HOTELS
27. Oktober 2009

Luxus im Hotel Bühlerhöhe

Ein Tag im Leben des Thomas Wagner: der Mann am Klavier im Luxushotel Bühlerhöhe

Thomas Wagner gibt im Luxushotel «Bühlerhöhe» musikalisch den Ton an. In den Vordergrund spielen darf und will er sich dabei nicht. Der 44 Jahre alte Musiker ist Hauspianist in der Nobelherberge in Bühl (Kreis Rastatt) bei Baden-Baden. In der deutschen Spitzenhotellerie ist er eine Ausnahmeerscheinung. Während andere Top-Hotels mit regelmäßig wechselnden Pianisten arbeiten, sitzt Wagner mit einem festen Vertrag in der Tasche.

«Ein Hotelpianist muss ein Gefühl dafür haben, in welcher Stimmung die Gäste sind, ob und wie sie unterhalten werden möchten», sagt der in Leimen (Rhein-Neckar-Kreis) lebende Wagner, der Diplom-Betriebswirt und ausgebildeter Pianist ist. Seit August 2008 hat er im Fünf-Sterne-Hotel «Bühlerhöhe» seinen festen Arbeitsplatz, greift abends und an Wochenenden in die Tasten.

«Gäste lieben es, in vertraute Gesichter zu schauen, dadurch das Gefühl von Kontinuität und Stabilität vermittelt zu bekommen. Vor allem den Stammkunden ist dies wichtig», sagt Hoteldirektor Heinz Imhof. Ein ständig präsenter Pianist gebe dem Grandhotel eine ganz eigene Note. Der Mann am Klavier kenne mit der Zeit die Wünsche seiner Zuhörer, könne auf sie eingehen. So entwickle sich spielend eine Nähe. «Wenn Künstler und andere Mitarbeiter immer wieder wechseln, ist das nicht möglich.»

Der 44 Jahre alte Pianist, der sich den Nachnamen mit dem berühmten Komponisten Richard Wagner (1813-1883) teilt, hat sich bewusst fürs Spiel im Hotel entschieden. «Ein Konzertpianist sitzt oben auf der Bühne und hat somit Distanz zum Publikum. Ein Hotelpianist spielt mitten im Leben, ist direkt bei den Zuhörern.»

Wagner hat in der «Bühlerhöhe» schon für US-Popsängerin Britney Spears und Oscar-Preisträger Maximilian Schell gespielt. Allzu wichtig nimmer er sich deshalb nicht, er tritt bescheiden und zurückhaltend auf. Das gehört zur Berufsauffassung. «Ein Hotelpianist muss sich bewusst sein, dass die Gäste nicht wegen ihm ins Hotel kommen. Er ist nur Begleiter.»

So sitzt Wagner am großen Konzertflügel in der repräsentativen Rotunde, in der sich Hotelgäste zum Aperitif oder zum Entspannen aufhalten, spielt Klavier im Gourmet-Restaurant, wenn seine Zuhörer essen, und musiziert bis in die Nacht in der Hotelbar. Auch der große Flügel in der Präsidenten-Suite ist sein Arbeitsplatz.

Auf einen festen Spielplan kann sich Wagner nicht stützen, er muss flexibel sein. Er spielt klassische Musik ebenso wie Jazz, Schlager, Pop und Rock. «Ich muss die Stilrichtungen und Stücke, die ich spiele, spontan aussuchen, die Wahl von der jeweiligen Situation abhängig machen.» Beim Essen beispielsweise müsse er äußerst dezent spielen. Sanfte Töne sind dann gefragt - leichte, ruhige und nicht allzu präsente Musik. Dies gelte auch, wenn Gäste in der Hotelhalle oder beim Kaffee in Gespräche vertieft sind.

«Zu später Stunde an der Bar ist dann meist mehr Schwung angesagt, da darf es ruhig etwas lauter und rhythmischer werden.» Hits und Klassiker würden am häufigsten nachgefragt. Evergreens wie «My Way» oder «Strangers in the Night» von Frank Sinatra zum Beispiel, «Love Me Tender» von Elvis Presley, «Yesterday» von den Beatles, «Killing Me Softly», Musicalmelodien beispielsweise aus dem «Phantom der Oper» oder ein Wiener Walzer.

«Applaus kann ein Hotelpianist nicht erwarten», sagt Wagner. Auf Drinks, zu denen er von Gästen eingeladen wird, verzichtet er. Und Diskretion ist für ihn, wie für alle Beschäftigten der Branche, Ehrensache. Resonanz bekomme er dennoch. «Viele Gäste nicken mir freundlich zu, wünschen sich Lieder oder suchen das Gespräch. Das freut mich, weil es eine Bestätigung meiner Arbeit ist.» Er erkenne daran, dass die Gäste sich wohlfühlen.

In seiner Freizeit gibt er Klavierunterricht und arbeitet gemeinsam mit Sänger Ralf Leny als Musikproduzent. Derzeit baut er im Rhein-Neckar-Gebiet eine Girlgroup auf. Zudem komponiert er Hymnen, beispielsweise im Auftrag von Firmen und Sportvereinen. (Jürgen Ruf, dpa)  www.wagner-thomas.de