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19. November 2010

Mainz verlässt Weinbau-Forschung in Geisenheim

Hessen muss die Weinbau-Forschungsanstalt in Geisenheim künftig alleine finanzieren - Rheinland-Pfalz steigt aus. Das Geld solle besser gezielt für Projekte genutzt werden

Die Weinbau-Forschungsanstalt im hessischen Geisenheim muss künftig ohne Geld aus Rheinland-Pfalz auskommen. Die SPD-Landesregierung in Mainz hat den Stopp ihrer Kofinanzierung auch mit neuen Schwerpunkten erklärt. Angestrebt werde neben dem Spareffekt eine Forschung, die sich mehr an Projekten und direkten Anwendungen orientiere, sagte Weinbauminister Hendrik Hering (SPD) im Landtag in Mainz. Als Beispiel nannte er das neue Steillagenzentrum in Bernkastel-Kues an der Mosel, das in Kürze eröffnet wird.

Die Konzentration auf bestimmte Schwerpunkte sei jedoch vom hessischen Wissenschaftsministerium abgelehnt worden - ebenso wie eine vorgeschlagene Verringerung der rheinland-pfälzischen Zahlungen von insgesamt 1,4 Millionen Euro auf 700 000 Euro pro Jahr.

Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) widersprach und bezichtigte Hering der Lüge: «Die Behauptung, das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst habe die Konzentration auf bestimmte Schwerpunkte abgelehnt, entbehrt jeder Grundlage», sagte sie. Es gebe seit Jahr und Tag keinen einzigen Arbeitsvorschlag der rheinland-pfälzischen Seite für Geisenheim, der in Wiesbaden abgelehnt worden wäre.

Rheinland-Pfalz habe seine im Staatsvertrag verankerte Grundfinanzierung der Forschungsanstalt auf 660 000 Euro verringern und gleichzeitig auf eine auf zwei Jahre befristete Projektförderung umstellen wollen, betonte Kühne-Hörmann: «Das bedeutet eine Halbierung der bisherigen Finanzierung durch das Land Rheinland-Pfalz mit Verfallsdatum.» Eine solche Beteiligung sei schon deshalb unseriös, weil Forschungsprojekte und Entwicklungsplanungen deutlich langfristiger angelegt seien als zwei Jahre.

Hering verwies auch auf die Erfolge des neuen dualen Weinbau- Studiengangs im pfälzischen Neustadt an der Weinstraße. Aus Hessen hatte es Kritik daran gegeben, weil dieses Angebot als unnötige Konkurrenz zur Fachhochschule in Geisenheim gesehen wird.

Deutschlands einziger Weinbauminister betonte gleichwohl mit Blick auf die hessische Einrichtung: «Wir werden den Dialog weiterführen.» Darüber hinaus forderte er eine bundesweite Koordinierung der Weinbauforschung. Dabei müsse Rheinland-Pfalz eine führende Rolle spielen. «Wir sind schließlich das Weinbauland Nummer eins in Deutschland.»

Rheinland-Pfalz hatte die seit 1987 bestehende Kofinanzierung der Geisenheimer Forschungsanstalt zum Ende dieses Jahres gekündigt. Für die Grundfinanzierung der weltweit renommierten Einrichtung im Rheingau hatte das Land bisher 1,2 Millionen Euro von 11,6 Millionen Euro getragen. Zudem zahlte Rheinland-Pfalz jährlich 200 000 Euro für Projekte.

Die CDU-Opposition im Mainzer Landtag kritisierte, die SPD- Landesregierung habe den Vertrag Hals über Kopf gekündigt, ohne ein Konzept für die Agrarforschung in Rheinland-Pfalz und in Deutschland zu haben. Die direkte Mitbestimmung über Personal, Etat und Grundausrichtung der Forschungsanstalt Geisenheim gehe verloren. dpa