Hotels
07. Dezember 2009

Mehr Hotels auf der Insel Rügen

Ferienanlagen auf Rügen: Der Bauboom für Touristen geht weiter

Der Bauboom für Touristen auf Rügen geht weiter: Mehrere Ferienanlagen mit Tausenden von Betten sollen auf der Ostseeinsel entstehen. Bei Sassnitz wollen dänische Investoren zum Beispiel eine Kurstadt rund um das zerstörte Schloss von Dwasieden bauen. Vorgesehen sind rund 2000 Betten.

In Prora soll der Umbau der unter den Nationalsozialisten errichteten «Kraft durch Freude»-Anlage am Strand 3000 neue Betten schaffen. In Alt Reddevitz will ein süddeutscher Investor 124 Ferienappartements mit mehr als 600 Betten bauen. Und in Sassnitz plant die Berliner CPM Hotelgroup eine 200- Betten-Anlage. Kritiker der Entwicklung wie der Träger des Alternativen Nobelpreises Michael Succow fordern einen «Tourismus mit menschlichem Maß».

Er sei erschrocken über die Dichte der Verkehrsströme und den Massentourismus, sagte Succow, als er vor kurzem als Mitglied des Deutschen Nationalkomitees Biosphäre die Insel besuchte. Noch mehr Touristen erzeugten noch mehr Verkehr und noch mehr Staus. Das Nationalkomitee überprüft derzeit die deutschen Biosphärenreservate, und dem Reservat Südost-Rügen droht die Aberkennung des Titels: Das Gebiet entspreche mit einer Größe von 10 000 Hektar und einem Anteil von zwei Prozent Totalreservat nicht den Mindeststandards der Unesco.

Mit 6,8 Millionen Übernachtungen im Jahr 2008 ist Rügen die beliebteste Ferienregion Mecklenburg-Vorpommerns. Doch entgegen dem Landestrend gingen die Gästezahlen auf Deutschlands größter Insel in diesem Jahr zurück: Während im gesamten Nordosten im September 4,7 Prozent mehr Gäste gezählt wurden, sank auf der Insel die Zahl um die gleiche Größenordnung. Bezogen auf das ganze Jahr, gingen die Übernachtungszahlen auf Rügen um 2 Prozent zurück.   

«Wir müssen aufpassen», warnt auch der Leiter der Rügener Tourismuszentrale, Ralf Hots-Thomas. «Unsere Branche lebt von der Natur.» Je mehr Touristen auf die Insel strömen, desto mehr droht die Umwelt in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Denkmalschützer befürchten mit dem Bauboom außerdem einen Verlust ortsprägender Architektur. So musste in diesem Jahr in Middelhagen ein Fischerhaus aus dem 18. Jahrhundert im niederdeutschen Hallenhausstil weichen - ein Investor will dort nun vier Häuser mit Wasserblick errichten. (Martina Rathke, dpa)