Best of Donhauser
24. März 2012

Louisiana mit Tabasco, Teil 2

Im zweiten Teil geht es von New Orleans nach Lafayette

Frittierter Frosch, gewürzt mit Tabasco

Vom Auto aus gesehen, führt die Brücke gefühlt in einen imaginären Ozean - rundherum Wasser, kein Land in Sicht. Die Fahrt geht von New Orleans aus über den Pontchartrain See, auf dem Lake Pontchartrain Causeway, der mit einer Länge von ca. 38,5 km, die drittlängste Brücke der Welt und die zweitlängste Brücke, weltweit, über Wasser ist. Endlich an Land, in Mandeville, geht es durch kleine Dörfer nach Covington Downtown.

Ein Besuch bei einem deutschen Brauer, der nach dem deutschen Reinheitsgebot Bier braut, so auch Kolsch und jedes Jahr im November zeitgleich mit dem deutschen Fasching das Festbier für den Mardi Gras fast seinen Brauereirahmen sprengend herstellt. Der Franke Heinrich Orlik beherbergt in seiner kleinen Microbrewery Heiner Brau auch ein Biermuseum und die bayerische Flagge ist allgegenwärtig.

Südstaatenflair

Weiter geht es zur Great River Road, die parallel am Mississippi verläuft, zu zwei der schönsten Plantagen in Louisiana, der Oak Alley Plantation und der Houmas House Plantation. Diese Plantagenhäuser zeigen die historische Vergangenheit, so wie die Besitzer von riesigen Zuckerrohr- und Baumwollplantagen gelebt haben.

Heutzutage sind diese Südstaaten-Herrenhäuser nicht mehr bewohnt und werden der Öffentlichkeit touristisch zugänglich gemacht. Im Houmas House wird auch regelmäßig geheiratet, denn die Location mit herrschaftlichem Interieur und Garten sind geradezu prädestiniert. Oder ein Dinner im 230 Jahre alten integrierten French House Restaurant Latil's Landing ist ein Genuss-Erlebnis der Louisiana Küche, eingebettet in einem großartigen Ambiente. Hier speisten wir die besten Crawfishburger, hausgemachtes Old-Fashioned Creole Corn Bread sowie die saftigsten Steaks vom Weiderind - am Tisch stand dazu allzeit Tabasco bereit.

Weltmeisterschaft im Gumbo kochen

Auf dem Weg nach Lafayette, ein kleiner Schwenker nach New Iberia in das Café Jefferson at Rip Van Winkle Gardens, um tatsächlich rund um die Uhr Gumbo zu probieren. Wer weiß, ob die Roux ein wenig anders gemacht ist, der Schuss Garnelenbrühe oder die Crabfingers ihriges tun. Gumbo schmeckt nie gleich, es ist ein individuelles Lebensgefühl, das mit Passion verkocht wird. In New Iberia findet jährlich die Weltmeisterschaft im Gumbo kochen statt. Hier hätte man Vergleichsmöglichkeiten, was die unzähligen Varianten des Eintopfs ausmachen.

 

Breaux Bridge, ein kleiner Ort im Einzugsgebiet von Lafayette, ist ein Muss, denn hier ist das legendäre Musikcafe Café des Amis ansässig. Bereits zum Frühstück - es ist immer ausgebucht - spielt eine Liveband Jazzmusik, die die Frühstücksbesucher zum Tanzen auffordert. Zuerst BBQ Shrimp mit Crawfish Cornbread, zusammen mit einer Kanne Kaffee runterspülen, hinterher mit den Fingern die Schokoladenreste vom White Chocolate Bread Pudding auf dem Teller abwischen, ablecken - und dann alles beim Tanzen wieder abtrainieren. Die fidelen Rentner machen es vor, es ist unglaublich was für ein Tanztempo auf dem Parkett vorgelegt wird.

