12. Dezember 2011

Lebkuchen aus fairem Handel

Jetzt gibt es erstmals auch einen Nürnberger Elisen-Lebkuchen mit dem Prädikat Fair Trade

Von Kathrin Zeilmann

Natürlich ist auch dieser Lebkuchen eine Kalorienbombe. Aber wenigstens kann man sich die weihnachtliche Leckerei mit gutem Gewissen schmecken lassen. Denn dieser Elisenlebkuchen hilft dabei, dass Kleinbauern auf den Philippinen faire Löhne bekommen und dass sie ihren Kindern eine gute Schulbildung finanzieren können.

Der Nürnberger Weltladen «Fenster zur Welt» hat in diesem Jahr pünktlich zur Adventszeit gemeinsam mit einer Öko-Bäckerei den nach eigenen Angaben ersten bio-fairen Nürnberger Elisenlebkuchen auf den Markt gebracht. Produkte aus fairem Handel sind nach Experteneinschätzung gerade in der Weihnachtszeit besonders beliebt.

«Mit zunehmender Kälte wird der Lebkuchen auch zunehmend nachgefragt», sagt «Fenster zur Welt»-Chefin Inge Rehm. Das Bistum Eichstätt hat auch schon geordert, die Nürnberger Lebkuchen sind das Weihnachtsgeschenk für die Missionare. Eine billige Nascherei für zwischendurch sind die Lebkuchen nicht: drei Stück kosten 5,40 Euro.

Dafür verspricht Öko-Bäcker Herbert Imhof Handarbeit statt Industrieproduktion. Er backt ständig frisch, damit die Lebkuchen über den Großhandel Fairhandelshaus Bayern im gesamten Freistaat verkauft werden können. Elisenlebkuchen dürfen laut Imhof einen Mehlanteil von zehn Prozent nicht überschreiten - sie bestehen also überwiegend aus Zutaten wie Nüssen, Mandeln oder Marzipan.

Entstanden ist die Idee für den Lebkuchen, als Inge Rehm vor etwa einem Jahr gemeinsam mit anderen bayerischen Weltladen-Betreibern Zuckerproduzenten auf den Philippinen besuchte. Sie war beeindruckt vom Zusammenschluss dortiger Kleinbauern: Wenn sie ihre nach ökologischen Standards erzeugten Produkte zu fairen Konditionen absetzen können, biete das mehr Chancen als faire Löhne, die zum Leben reichen: «Sie haben es geschafft, so etwas wie Infrastruktur aufzubauen.»

Schulen, Gemeinschaftshäuser, sogar eine Wasserversorgung sind mit den Einnahmen aus dem fairen Handel gebaut worden. «Und vor allem: Das vermittelt den Bauern Selbstbewusstsein und stärkt ihnen den Rücken.»

Rehm wollte die Bauern noch stärker unterstützen - und da kam ihr die Idee mit dem adventlichen Gebäck: Schließlich ist Nürnberg eine Weihnachtsstadt mit dem weltberühmten Christkindlesmarkt und den markenrechtlich geschützten Nürnberger Lebkuchen.

Vom Weihnachtsgeschäft profitiert auch die Fair-Trade-Branche - und das nicht nur in Nürnberg. Im dortigen «Fenster der Welt», das die katholische Stadtkirche betreibt, wird 25 Prozent des Jahresumsatzes im Dezember erwirtschaftet. «Die Weihnachtszeit ist im Fairen Handel die umsatzstärkste Zeit des Jahres.

Gerade zur Weihnachtszeit wollen viele sich und ihren Liebsten durch Geschenke und Leckereien etwas Gutes tun, dabei aber auch an andere Menschen denken», sagt Markus Gilles vom Forum Fairer Handel in Berlin. Markus Raschke, Vorstand des Fairhandelshauses Bayern, unterstreicht: «Die Vorweihnachtszeit ist für die Weltläden die wichtigste Phase im Jahr.»

Gerade bei Schokolade seien die Produktionsbedingungen im konventionellen Handel oft besonders schlecht, Kinderarbeit sei nach wie vor ein großes Thema, gibt Gilles zu bedenken. «Kleinbauern leiden zudem unter Nahrungsmittelspekulation und schwankenden Rohstoffpreisen.» Wer zum Schoko-Weihnachtsmann aus dem Weltladen greife, wisse dagegen, dass das Produkt keine «belastete Vorgeschichte» habe.

Zudem punktet der Faire Handel mit hochwertigen und fantasievollen Produkten. Trinkschokolade mit Ingwer oder Chili findet sich ebenso in den Regalen wie außergewöhnlich gestalteter Schmuck oder Geschirr. «Im Geschenke-Bereich sind die Läden besonders gut aufgestellt», versichert Raschke. Der Faire Handel meldet in Deutschland seit Jahren Zuwachsraten:

Nach Angaben des Forums Fairer Handel setzte die Branche im Jahr 2010 gut 413 Millionen Euro um, 28 Prozent mehr als 2009. Inge Rehm hat bei einer Kundenbefragung festgestellt, dass der Kauf von Fair-Trade-Produkten aber immer noch weitgehend Frauensache ist: 75 Prozent ihrer Kunden seien weiblich. dpa