Reise
09. August 2009

Mallorca zwischen Tourismus und Terrorismus

Nach den erneuten Terror-Anschlägen in Portixol beginnt die große Diskussion über die touristische Zukunft Mallorcas: Wie sicher sind die Urlauber vor den ETA-Bomben? update: Das sagen die Veranstalter

Auch nach den neuen Anschlägen auf der spanischen Ferieninsel Mallorca erwarten Experten keine großen Auswirkungen auf die Reiselust der Deutschen. «Ich denke, das allein wird jetzt noch nicht dazu führen, dass morgen der Buchungsstrom nach Mallorca abbricht», sagte Karl Born, Professor für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Harz in Wernigerode, noch am Sonntag der dpa. Anders wäre es jedoch, «wenn die Balearen-Insel jetzt ein ganz neues Aktionsziel der ETA sein sollte, dann wird es irgendwann auch nicht ohne Auswirkungen bleiben».

Viel hänge auch von der Reaktion der Behörden ab. So habe beim ersten Anschlag vor zehn Tagen vor allem die Sperrung des Flughafens die Urlauber verunsichert. «Das hat gigantische Resonanz gefunden», sagte Born.

Die Reaktionen der Urlauber hingen immer davon ab, wie stark der Tourismus beeinträchtigt werde. Die politische Dimension eines Anschlags trete dabei in den Hintergrund. «Eine Flughafenschließung, die betrifft eben die touristische Infrastruktur, während ein Attentat auf ein Restaurant - bei dem niemand verletzt wird, vor dem vorher gewarnt wird - betrifft eben nicht die touristische Infrastruktur», so Born.

Ganz wesentlich sei auch, wen es trifft. «Sind Deutsche betroffen? Das ist immer ganz wichtig. Weil dann kochen auch die Medien stärker hoch», erklärte Born. Und dann würden auch die Urlauber eine stärkere individuelle Bedrohung empfinden. «Das ist ja immer eine besondere Frage für die Touristen, ist es eine persönliche Gefahr für mich oder nicht.»

Es gebe Ziele, die in den Augen der Touristen als potenziell gefährlich gelten, wie zum Beispiel Ägypten. «Aber Mallorca ist immer noch auf der sogenannten "guten Seite", wo dann so etwas im Kopf der Touristen noch geringere Auswirkungen hat.» Überhaupt nehme Mallorca für den deutschen Urlauber eine Sonderrolle ein: «Man fühlt sich dort stärker zu Hause und nimmt die Bedrohung nicht so stark wahr.»

Problematisch könnte es es werden, wenn die Anschläge mit der Schweinegrippe in einen Topf geworfen würden, sagte Born. Wenn es im «Kopf der Touristen eine Verbindung gäbe», dass es mit dem Terrorismus und einer Gesundheitsgefahr gleichzeitig zwei Probleme auf Mallorca gäbe, «das wäre dann natürlich schon eine Potenzierung der Angst».

Portixol: Vom Fischerdorf zum Szeneort

Portixol, wo sich die Anschläge vom Sonntag ereigneten, war ursprünglich ein eigenes kleines Fischerdorf. Inzwischen gehört der Ort zur Inselhauptstadt Palma de Mallorca. Er liegt etwa zwei Kilometer außerhalb des Stadtzentrums und ist von dort aus über den Paseo Marítimo erreichbar. Nachdem viele Häuser vom Verfall bedroht waren, wurde Portixol in den vergangenen Jahren saniert und hat sich seitdem zu einem Szeneviertel entwickelt. Mit seinem kleinen Hafen, einer langen Uferpromenade, zwei kleinen Sandbuchten und vielen Bars und Restaurants ist der Ort vor allem bei Einheimischen sehr beliebt und für Touristen ein Geheimtipp geworden. Portixol gilt zugleich als eines der teuersten Wohngebiete von Palma. dpa

