08. Juni 2010

last minute WM-Karten für Südafrika

In Südafrika hat der Run auf die letzten Tickets für die Fußball-Weltmeisterschaft eingesetzt - Hotels sind noch buchbar

Alle Spiele sind weitgehend ausverkauft: «97 Prozent der rund drei Millionen Tickets sind verkauft», erklärte am Dienstag FIFA-Sprecherin Delia Fischer. Für die Spiele, die besonders nachgefragt waren, hatte der Weltfußballverband (FIFA) am Montag in Südafrika noch 53 000 Eintrittskarten auf den Markt gebracht. In Johannesburgs Vorort Sandton warteten Fans geduldig in langen Warteschangen. Bei den Karten handelt es sich entweder um Billigplätze mit beschränkter Sicht aufs Spielfeld - oder hochpreisige Tickets der Spitzenklasse.

Deren Verkauf blieb hinter den Erwartungen - auch Edel-Fans sind in Krisenzeiten nicht mehr so spendabel wie einst. Der FIFA-Partner Match macht bei der WM daher kein gutes Geschäft mit seinen Angeboten für sie. Jêrome Valcke, Generalsekretär des Weltverbands FIFA, bezeichnete die Situation für den Ticket- und Reiseanbieter als «schwierig». Die Preise für Karten der Super-Kategorie wurden teilweise auf 200 Dollar (170 Euro) gesenkt. Dafür erhält man in den zehn WM-Stadien Zugang zu VIP-Lounges mit Catering-Angeboten.

«Es wird definitiv kein profitables Geschäft für Match», sagte Valcke. Besonders der internationale Markt entspreche nicht den Erwartungen. «Ich spreche hauptsächlich über den europäischen Markt», betonte Valcke. Ursprünglich hatten die südafrikanischen Gastgeber mit 450 000 WM-Besuchern aus dem Ausland gerechnet. Diese Zahl wurde mehrfach nach unten korrigiert, schließlich aber wieder auf 360 000 angehoben. Beobachter dagegen gehen nach wie eher von 250 000 aus.

Schwierig ist auch die Lage mit dem Hotelofferten von Match. Der Anbieter, der im ganzen Land Betten geblockt hatte, gibt diese nun an die Betreiber zurück, da er seine Kontingente nicht verkaufen konnte. Die Hoteliers können ihre Zimmer in der Kürze der Zeit aber nicht mehr vermieten, wodurch sie teilweise immense Einnahmeausfälle zu beklagen haben. In der am Indischen Ozean gelegenen Hafenstadt Durban - in Ferienzeiten wie jetzt zur WM normalerweise die Badewanne der Südafrikaner - wird eine Belegungsquote der Hotels von 15 bis maximal 40 Prozent befürchtet.

Auch die geplanten schwimmenden Luxushotels in den Häfen der WM- Städte Durban und Port Elizabeth wird es so nicht geben. Mangels Nachfrage haben die deutschen Veranstalter Leo Kirch und Werner von Moltke ein entsprechendes Projekt abgeblasen. Ursprünglich sollten die 4 600 Betten auf den Schiffen MS Noordam und MS Westerdam für teuer Geld vermarktet werden - doch das Interesse blieb hinter den Erwartungen. Nach Medienberichten soll nun nur noch die Westerdam auf ihrer Kreuzfahrt gen Afrika am 9. Juni in Kapstadt anlegen.

Der Kartenverkauf hatte nach einem schleppenden Start stark angezogen, als die FIFA im Februar den Verkauf mit einer Preissenkung für eine halbe Million Tickets ankurbelte. 1,3 Millionen Tickets gingen ans heimische Publikum. Weit hinter den Erwartungen blieben die Buchungen aus dem Rest des Kontinents, während die USA als stärkste Gruppe unter den Ticketkäufern von außerhalb Afrikas überraschste. dpa