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27. August 2009

Kulinarisches Kino: Julie & Julia

Meryl Streep als Köchin Julia Child im Film Julie & Julia

Julia Child ist seit vielen Jahren eine gewöhnliche Hausfrau. Doch dann wird ihr Ehemann Paul 1948 nach Paris versetzt - und die Amerikanerin Julia entdeckt die französische Küche für sich. Ihre Passion wird sogar so stark, dass sie ihr Wissen amerikanischen Hausfrauen näherbringen will.

Mit Erfolg: Mit ihrem Kochbuch und ihrer exzentrischen Art revolutioniert Child nicht nur die amerikanische Kochkultur, sondern avanciert noch lange vor Jamie Oliver und Tim Mälzer zum TV-Koch-Star. Dieser Ausnahmeköchin setzt die Regisseurin Nora Ephron nun mit «Julie & Julia» ein Denkmal - mit einer brillanten Meryl Streep in der Hauptrolle.

Grundlage des Films sind gleich zwei wahre Geschichten. Zum einen die der leidenschaftlichen Köchin Julia Child, die im Paris der 50er Jahre ihre Berufung findet und in mühevoller Kleinarbeit jahrelang an einem Kochbuch schreibt, auf das in den USA noch heute Hausfrauen schwören.

Genau dieses Kochbuch ist in «Julie & Julia» die Verknüpfung zur zweiten Geschichte - die der jungen Julie Powell. Sie fristet nach der Jahrtausendwende als Büroangestellte in New York City ein eher trostloses als erfülltes Leben - bis sie den Entschluss fasst, ein Jahr lang die Rezepte ihres Vorbildes Julia Child nachzukochen und über ihre Erfahrungen im Internet einen täglichen Blog zu schreiben. Es kommt wie es kommen muss: Julie erlebt zwar einige Küchenkatastrophen, mausert sich aber schließlich nicht nur zu einer guten Köchin, sondern findet sich auf diesem Weg auch selbst und wird durch den Blog sogar noch berühmt.

Regisseurin Ephron («Schlaflos in Seattle», «E-Mail für Dich») beweist mit «Julie & Julia» erneut ihr Gespür für anrührende Unterhaltung. Sie legt viel Wert auf die Gefühle und zwischenmenschlichen Beziehungen ihrer Hauptcharaktere und räumt natürlich auch dem Essen wundervolle Bilder ein.

Die eigentliche Stärke des Films ist jedoch Oscarpreisträgerin Meryl Streep. Einmal mehr versteht sie es, komplett in einer Rolle zu verschwinden und sie bis ins kleinste Detail perfekt auszufüllen. Sie vereint scheinbar mühelos Childs übersprudelndes Wesen, ihren herzlichen Charakter und gleichzeitig die teils eigentümlich kontrollierte Mimik. Die Originalversion des Films besticht außerdem durch Streeps Imitation von Childs schrill-nasaler Stimme.

Von Streep würde man daher gerne noch mehr sehen, auch vom außergewöhnlichen Leben der Julia Child. Doch nicht nur deswegen enttäuschen die Szenen, in denen Amy Adams («Verwünscht») Julie Powell spielt. Die Geschichte des mäuschenhaften Mädchens, das sich zum goldenen Schwan entwickelt, wirkt etwas zu blass und auch Adams reicht schlichtweg nicht an das herausragende Spiel von Streep heran.

Doch auch wenn Ephron besonders Julie Powells Geschichte recht formelhaft nach dem «Verfolge-Deinen-Traum-Dann-Wirst-Du-Glücklich»- Prinzip erzählt, so ist «Julie & Julia» dennoch unterhaltsam inszeniert. Dazu gehören beispielsweise Julies nervenaufreibende Anläufe, scheinbar einfache pochierte Eier hinzubekommen oder Julias erste, etwas stümperhafte Versuche, Zwiebeln wie professionelle Köche sekundenschnell zu schneiden.

In Momenten wie diesen kommen bei «Julie & Julia» die richtigen Zutaten zusammen: Humor, Menschlichkeit und jede Menge Appetit aufs Essen. (Aliki Nassoufis, dpa) www.julie-und-julia.de