Beer & Brau
31. August 2009

Kulmbach präsentiert Bier und Brot

Die Stadt Kulmbach ist nicht nur die heimliche Hauptstadt des Bieres, sondern der drittgrößte Lebensmittelstandort im Freistaat. Nach dem Motto «Heute back' ich, morgen brau' ich» geben das Bayerische Brauereimuseum und das Bayerische Brotmuseum einen Einblick in die Kulturgeschichte zweier traditionsreicher Grundnahrungsmittel

Damit nicht genug. Museumsleiterin Sigrid Daum schmiedet bereits an Plänen für ein Gewürzmuseum und für eine Dauerausstellung zum Thema Fleisch und Wurstwaren.

Platz ist ausreichend vorhanden: In den ehemaligen Produktionsstätten der ältesten Kulmbacher Brauerei - der Mönchshof - wurde bereits vor 15 Jahren das Bayerische Brauereimuseum eröffnet. Vor einem Jahr kam das Brotmuseum dazu. Unter dem Motto «Brotkultur im Wandel der Zeit» zeigt es auf 1500 Quadratmetern den Werdegang des Brotes vom Saatkorn auf dem Feld über die Ernte, die Müllerei und die Backstube bis zur Verkaufstheke und zum Frühstückstisch.

Über drei Stockwerke erstreckt sich eine alte Mühle aus Thurnau. Auf dem Weg über die Etagen werden die unterschiedlichen Antriebsarten von Wind über Wasser und Dampf bis zum Strom ebenso dargestellt wie die verschiedenen Mahlvorgänge und Mehltypen. In einem Backhäuschen aus dem 17. Jahrhundert zeigt das Museum, wie der Teig aus Mehl, Wasser, Hefe und Salz zubereitet, nach der Gärung geformt und schließlich im Ofen gebacken wird. Den Duft und den Geschmack von frischem Brot kann der Besucher am Ende des 60 Minuten dauernden Rundgangs in der Schaubäckerei des Museum selbst wahrnehmen.

Ein original erhaltener Tante-Emma-Bäckerladen aus den 1920er Jahren und ein Bäckerausfuhrwagen beschreiben den Weg des Brotes vom Bäcker zum Kunden. Sigrid Daum beleuchtet auch die soziale Bedeutung einer der bedeutendsten Handwerksbranchen in Deutschland. Allein im Freistaat gibt es nach Angaben der Bayerischen Bäckerinnung rund 3300 Betriebe mit 8000 Verkaufsstellen. Mehr als 47 000 Beschäftigte erwirtschaften einen Jahresumsatz und 2,2 Milliarden Euro. «Auf der Arbeitnehmerseite bildeten die Bäckerhilfsvereine die Vorläufer der heutigen Gewerkschaften», ergänzt die Museumsleiterin.

Das Bäckereimuseum gewährt auch einen Blick in unterschiedliche Epochen und Regionen, von den alten Ägyptern über das römische Reich und das Mittelalter bis zur Industrialisierung und den modernen Brotfabriken. «Schon zur Römerzeit gab es Großbäckereien vor den Toren der Stadt», erläutert Daum das Kapitel «Brot und Spiele». Facettenreich wird auch das Thema Ernährung dargestellt: Brot als Energiespender bei der Feldarbeit, aber auch als Pausenbrot im Kindergarten, Essgewohnheiten, Aufbereitung und Resteverwertung.

Als Gegenpol zum Überfluss in der Industriegesellschaft stellt Daum den Hunger in weiten Teilen der Welt dar. Auf der einen Seite steht das Thema «Brot für die Welt», auf der anderen der Bauer, der sein Getreide in seiner Heizung verbrennt, weil der damit mehr verdient, als wenn er es an einen Bäcker verkauft. dpa