Hotels
18. Dezember 2009

Mehrwertsteuer für Gastgewerbe gesenkt

Hotel- und Gaststättenverband erwartet Modernisierungsschub für Hotels und Pensionen

Die Senkung der Mehrwertsteuer im Gastgewerbe wird nach DEHOGA-Einschätzung zu einem Modernisierungsschub für Hotels und Pensionen führen. «Allein 1000 Hotels und Gasthöfe werden in den kommenden drei bis vier Jahren an die nächste Generation übergeben werden. Da stehen massive Investitionen an», sagte Eva Rühle vom Vorstand des Hotel- und Gaststättenverband Baden-Württemberg (DEHOGA) in einem Gespräch mit der dpa.

Der Bundesrat hatte am Freitag ein erstes Steuerpaket der Bundesregierung gebilligt, zu dem auch die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Übernachtungen von 19 auf 7 Prozent gehört. Die neue Regelung wurde auch vom Wirtschaftsministerium begrüßt. Durch den direkten Wettbewerb der Südwest-Hotels mit Häusern in Frankreich und der Schweiz sei nun die Wettbewerbsverzerrung gegenüber dem Ausland abgebaut worden, erklärte Staatssekretär Richard Drautz in Stuttgart. In den Ländern gebe es bereits einen ermäßigten Umsatzsteuersatz.

Nachholbedarf in den Hotels und Pensionen besteht nach DEHOGA- Angaben vor allem bei energiesparenden Geräten und Computer- Ausrüstung. Auch für den Wellness-Bereich werde sicherlich mehr aufgewendet. «Selbst auf dem Land wird ab Drei-Sternen eine kleine Sauna erwartet», sagte die Hotelmiteigentümerin aus Bad Urach (Kreis Reutlingen). Im Handwerk werden nach Einschätzung von Rühle die Aufträge der Häuser ebenfalls zu einem Aufschwung führen. Der Verband schätzt den Spielraum durch die Steuererleichterung auf etwa 90 Millionen Euro für die Hotellerie im Südwesten.

Zudem würden die Ertragsperspektiven der Branche und damit die Möglichkeiten der Kreditaufnahme verbessert. «Unsere baden- württembergische Kultur der wunderbaren Landgasthöfe kann dadurch erhalten werden.» Derzeit stünden die Hotels und Gasthöfe auf der «Schwarzen Liste» der Banken. «Die Kreditversorgung der Hotels und Gasthöfe ist auch dadurch schwieriger geworden, dass wegen der Fusionen kleiner Sparkassen zu größeren Instituten kein persönlicher Kontakt zwischen Filialleiter und Hotelier mehr besteht», erläuterte Rühle. 90 Prozent der Unternehmen der Branche seien kleine, vor allem familiengeführte Betriebe.

Nach einer bundesweiten DEHOGA-Befragung unter 5700 Hoteliers soll knapp die Hälfte der Entlastung in Investitionen fließen, je 20 Prozent in Lohnerhöhungen und Qualifizierung des Personals sowie in Preissenkungen und zehn Prozent in das Betriebsergebnis. Letzteres sei auch wichtig, um für den Nachwuchs die Betriebsübernahme attraktiv zu machen. Wie schwierig die Weitergabe an die nächste Generation sei, zeige ein Blick auf das Internetangebot von ImmoScout; dort stünden allein im Südwesten 700 bis 800 Objekte zum Verkauf.

Doch für den DEHOGA ist mit dem Beschluss des Bundesrates die Kampagne für steuerliche Erleichterungen noch nicht zu Ende. «Wir freuen uns über diesen ersten Schritt, kämpfen aber weiter für eine Steuerentlastung auch für Restaurants und Gaststätten», erklärte Rühle.

Mehrwertsteuersätze im Gastgewerbe im Vergleich

Deutschland ist eines des wenigen Länder, in denen für Hotels und Restaurants noch der normale Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent gilt. Der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA spricht von einer 3700 Kilometer langen Ungleichbehandlung der Hotellerie entlang der deutschen Grenze. Die Regelungen in anderen Ländern:

- In Italien und Österreich ist für Hotels sowie für Restaurants nur der halbe Steuersatz von zehn Prozent fällig.

- In der Schweiz enthält die Rechnung für die Übernachtung nur 3,6 Prozent Mehrwertsteuer - bei einem Normalsatz von 7,6 Prozent.

- In Frankreich gibt es seit Juli 2009 Steuererleichterungen für Hotels und Restaurants mit jeweils 5,5 Prozent Mehrwertsteuer bei einem allgemeinen Satz von 19,6 Prozent.

- In Spanien sind Hotels und Gaststätten privilegiert mit einem Steuersatz von jeweils sieben Prozent und einem Normalsatz von 16 Prozent.

- In den Niederlanden liegen die Sätze bei jeweils sechs Prozent für Hotels und Restaurants, der Normalsatz bei 19 Prozent.

- In Dänemark beträgt der Steuersatz einheitlich 25 Prozent, in Großbritannien 15 Prozent. dpa