Mallorca-Urlauber reagieren gelassen- Keine Ansprüche auf Entschädigung

Veranstalter: Terror kann Touristen nicht stoppen

Der ETA-Terror wird nach Einschätzung von Reiseveranstaltern und spanischer Regierung den Touristen-Ansturm auf die Ferieninsel Mallorca vorerst nicht bremsen. Die touristische Infrastruktur sei durch die Anschläge der baskischen Terrororganisation vom Vortag nicht getroffen, sagte eine TUI- Sprecherin am Montag in Hannover. Die Regierung in Madrid rechnet mit allenfalls geringen Folgen für die Reisebranche.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin betonte, dass sein Ministerium weiter auf eine Reisewarnung für die Ferieninsel verzichtet. «Von einer Reisewarnung kann natürlich nicht die Rede sein. Das ist völlig abwegig», sagte Vize-Sprecher Andreas Peschke. Allerdings wurden auf der Internet-Seite des Auswärtigen Amtes (www.auswaertiges-amt.de) die Reisehinweise für Mallorca verschärft. Beispielsweise wird deutschen Touristen dort nun empfohlen, größere Menschenansammlungen zu vermeiden.

Die ETA hatte am Sonntag in Palma drei Sprengsätze gezündet und damit Angst und Schrecken in der Inselhauptstadt verbreitet. Die Bomben hatten nur eine geringe Sprengkraft und richteten kaum Schäden an. Bereits vor zwei Wochen hatten ETA-Terroristen einen Anschlag auf eine Polizeikaserne auf Mallorca verübt. Dabei waren zwei Polizisten ums Leben gekommen. Auch danach war kein Einbruch im Reisegeschäft zu beobachten gewesen. Mallorca gilt als beliebteste Ferieninsel bei den Deutschen. Im vergangenen Jahr machten dort rund 3,5 Millionen Bundesbürger Urlaub.

Nach Angaben der TUI-Sprecherin herrscht auf der Ferieninsel nach den Anschlägen «Normalbetrieb». Die Sorge, dass viele Deutsche nun andere Sonnenziele vorziehen könnten, gebe es nicht. Ähnlich schätzen auch andere Veranstalter die Lage ein: Viele Kunden erkundigten sich zwar nach möglichen Einschränkungen beim Urlaub, aber nur wenige überlegten, die Reise nicht anzutreten, sagte ein Sprecher von Neckermann in Oberursel.

Auch für die kommenden Wochen sei daher nicht von einem deutlichen Rückgang der Buchungen auszugehen. Ähnlich bewerten FTI in München und Alltours in Duisburg oder die Rewe Touristik in Köln die Lage in den Ferienzentren auf der Baleareninsel. Beeinträchtigungen für Urlauber gebe es praktisch nicht, sagte eine Sprecherin von FTI. Allenfalls die erhöhte Polizeipräsenz sei für die Urlauber bemerkbar. Es sei daher unwahrscheinlich, dass sich viele Deutsche von Reisen auf ihre Lieblingsinsel abhalten lassen. «Anders wäre es sicher, wenn die Anschläge Touristen getroffen hätte.»

Der spanische Staatssekretär für Tourismus, Joan Mesquida, sagte in Palma de Mallorca: «Die Auswirkungen werden sehr begrenzt sein. Seit 30 Jahren versucht die ETA, dem Tourismus in Spanien Schaden zuzufügen. Aber die Reisebranche hat ständig zugelegt.» Die Informationen der spanischen Fremdenverkehrsbüros im Ausland und der diplomatischen Vertretungen deuteten darauf hin, dass eine größere Zahl von Stornierungen nicht zu erwarten sei, sagte er.

Die Hoteliers auf Mallorca äußerten sich dennoch besorgt. «Die Auswirkungen für den Tourismus sind nicht absehbar», sagte Aurelio Vázquez, Präsident der Vereinigung der Hotelketten auf den Balearen, der Zeitung «Diario de Mallorca». dpa