Acadier sind Cajuns

Die gemütlich anmutende Kleinstadt Lafayette, die viertgrößte Stadt Louisiana, ist nach dem Marquis de La Fayette benannt, der für seine Verdienste im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg Ehrenbürger der USA wurde. Wer auf den Spuren der Cajuns gehen möchte, der ist in diesem Städtchen gut aufgehoben: Frankophone Architektur der Acadier, der ehemals aus der ostkanadischen Provinz Acadie stammenden Bevölkerungsgruppe, die sich in der Umgangssprache als Cajuns entwickelten. Im Village Café in River Ranch und im Pont Breaux's Cajun Restaurant zelebrierten wir die Cajun-Küche, die meistens geteilt auf den Tisch kommt: Das Hauptgericht, wie z.B. Ètouffée oder Gumbo, eine Schale mit Reis, der löffelweise untergemischt wird, Maisbrot und Gemüse separat, alles zum Beimischen. Dazu verschiedene Fläschen mit Hot Sauce, vorzugsweise Tabasco, griffbereit.

Mit dem Boot ins Sumpfland

Die Entscheidung in das Boot zu steigen, animiert mit dem Wissen, dass im Winter die Sumpfkrokodile alle schlafen. Auch die Moskitos und anderes krauchendes Getier. Platsch - plötzlich hat ein springender Fisch das Boot unterschätzt und schmettert gegen die Plastikscheibe, was für ein Krach. Ich verstehe jetzt den Text von Summertime, da heißt es: "And the livin' is easy, Fish are jumpin', and the cotton is high, Your daddy's rich, And your mamma's"

Der Bootsfahrer erzählt, dass es ganz normal sei, dass immer wieder Fische über die Boote springen und man auch ohne Angel mit einem Boot voller Fische nach Hause kommen kann. Bei McGee's Landing in Henderson (im Einzugsgebiet von Lafayette) werden diese interessanten Sumpftouren angeboten. Im urigen Restaurant zwischen ausgestopften Alligatoren und Fotos von Jamie Oliver, der hier einen Alligator erlegt und gegrillt hat, gibt es als Spezialität frittierte Frösche im Ganzen serviert. Und jeder kann daran rupfen und zupfen wie bei einem Grillhähnchen, dazu gibt es Bohnen mit Reis, Zitronensaft und Tabasco. Als Häppchen zwischendurch gab es gegrillten Alligator, gebackene Austern und zum Nachtisch French Doughnut, die allgemein als Beignets bezeichnet werden.

Endlich TABASCO

Etwa 200 km südwestlich von New Orleans erstreckt sich Avery Island, eine etwa 9 km2 große Insel, als Salzdom, die im Untergrund eine größere Ansammlung von Steinsalz hat. Hier ist das Tabasco-Land zuhause, die Pepper Sauce Factory, gegründet von Edmund McIlhenny, die seit Anfang des 19.Jhd. in Familienbesitz ist. Das Rezept für die Saucen ist gehütetes Familiengeheimnis, aber soviel darf gesagt werden, dass die Chilis mit Salz (von Avery Island) vermischt werden und für 3 Jahre in weißen Eichenfässern fermentieren. Anschließend wird die Maische mit Essig gewürzt, 1 Monat nachgereift, durchpassiert und in die so typischen Tabasco-Fläschchen abgefüllt. Die Pfeffer-Fabrik ist für Besucher zugänglich und besonders der Shop bietet allerlei Kurioses rund um die scharfe Sauce, so z.B. Tabasco-Candies, Tabasco Icecream, aber auch Boxershorts, bedruckt mit scharfen Chilischoten und natürlich die Tabasco-Saucen in Geschenkkartons.

Und wieder New Orleans

Wie bei einem Parcour, ausgehend von New Orleans nach Baton Rouge, rüber nach Lafayette und südwestlich wieder zurück nach New Orleans - welch ein kultureller und kulinarischer Tripp. Zum Abschied noch ein Jackass Beer mit viel Jazz, eine Fishbowl mit Crawfishcips und einen richtig fetten Choclatmuffin. "Laissez Les Bons Temps Rouler - Let the Good Times roll", so heißt es auf einem Schild, das wir beim Verlassen von New Orleans als letztes lesen.

Eure

Rose Marie Donhauser

Zum ersten Teil der Louisiana-Story