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03. März 2018

Letzter Eiswein gelesen Ernte praktisch ausgefallen

Letzter Eiswein gelesen | Ernte praktisch ausgefallen, Foto © DWI

Trotz der jüngsten Kältewelle sind die deutschen Winzer bei der Eiswein-Lese fast leer ausgegangen.

Zwar hat nach Angaben des Weininstituts in der Nacht noch ein Winzer aus Südbaden bei Temperaturen von minus 12 Grad rund 140 Liter aus Spätburgunder-Trauben für die süßen Spezialität gewonnen. Insgesamt habe in den vergangenen Monaten aber nur ein gutes halbes Dutzend Betriebe in den Anbaugebieten Baden, Württemberg und Saale-Unstrut überhaupt Eiswein lesen können, sagte der Sprecher des Deutschen Weininstituts, Ernst Büscher, am Donnerstag in Bodenheim bei Mainz.

Nach den Angaben des Weinbauverbandes Saale-Unstrut konnte der Winzerhof Gussek überreife Silvanertrauben lesen. In den Fässern reifen nun 27 Liter Eiswein. Auch in der Steillage des Freyburger Edelackers gelang es dem Weingut Dr. Hage, einen Eiswein vom grünen Silvaner zu lesen. Das Thüringer Weingut Zahn erntete die seltene Rebsorte Muscaris.

Bei der Eisweinlese muss es über mehrere Stunden mindestens minus sieben Grad kalt sein, damit die Trauben beim Keltern noch durchgefroren sind. Der Winter war dafür aber lange Zeit zu mild gewesen. Die Weinlese sei zudem im Jahr 2017 verhältnismäßig früh abgeschlossen gewesen, sagte Büscher. Die Trauben hätten deshalb recht lange an den Reben hängenbleiben müssen.

Kein Eiswein aus Bayern - Herbst zu nass

Von Christiane Gläser

Im November hatten einige Winzer noch Hoffnungen. Mit einem frühen Frost hätten sie vielleicht tiefgekühlte Trauben lesen und daraus Eiswein pressen können. Doch der blieb aus. Weinbaupräsident Artur Steinmann kennt die Konsequenzen für den Verbraucher.

Eiswein ist die Lotterie des Winzers. Sie müssen oft hoch pokern und meistens verlieren die Weinbauern das Spiel gegen das Wetter. In diesem Jahr war zumindest der Einsatz gering, denn die Verluste waren wegen des nassen Herbstes absehbar. "Bei uns in Franken hat keiner Eiswein gelesen. Dafür haben die Temperaturen nicht ausgereicht", sagte Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes.

Im Moment wären zwar die Temperaturen in den Weinbergen genau richtig, aber "das hätte keinen vernünftigen Eiswein mehr ergeben". Selbst eine anständige Frostnacht im November oder Dezember hätte vermutlich nicht zu guten Eiswein-Ergebnissen geführt. Denn: Der nasse Herbst hat den Trauben nicht gut getan. "Heuer kam schon schnell die Fäulnis und deshalb musste schnell gelesen werden. Das hätten die Trauben nicht durchgehalten", so Steinmann weiter.

Ein Winzer, der es zumindest mit dem Eiswein versuchen wollte, ist Christian Reiss. "Wir haben etwas geerntet, auch mit einem guten Mostgewicht. Die Krux war, dass die Menge zu gering war", sagte der Würzburger Winzer. Verwertet hat der Familienbetrieb die Trauben dennoch, aber eben als Auslese und nicht als Eiswein. Reiss' Kunden müssten nun vorerst auf Eiswein verzichten. "Wir haben gar nichts mehr, wir haben alles verkauft", sagte Reiss weiter.

Für Eiswein müssen die gefrorenen Trauben gepresst werden, deshalb wird dafür erst bei mindestens minus sieben Grad Celsius gelesen. Experten zufolge prägen eine glasklare Frucht, der Geschmack von Eisbonbon, fruchtige Noten und ein Hauch von Honig den Eiswein.

Aus Trauben, die 100 Liter Wein ergeben würden, können acht bis zehn Liter Eiswein gewonnen werden. Eine Flasche Eiswein kann zwischen 50 und 100 Euro kosten. Die Spezialität zählt zu den teuersten Weißweinen der Welt.

Dass es vom Jahrgang 2017 keinen Eiswein aus Franken geben wird, dürfte Weinbaupräsident Steinmann zufolge aber keine Auswirkungen auf den Preis haben. "Das bedeutet nicht, dass der Eiswein jetzt teurer wird." Viele Winzer hätten nach dem erfolgreichen Eiswein-Jahr 2016 auch noch einige Flaschen in ihren Schatzkammern.

In einem guten Jahr produzieren Steinmann zufolge etwa 25 bayerische Winzer Eiswein. Zu den wichtigsten Abnehmern gehörten die Asiaten. "Insbesondere Japan ist da ganz stark. Die lieben diese Süßweine", sagte Steinmann. Deutschlandweit hat dem Deutschen Weininstitut zufolge nur ein gutes halbes Dutzend Betriebe in den Anbaugebieten Baden, Württemberg und Saale-Unstrut überhaupt Eiswein lesen können. dpa