Best of Donhauser
06. Februar 2011

Mein Eat, Pray, Love in Indien

Fotos_Indien_Donhauser

Fotos: Donhauser

Teil I der Indien-Serie von Rose Marie Donhauser: Mumbai EAT

Kurz vor meiner Indienreise, bekam ich den Tipp, unbedingt das Buch "Shantaram" zu lesen. Dieses über 1000 Seiten dicke Buch war eine Offenbarung. Kein Reiseführer oder andere Infoquellen hätten mir mehr über die Menschen in Indien erzählen können, als der australische Autor Gregory David Roberts.

Bereits bei der Ankunft konnte ich viel deuten, erkennen und vor allem begreifen, was der Inder Prabaker seinem "Linbaba", dem Titelheld in Shantaram über Indien erzählte.

Ich übte mich vor allem im "Kopf wiegen" und "Kopfbewegungen deuten". Wie Inder "ticken", was Mumbai hinter den (Touristen)Kulissen zu bieten hat und warum die Gegensätze so gravierend sind. India - is incredible, diesen Slogan vom Indischen Fremdenverkehrsamt - kann ich unterschreiben. Die Vielfältigkeit, die Extreme, die Geschichte, die Kultur - einfach alles - ist unglaublich. Für mich war sie auch "erschreckend faszinierend".

Chaos und Ordnung, Dreck und Sauberkeit, Reichtum und bittere Armut in den Slums: Indien, ein Land zwischen Märchen und Albtraum, ein Land mit 1,2 Milliarden Einwohnern und den vielfältigsten Farben und Formen des Lebens. Durch die Sicherheitsschleusen hindurch, im Hotel Oberoi die Teezeremonie zu erleben und draußen vor der Tür von Kindern angebettelt zu werden.

Im Taj Mahal Palace Hotel zum Lunch Dal (Linsensuppe) mit Chapati zu essen, dazu frisches Kokosnusswasser zu trinken und von der Dachterrasse zum Meer, über das Slumviertel zu blicken, an deren Strand im Herbst 2008 die Terroristen an Land kamen, und deren verheerende Anschläge noch heute den Menschen in Mumbai nachhängen.

Ich war viel im Stadtteil Colaba unterwegs, dem Innercircle Mumbais und mehrmals im Cafe Leopold, dem ehemaligen Stammlokal von Shantaram (übersetzt als Mann des Friedens). Unweit davon ist der Hauptbahnhof "Chhatrapati Shivaji Terminus", welcher zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.

Hier tobt das Leben und nirgendwo kann man besser den "Dabbawallahs" zusehen, Kuriere, die über 200.000 Angestellten pro Tag, das selbst gekochte Mittagessen ihrer Ehefrauen bringen. Gefährlich stapeln sich Essbehälter übereinander, Fahrräder und auch Träger scheinen ob der Last auf die Seite zu kippen, doch geübt schlängeln sie sich durch das Menschengewühl und nur wir Europäer haben das Gefühl, dass es Chaos wäre.

Gerüche vermischen sich, Abgase, Masala-Düfte, Gewürze, auch Kuh- und Ziegengeruch. Die Innenstadt dampft, Inder mit Krawatte und Anzug scheint dies nichts auszumachen. Sie sind geübt, in jeder Beziehung, ob 1 cm ans nächste Auto zu fahren, beim Überholen grundsätzlich zu hupen oder vom Aircondition Büro kurz raus zum Obstkarren neben dem Müllberg zu gehen, um Lassi und Bananen für die Pause zu kaufen.

An der Meerseite das monumentale "Indian Gate", von da aus führt der Marine Drive, eine imposante Küstenstraße, am Strand entlang. Unzählige Restaurants mit authentischer indischer Küche sind hier zu finden, der Tourist muss hierfür erst die Restaurantführer wälzen, um diese zu erkennen.

