Hotels
24. August 2015

Mehr Touristen aus China und Golfstaaten Hotelboom in Frankfurt

Mehr Touristen aus China und Golfstaaten | Hotelboom in Frankfurt, Foto © pitopia/positron

In Frankfurt und dem Taunus gibt es immer mehr Hotelbetten für Touristen und Geschäftsleute. Kommen trotz der zahlreichen Krisen auf der Welt genügend Gäste?

Von Ira Schaible und Sabine Maurer

Ein Luxushotel am Opernplatz und eins an der Rennbahn, eine japanische Business-Herberge am Hauptbahnhof und verschiedene Unterkünfte an der neuen Europäischen Zentralbank: In Frankfurt werden kräftig Hotels gebaut. Im benachbarten Hochtaunuskreis entsteht in der ehemaligen "Villa Gans" ein weiteres schmuckes Luxushotel. Die Zahl der Gäste ist im ersten Halbjahr 2015 sowohl in Frankfurt als auch im Hochtaunuskreis deutlich stärker gestiegen als im Landesdurchschnitt. Auch im Main-Taunus-Kreis und im Kreis Offenbach war das Plus größer.

Die Zahl der Betten in Frankfurt ist innerhalb von fünf Jahren bereits um rund 9600 auf mehr als 44 300 (Stand Januar 2015) gewachsen, wie der Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbands Hessen, Sebastian Maier, sagt. Frankfurt ist nach einer von der Tourismus und Congress GmbH verbreiteten Marktanalyse der Hochtief Projektentwicklung in diesem Jahr Spitzenreiter bei den Hotelprojekten in Deutschland. Fast ein Drittel der Vorhaben an den sieben wichtigsten Standorten der Republik entfällt danach auf die Hessenmetropole.

"Es wird gerade sehr viel investiert und gebaut", sagt Susanne Kleier von der Tourismus und Congress GmbH, ohne genaue Zahlen zu nennen. "Aber der Bedarf ist auch da. Dafür sprechen die Übernachtungszahlen." Rund 2,43 Millionen Menschen kamen im ersten Halbjahr 2015 nach Frankfurt. Das waren 7,7 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie aus dem Bericht des Statistischen Landesamtes in Wiesbaden hervorgeht. Noch etwas stärker stieg die Zahl der Übernachtungen mit 9,7 Prozent auf 4,17 Millionen. Damit blieb ein Tourist im Durchschnitt 1,7 Tage in Frankfurt. Die Auslastung in den Betrieben mit mindestens 25 Betten lag demnach in dem Zeitraum bei fast 70 Prozent.

Wie viele Betten in den nächsten Jahren dazu kommen, weiß noch niemand genau. Auf einer Liste der Tourismus und Congress GmbH finden sich rund 30 Hotelprojekte: Neu-, Um- und Erweiterungsbauten in allen Kategorien. Eine Reihe davon wird bereits gebaut, bei anderen steht nur der mögliche Standort fest - so etwa auf dem Gelände des ehemaligen Polizeipräsidiums, das seit mehreren Jahren verfällt. Einen Investor hat das Land für das Grundstück noch nicht gefunden.

"Der russische Markt ist stark eingebrochen", sagt Kleier über die ersten fünf Monate in Frankfurt. Aus dem Nahen Osten kämen auch weniger Touristen. Der Shopping-Tourismus aus China boome hingegen. Außerdem reisten immer mehr Menschen aus den Arabischen Golfstaaten zum Einkaufen nach Frankfurt, aber auch, um sich medizinisch behandeln zu lassen. Nahe der Uni-Klinik könnte in den nächsten Jahren ein Hotel vor allem für Angehörige von Patienten aus dem Ausland entstehen. Zuwächse gab es auch aus europäischen Ländern, aus Indien, der Türkei, Brasilien und den USA - dem Land mit den meisten Gästen.

Im Hochtaunuskreis zählten die Statistiker rund 136 Hotels und Pensionen. Viele davon sind noch Familienbetriebe", berichtet Gertrud Stöckl vom Kreisverband des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga. Im Schnitt bleiben die Besucher fast drei Nächte, die Auslastung liegt dem Landesamt zufolge bei Betrieben mit mehr als 25 Zimmern bei gut 54 Prozent. Über den Taunus hinaus besonders bekannt sind die historischen Luxus-Hotels - Schlosshotel Kronberg und die Villa Rothschild in Königstein.

