dem Okay von Obama, ohne Umwege und ganz legal. (Bernd Kubisch/dpa)

Reise nach Kuba

ANREISE UND FORMALITÄTEN: Die Condor steuert Havanna, Varadero und Holguin an, Air Berlin/LTU Varadero. Air France und Iberia bieten häufig Sondertarife nach Havanna. Nötig sind ein noch mindestens sechs Monate gültiger Pass und eine Einreisekarte, die beim Veranstalter und notfalls bei der Einreise am Flughafen gekauft werden kann.    

KLIMA UND REISEZEIT: Von November bis April regnet es wenig, die Temperaturen sind nicht so hoch. Von Juni bis November ist Hurrikansaison. Dann sind Wirbelstürme möglich.    

WÄHRUNG: 1 Euro sind rund 1,30 CUC (Stand: Juni 2009), mit denen in allen Hotels, den meisten Touristen-Restaurants und Läden bezahlt wird. 1 CUC entspricht 24 «weichen» mn-Peso.    

INFORMATIONEN: Kubanisches Fremdenverkehrsamt, Kaiserstraße 8, 60311 Frankfurt, Tel: 069/28 83 22,  www.cubainfo.de