Currys, Chutneys, Linsenpürees, Tandoori Chicken, Gemüse - ein indisches Essen besteht aus vielen Gerichten, die Schüsselchen stehen am Tisch oder man erhält ein Thali, ein Metalltablett mit eingeteilten Fächern. Vielfach habe ich erlebt, dass mit den Fingern der rechten Hand (die linke Hand gilt als unrein) gegessen wird, auf dem Land üblich, in der Stadt wird zunehmend mit Löffel und Gabel gegessen. Zum Aufwischen der Speisen wird Brot verwendet, das neben dem Grundnahrungsmittel Reis, eigentlich noch beliebter ist.

Kein Essen ohne Chapati, pfannkuchenähnlich und mit Ghee (Butterfett) bestrichen, Naan, ähnlich im Aussehen wie Chapati, aber mit gesäuertem Teig hergestellt, Paratha, Brot aus mehreren Schichten wie Blätterteig, wird auch gefüllt mit Gemüse angeboten. Puri ist mein Lieblingsbrot, es wird in Öl ausgebacken, sieht aus wie ein Kissen und mit dem Finger wird ein Loch eingebohrt, damit die heiße Luft entweichen kann.

Chai - der gewürzte Tee mit Milch und Zucker ist allgegenwärtig, zum Essen wird aber ausschließlich Wasser oder Pani (geeistes Limonengetränk) getrunken.

Zur Rechnung werden obligatorisch Zucker, Kardamom und Zahnstocher gereicht oder Paan, das grüne Blatt des Betelnussbaumes, in dem Anissamen und Kardamom zur besseren Verdauung gewickelt sind. Mich faszinierten an den Straßenecken die "Paanwallah", Inder, die ihre geheimen Rezepte für die "Paans" haben. Dazu das Ritual aus vielen Schälchen gekonnt verschiedene Gewürze, scharf und süß, Blütenblätter und auch Kokosraspeln in die Blätter einzurollen, die dann jeder aus der Hand isst.

Samosa liebe ich, jene frittierten Teigtaschen, in denen Käse "Panir", Gemüse wie Spinat oder Kartoffeln eingehüllt sind. Gegenüber der Nationaloper ist eines der besten "Samosa-Shops" Mumbais, dieses ist leicht zu erkennen, da in dem Geschäft immer ein hinduistischer Priester sitzt und betet. Dosa, Vasa, knusprig Frittiertes wie Gol-gappas (kleine Klöße mit Chili und Minze) - eine Garküche nach der anderen bietet rund um die Uhr - Köstliches zum aus der Hand essen an - danach noch ein "Kulfi", die indische Eiscreme schmeckt sehr, sehr lecker.

Die Hafenstadt Mumbai (bis 1995 hieß sie Bombay) verfügt über fantastische Fischrestaurants, das Angebot an Schalentieren und Fisch, kombiniert mit den zahlreichen Gewürzen, schmeckt gigantisch. Aber auch Bombay Duck oder Dhansak (Hühnchen mit Linsen-Curry) muss man probiert haben. In den Stadtteilen Bandra und Juhu, geprägt von Bollywood, mischt sich Indien mit der internationalen Welt. Coffeeshops und Pizza sind genauso zu haben, wie Hamburger und Sushi. Doch um Bombay mit EAT so richtig zu erschmecken, sind es die (Geheim)Tipps der Inder, um authentische Küche zu erleben.

Indien ist ein magischer Platz, um 1000 und 1 Gewürze in einer facettenreichen Küche zu erschmecken. Und schlank macht sie nicht unbedingt, denn gutes indisches Essen ist im Allgemeinen sehr fett. Fettes Essen bedeutet hier Wohlstand und gilt als Ausdruck der Großzügigkeit. Dazu ist Ghee, reines Butterfett allgegenwärtig.

Nach soviel gutem Essen und dem Tragen eines Figur umschmeichelnden Saris, geht es im Teil II zu PRAY - mit vegetarischer Küche, Yoga und Ajurveda nach Kaivalyadhama kdham.com und nach Puna ins osho.com

Zur Kolumne von Rose Marie Donhauser