Rund 236 000 Ankünfte oder Gäste zählten die Statistiker im ersten Halbjahr im Hochtaunus. Ein Plus von 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Übernachtungen legten nicht ganz so stark zu, um gut fünf Prozent. Noch höher war der prozentuale Zuwachs im Kreis Offenbach. Rund 239.400 Gäste wurden im ersten Halbjahr gezählt, 12,2 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten 2014 und einer der höchsten Zuwächse in Hessen. Zwei Tage bleiben die Gäste im Schnitt.

Im Main-Taunus-Kreis ist die Lage bescheidener als im Hochtaunuskreis. Knapp 100 Betriebe gibt es laut Dehoga, die Statistiker haben in den ersten sechs Monaten 2015 eine Auslastung von gut 53 Prozent errechnet. Die Gäste bleiben im Schnitt nur zwei Tage. "Wir leben natürlich vom Frankfurter Einzugsgebiet, die meisten Gäste sind also Geschäftskunden", berichtet Wolfgang Bender vom Dehoga-Kreisverband. Das Problem: Die Messen werden immer kürzer, das spüren die Hoteliers. Touristen seien eher selten und kämen meist nur für einen Kurzurlaub. Dennoch: Die Zahl der Gäste legte im ersten Halbjahr laut Statistik um 6,2 Prozent auf rund 184 400 zu. Das Plus im Hessendurchschnitt war mit 5,7 Prozent etwas kleiner.

Luxushotels im Taunus

Geschichte und Luxus gehören im Hochtaunuskreis zusammen. Das ehemalige Schloss von Kaiserin Victoria (1840-1901) in Kronberg und die ehemalige Villa Rothschild der Bankiersfamilie in Königstein beherbergen bereits Fünf-Sterne-Häuser. In der Villa Gans in Oberursel soll jetzt ein Vier-Sterne-Haus entstehen.

Villa Gans: Der Denkmalschutz für das mehr als 100 Jahre alte ehemalige großbürgerliche Wohnhaus wurde im vergangenen Jahr nach langen Streitereien aufgehoben. 2016 soll nun ein "Dorint"-Hotel mit 140 Zimmern und zwölf Tagungsräumen in dem Gebäude eröffnet werden. Erbauer war der jüdische Chemiefabrikant Ludwig Wilhelm von Gans (1869-1946). Im Jahr 1911 war das Gebäude errichtet, 16 Jahre später konnte von Gans es aus finanziellen Gründen nicht mehr halten. Er ließ das Inventar versteigern und verkaufte die Villa samt Park an eine Bank.

Auch diese behielt das Anwesen nicht lange, 1934 wechselte es erneut den Besitzer - die Nationalsozialisten richteten dort ein Schulungsgebäude ein. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Villa als Lazarett genutzt. Nach Kriegsende betrieben die Amerikaner dort einen Country Club, Anfang der 1950er Jahre wurde die Villa Gans an das Land Hessen übergeben.

Diese verkaufte es an den Deutschen Gewerkschaftsbund, der es 50 Jahre lang als "Haus der Gewerkschaftsjugend" nutzte. Seit 2004 steht es leer. Die Igemet, die Immobiliengesellschaft der IG Metall, erwarb 2006 das Anwesen inmitten eines Parks und ist auch Bauherrin des Hotels. Ursprünglich stand das Anwesen unter Denkmalschutz, wegen seines maroden Zustandes verlor es diesen Status jedoch.

Schlosshotel Kronberg: Das mehr als 120 Jahre alte Schlosshotel liegt mitten im Park von Kronberg und bietet einen Blick auf die Frankfurter Skyline. In dem ehemaligen Zuhause der Kaiserin Victoria ist seit 60 Jahren ein Grandhotel untergebracht, vor zwei Jahren wurde es mit großem Aufwand renoviert. Teile der Einrichtung stammen noch von der Kaiserin, die Witwe Kaiser Friedrichs III. starb sogar in dem Schloss Friedrichshof. Sie vererbte es ihrer Tochter Margarete, so dass es in den Besitz des Hauses Hessen überging und inzwischen zum Vermögen der Hessischen Hausstiftung gehört, die darin auch ihren Verwaltungssitz hat.

Villa Rothschild: In der Ende des 19. Jahrhunderts von den Rothschilds erbauten Villa in Königstein tagte 1948 und 1949 der Parlamentarische Rat. Seit Mitte der 1950er Jahre wird das herrschaftliche Gebäude als Hotel genutzt, mittlerweile wird es von Kempinski betrieben. dpa