REISE
10. Januar 2018

Matterhorn is back Zug nach Zermatt fährt wieder

Schnee satt wie seit Jahren nicht mehr - die Wintersportorte in den Alpen frohlocken, aber erst einmal brachte das schneelastige Wetter akute Lawinengefahr und abgeschnittene Dörfer. In Zermatt klappt der Durchbruch durch die Schneemassen nach zwei Tagen endlich.

Von Christiane Oelrich

Mit dem Ende der massiven Schneefälle ist in den Schweizer Alpen die Lawinengefahr zurückgegangen. Völlige Entwarnung gibt es aber nicht, wie Lawinen-Expertin Christine Pielmeier sagte.

Am Mittwoch schien im Wallis erstmals seit Tagen die Sonne, Lawinendienste nutzten die Chance, Hänge von Hubschraubern aus in Augenschein zu nehmen, an gefährlichen Hängen kontrollierte Lawinen auszulösen und Schneemassen beiseite zu räumen. Nach stundenlangem Einsatz der Räumfahrzeuge wurde die Bahnstrecke nach Zermatt von Schneemassen befreit: Am frühen Abend fuhren nach zwei Tagen wieder die ersten Züge in das autofreie Dorf.

Die meisten der 13 000 Feriengäste reagierten gelassen auf die Sperrung der Strecke und warteten vor allem auf die Wiedereröffnung der Skipisten. Für einige Dutzend, die dringend fortmussten, drängte die Zeit allerdings. Nachdem die erhoffte Öffnung der Bahnlinie am Morgen wegen unerwartet hoher Schneeberge entlang der Strecke verschoben werden musste, setzten sie auf die Luftbrücke.

Am Heliport gab es bis zu einer Stunde Wartezeiten. Die Air Zermatt konnte mit ihren kleinen Hubschraubern jeweils nur wenige Passagiere befördern. Es gab dort Wartezeiten von bis zu einer Stunde, wie das Touristenbüro mitteilte.

Der Tourismusverband Zermatt frohlockte am Morgen bei Facebook: «The Matterhorn ist back!» - Das Matterhorn ist wieder da. Er postete dazu ein aktuelles Foto des weltberühmten Schweizer Berges, der bei Schneetreiben und Nebel tagelang nicht zu sehen gewesen war. Restaurants hatten die festsitzenden Gäste mit geschmolzenem Käse vom Pappteller und Schnaps aus Gläsern vom Brett bei Laune gehalten.

«Es geht mit dem Wintersport wieder los, einige Pisten sind schon gesichert und wieder offen», sagte die Marketingleiterin von Zermatt Tourismus, Janine Imesch. Am Nachmittag waren etwa 32 Kilometer Piste wieder befahrbar, wie Sandra Stockinger von den Zermatt-Bergbahnen sagte. Es war ein kleiner Teil der 200 Pistenkilometer im Schweizer Teil des Skigebiets an der Grenze zu Italien.

Lawinen könnten sowohl über feste Sprengeinrichtungen als auch durch das Abwerfen von Sprengladungen in die Hänge ausgelöst werden, erläuterte Lawinenexpertin Pielmeier: «In manchen Lawinenzügen stehen Sprengmasten, bei denen ferngesteuert eine Klappe geöffnet werden kann, aus der eine Sprengladung in den Hang abgesenkt oder ausgeworfen wird», sagte sie. «An anderen gefährdeten und unzugänglichen Hängen kann ein Gasgemisch gezündet werden.» Dabei trete Gas über ein Zündrohr aus. Die Druckwelle löst die Lawine aus. «Am besten ist es, oberhalb der Schneeoberfläche eine Detonation zu erzeugen.»

Außer Zermatt waren auch andere Schweizer Ferienregionen abgeschnitten, darunter das Saas-Tal mit Saas-Fee mit etwa 2000 Feriengästen. Dort nutzten die Behörden das gute Wetter auch zu Lawinensprengungen, wie Claudine Perrothon vom Tourismusbüro sagte. Die Sperrung der Zufahrtsstraße sei kein Novum. «Das kann immer mal passieren», sagte sie. Die Lawinengefahr war nicht gebannt, nur entspannter als an Vortagen, hieß es.

Auch in Italien blieb die Lage teils angespannt. In Breuil-Cervinia im Aostatal, das mit dem Skigebiet Zermatt verbunden ist, saßen am Mittwochmorgen noch 5000 Einwohner und Touristen fest. Die Zufahrtsstraße wurde am Nachmittag aber auch wieder geöffnet.

Versorgungsprobleme gab es in Zermatt und anderswo nicht. «Hotels und Restaurants sind gut ausgestattet, bei Essen und Trinken gibt es keinerlei Engpässe», sagte Imesch von Zermatt Tourismus. «Wir sind als Winterdestination immer darauf eingestellt, dass die Bahn mal wetterbedingt nicht fährt. Wir halten es lange auch ohne Nachschub aus.» dpa

Lifte geschlossen wegen Extremwetter: Kein Geld zurück

Wer Skiurlaub als Pauschalreise gebucht hat und wegen schlechten Wetters nicht auf die Piste darf, kann vom Veranstalter kein Geld zurückfordern. Geschlossene Lifte wegen Lawinengefahr oder Sturm seien höhere Gewalt, erklärt der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. «Der Veranstalter kann ja nicht einmal für ausreichend Schnee garantieren», sagt der Jurist. Extremwetter sei ein von außen kommendes, nicht vorhersehbares Ereignis. Ein Anspruch auf Minderung des Reisepreises und Schadenersatz besteht nicht.

Hat der Skiurlauber bei einem Veranstalter eine Busreise gebucht, muss der Anbieter den Reisenden nach Hause befördern. Ist der Wintersportort von der Außenwelt abgeschnitten, kann der Veranstalter den Reisevertrag aber kündigen. Das Reiserecht sieht vor, dass die Kosten für die Rückbeförderung zwischen den Parteien geteilt werden, erläutert Degott. Kosten für zusätzliche Hotelnächte muss der Reisende dagegen selbst zahlen.

Denkbar ist, dass der Veranstalter den Kostenanteil für den Skipass zurückzahlt, wenn dieser Teil des Pauschalpakets ist und diese vertraglich geschuldete Leistung eben in Folge der Umstande höherer Gewalt nicht erbracht werden kann.

Wer ohne Veranstalter in den Winterurlaub fährt, bekommt die mitunter hohen Kosten für den Skipass bei Schließung der Lifte wegen schlechten Wetters nicht erstattet. Die Skigebiete und Liftbetreiber schließen dies in der Regel in ihren Geschäftsbedingungen aus.

So heißt es zum Beispiel bei Ski amadé: «Witterungsbedingte oder aus anderen technischen Gründen erforderliche Betriebseinstellungen von Anlagen, Pisten oder ganzen Skigebieten, Lawinengefahr, vorzeitige Abreise oder Unterbrechung begründen keinen Anspruch auf Entgelterstattung oder Gültigkeitsverlängerung.»