HOTELS
14. Mai 2009

Legendäres Raffles-Hotel in Singapur vor Verkauf

Das 121 Jahre alte Raffles Hotel in Singapur ist eines der berühmtesten Hotels der Welt: Prinz Alwaleed bin Talal, der in der globalen Wirtschaftskrise schwer gebeutelte saudische Besitzer, soll nach einem Käufer suchen

Seine Investmentfirma Kingdom Holding hat zwar bekundet, dass die Gruppe Fairmont Raffles Hotels integraler Bestandteil ihres Hotelportfolios sei. Sie habe vor kurzem die Genehmigung zur Erweiterung des Raffles um 78 Zimmer erhalten. Zurückgewiesen hat sie die Verkaufsabsichten aber nicht. Für das Hotel wäre es der zweite Besitzerwechsel in vier Jahren: 2005 ging es aus singapurischem Staatsbesitz an eine US-Investmentfirma, heute ein Partner des saudischen Prinzen.

Der Besucher tritt auf den Spuren illustrer Gäste über die Schwelle des 1991 rundum renovierten Hotels: Die Autoren Somerset Maugham und Rudyard Kipling waren dort, Charlie Chaplin und Elizabeth Taylor, Englands Königin Elizabeth II. und US-Präsident George Bush «der Erste». Berühmt ist die «Long Bar». Frische Luft wird hier nicht mehr von Dienern mit Palmwedeln zugefächelt. Aber an der Decke hängen Dutzende Fächer, die sich elektrisch und im Takt hin und her bewegen. Eine Klimaanlage gibt's heute auch, das Moderne ist diskret versteckt. In den Toiletten läuft das Wasser zwar aus alt anmutenden goldenen Wasserhähnen, daneben hängt hinter Holzverblendungen aber ein ultramoderner automatischer Turbo-Händetrockner.

Jennifer David (52) aus London sitzt in einem der Rattansessel, vor sich einen Singapur Sling. Barmixer Ngiam Tog Boon erfand den berühmten Cocktail auf der Basis von Kirschbrandy 1915. David ist mit dem Rucksack durch Asien gereist. «Für das Raffles habe ich extra einen Rock eingepackt», erzählt sie und wirft lustvoll eine Hand voll Erdnussschalen auf den Boden. Das ist das Markenzeichen der Long Bar: die Erdnussbox auf jedem Tisch, die Schalen auf dem Kachelboden. «Ich habe an der Rezeption mit meinem vornehmsten Akzent nach der Long Bar gefragt», sagt Jennifer. «Im Raffles-Hotel taucht man schließlich in eine andere Welt.»

Der ausladende Treppenaufgang, die Kronleuchter, die Porter an der Tür in bunter Uniform - der Besucher erwartet fast, an der nächsten Ecke einen kolonialen Feldforscher mit Tropenhelm oder Engländerinnen im Charleston-Kostüm zu sehen. Maskenbälle und Tea Parties, dafür war das Raffles vor 100 Jahren legendär. Es erlangte schnell Kultstatus unter den Fernreisenden, vor allem aus dem Mutterland und der feinen englischen Gesellschaft vor Ort. Das Ambiente lebt in den Ballsälen und im Palmengarten bis heute fort. Nur die nahe gelegenen Wolkenkratzer passen nicht ins nostalgische Bild.

Legenden gibt es jede Menge: wie die vom letzten wilden Tiger in Singapur, der angeblich in der Long Bar niedergestreckt wurde. In Wirklichkeit war 1902 ein Tiger aus einem Zirkus entlaufen, der auf dem Raffles-Gelände in die Ecke getrieben und erschossen wurde. Die Engländer tanzten auch nicht im Ballsaal, als 1942 die Japaner einmarschierten. Ein Eierbecher, den Herbert Henry Brown 1919 «auslieh», fand aber tatsächlich seinen Weg zurück: Sein Sohn schickte das gute Stück 1992 aus England nach Singapur.

Die vier Sarkies-Brüder aus Armenien eröffneten an dieser Stelle 1887 ihre erste Herberge. 1899 entstand das Hotelgebäude, das heute noch zu sehen ist. Sie benannten es nach Sir Stamford Raffles, der fast 100 Jahre vorher die britische Präsenz in Singapur etabliert hatte. 1989 wurde das Gebäude als Nationalmonument deklariert. (Christiane Oelrich/dpa)