16. Juli 2010

Last-Minute Reisen und der WM-Effekt

Viele deutsche Urlauber haben ihre Reise bis nach dem WM-Finale verschoben

«Es wird sehr kurzfristig gebucht», ist die Beobachtung von Nina Meyer vom Last-Minute-Marktführer l'tur. Je näher das Ende der Fußball-WM rückte, desto mehr stiegen die Buchungen an. «Viele haben offenbar abgewartet, wie weit Deutschland bei der WM kommt.»    

Auch beim Reiseportal Expedia.de spürt man einen WM-Effekt: «Allgemein sanken die Last-Minute-Buchungen auf Expedia.de im Juni nach dem Start der Weltmeisterschaft und sind erst jetzt wieder auf das Level vor Südafrika zurückgekehrt», sagt Sprecherin Anna Zipse. Allein in der ersten Juli-Woche habe das Unternehmen einen Anstieg an Last-Minute-Buchungen um neun Prozent verzeichnet - verglichen mit dem Durchschnitt der vorangegangenen drei Wochen.    

Der Deutsche Reiseverband (DRV) in Berlin will einen Zusammenhang ebenfalls nicht ausschließen: «Es ist sehr gut möglich, dass viele Urlauber das Ereignis noch zu Hause erleben wollten», sagt Sprecherin Sibylle Zeuch. Ohnehin gebe es beim Reiseverhalten der Deutschen in den vergangenen Jahren neben einem starken Frühbuchertrend auch eine Hinwendung zu Last Minute.

Auch wegen der Auswirkungen der Wirtschaftskrise hätten viele ihre Buchung zuletzt hinausgezögert. Und man müsse bedenken, dass jetzt erst in einigen Bundesländern die Sommerferien beginnen. «Ich denke aber schon, dass es da einige gibt, die abgewartet haben, wie sich die Fußball-WM entscheidet», so Zeuch.    

«Wir haben da keinen Beweis», meint dagegen Nina Kreke vom Reisekonzern Thomas Cook, zu dem auch der Veranstalter Bucher Last Minute gehört. Schließlich frage man im Reisebüro nicht nach, warum die Kunden erst jetzt buchen.    

Nach dem Turnierende rechnet der DRV jetzt jedenfalls mit einem Buchungsschub. Beliebte Destinationen für den kurzfristig gebuchten Urlaub sind laut Zeuch auch in diesem Jahr die Mittelmeerländer, «überall dort, wo man an den Strand kann». Als Beispiel nennt sie Griechenland, wo jetzt noch sehr günstige Angebote zu bekommen seien.    

Auch für Nina Meyer von l'tur hat die Last-Minute-Saison «jetzt erst so richtig angefangen». Die Kapazitäten dafür seien insgesamt gut. Als beliebtestes Reiseziel nennt auch sie Griechenland - wegen der attraktiven Preise und der guten Hotel-Verfügbarkeiten. Außerdem seien Mallorca, die Türkei, Ägypten und die Kanaren gefragt.    

Bei Bucher wurden zuletzt laut Nina Kreke vor allem Spanien, Ägypten und die Türkei nachgefragt. Aber auch die Malediven oder die Dominikanische Republik in der Karibik würden derzeit gerne gebucht. Das Top-Last-Minute-Ziel sei allerdings Mallorca, das ein Fünftel aller Last-Minute-Buchungen ausmache. Die Baleareninsel ist Anna Zipse zufolge auch bei Expedia der Buchungsrenner. Auch einwöchige Reisen innerhalb Deutschlands und seinen Nachbarländern kämen gut an.    

Über die gesamte Saison betrachtet, seien Last-Minute-Buchungen bei Expedia jedoch rückläufig, sagt Zipse. Das Unternehmen habe festgestellt, dass vielmehr die Zahl der frühen Buchungen zugenommen hat. Viele Deutsche verzichteten jetzt wohl wegen der Wirtschaftskrise auf Zweit- und Drittreisen. «Sie konzentrieren sich auf einen großen Urlaub, der schön werden soll» - und der werde dann eben mit entsprechend viel Vorlauf besonders gründlich organisiert.    

Auch bei Last-Minute-Reisen gilt: besser vorher die Preise und Konditionen vergleichen. Manche Angebote seien nur deshalb günstiger, weil sie um Leistungen wie die Halbpension oder Transfers gekürzt wurden, warnt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz.

Hinzu kommt, dass ein Anbieter seine Offerte im Grunde nur dann mit dem Zusatz «Last Minute» versehen darf, wenn die Reise nicht länger als 14 Tage vor dem Reisebeginn gebucht werden kann und das Angebot günstiger als der reguläre Katalogpreis ist. «Last-Minute-Bucher genießen ansonsten die gleichen Rechte wie Urlauber, die eine Reise längerfristig gebucht haben», erläutern die Verbraucherschützer.    

Von Vorteil ist, wenn ausführliche Beschreibungen einzelner Reisekomponenten vorliegen. Oft werden zwar nur Eckdaten wie Zielort, Kategorie der Unterkunft und Art der Verpflegung angegeben. «Doch je mehr Einzelheiten bekannt sind, desto leichter kann am Urlaubsort beurteilt werden, ob die versprochene Leistung auch erbracht wird.» Individuelle Wünsche sollten daher bei der Buchung angesprochen und im Reisevertrag festgehalten werden. Entscheidend ist letztlich, welche Informationen die Kunden bei der Buchung erhalten.    

Auch bei Last-Minute-Reisen erhalten Reisende einen Sicherungsschein, der sie gegen Veranstalterpleiten absichert. Sie sollten die Reise daher nur bezahlen, wenn der Schein ausgehändigt wird. Eine Besonderheit betrifft laut der Verbraucherzentrale Reisen, die weniger als sieben Werktage vor Abreise gebucht werden: In diesem Fall muss der Veranstalter keine Reisebestätigung ausstellen und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen übermitteln. Es reiche aus, wenn er die Unterlagen direkt vor der Abreise aushändigt, etwa am Flughafen. (Felix Rehwald, dpa)