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02. April 2011

Mein Eat, Pray, Love in Indien, Teil 2

Fotos-Indien-Donhauser

PRAY: Das laute, umtriebige Mumbai liegt hinter mir. Ich sitze im LADIES-ABTEIL, im Zug nach Pune, mit Ausstieg nach 120 km in LONAVALA. Jetzt wird es ernst, denn ich habe mich für 1 Woche in ein Yoga-Zentrum mit Ayurveda-Hospital eingebucht

Allerdings sei hier bemerkt, es handelt sich nicht um ein Luxus-Wellnesshotel mit Cocktail am Pool, sondern um eine Art Ashram (religiöser Tempel), in dem die Menschen "wieder auf das Wesentliche zurückgeholt werden sollen": Einkehr, Ruhe, PURE BASIC, Abgeschiedenheit, Meditation, keine weltlichen Dinge wie Handy, etc. und vor allem einfachstes Essen, Tee und Wasser.

Oh oh, nervös steige ich vom Bahnhofstransfer, einem mörderischen Tuktuk an der Registratur im Yogizentrum aus. Ich lese: "LEAVE YOUR WORLD OUTSIDE HERE, BESIDE YOUR SHOES" und habe den Verdacht, dass es mir hier an den Kragen geht und schiebe Gedanken wie an einen Espresso, an einen schönen Riesling, an eine Leberkäsesemmel, Lindt-Schokolade schnell weg, denn ich wollte das ja so!

Einer der Ärzte, Dr. Bhalekar, nimmt sich für jeden "Patienten" viel Zeit und jeder wird laut Ayurveda, der Lehre von einem langen und gesunden Leben, geprüft, welcher Bioenergie er angehört, sprich welches Dosha besonders ausgeprägt ist. Es sind Vata, Pitta und Kapha. Die Ernährung sowie die Behandlungen werden so angepasst, dass sie die individuelle Bioenergie nicht steigern, sondern mit entgegen gesetzten Eigenschaften und Tendenzen eine ausgleichende Wirkung erzielen. Ist z.B. jemand recht explosiv und aufbrausend, werden Heilmittel und Ernährung so ausgesucht, dass diese beruhigend, dämpfend und wohltuend wirken. Zudem mit dem Hintergrundwissen, dass unsere Zivilisationskrankheiten durch Stress und falscher Ernährung vielfach ausgelöst werden.

PRAY bedurfte für mich ungeheure Anstrengung in Hinblick auf das selbst erlegte Programm: 6 Uhr Meditation, 7,30 Uhr Kräutertee, 9 Uhr Yoga, 11 Uhr Ayurveda-Anwendung wie z.B. Massagen mit Sesamöl, 13 Uhr essen. Viele Menschen aus aller Welt habe ich hier in Kaivalyadhama, Lonavala (kdham.com) kennen- und schätzen gelernt. Wobei - es vielfach schwierig war ins Gespräch zu kommen, weil immer jemand einen Button mit der Aufschrift: "Please silence, I live in my world" am Revers trug. Frühstück, Reispampe ignorierte ich durch Fasten. Beim Mittag- und Abendessen war auch Ruhe!

Äußerste Konzentration und Wertschätzung für jeden Bissen ist die Devise - und alles Vegetarisch. Reis, Chapati (Brot), Dal (Linsensuppe), Spinat, Blumenkohl und viel Gemüse, deren Namen ich nicht mal kenne. Obst wurde auch sehr verhalten in ayurvedischer Anlehnung gereicht. Alles aßen ausnahmslos mit den Fingern, was mir auch bestätigte, dass ich mich wirklich in "Hinterindien" befand.

Ab 14 Uhr wieder 2 Stunden Yoga, Spaziergang, Meditation, ayurvedische Heilanwendungen - und um 18 Uhr Chanten - 1 Stunde indisches Singen im Tempel (Ashram) - soll innere Blockaden lösen und zum BeSiNNen anstoßen. Zum Finale schlich bzw. robbte ich vom Gebetsteppich ab, denn jeder bekam zum Abschluss so eine Art Lassi- und Gheemischung in die Hände geträufelt, dieses musste man ablecken und mit einem Sesamkeks besiegeln. (Brrr.)

Dinner um 19 Uhr - 30 Minuten schweigen und essen, danach immer ein Vortrag über gesunde Lebensführung, Yoga-Praktiken, Meditationstechniken. Ab 21,30 Uhr geht auf dem Gelände das Licht aus. In meiner Übereifrigkeit war ich der Meinung, dass das Holzbrett, auf dem ich in meinem Zimmer lag, auch zur Therapie gehörte. Nur zufällig fragte ich mal eine Yoga-Studentin, wie sie denn auf ihrer Holzpritsche schlafen könne. Darauf meinte sie lachend, dass sie beobachtet hätte, dass vor meiner Ankunft eine alte Matratze aussortiert worden ist und wahrscheinlich wurde vergessen, die neue Matratze in mein Zimmer zu befördern.

Mir stand die letzte Nacht bevor und ich beschloss eigensinnig, dass ich auch die letzte Nacht noch auf Holz schlafen werde, denn wenn ich was durchziehe, dann richtig.

Manchmal muss oder sollte man einfach eine Auszeit nehmen. Warum viele nach Indien fahren, dafür gibt es sicherlich einige individuelle Gründe. Ich denke, dass weit weg von zu Hause auch die Sichtweise auf das eigene Zuhause wieder an großem Wert gewinnt. Das Wetter ist angenehm, um im Freien gut durchzulüften. Zudem ist Indien sehr, sehr günstig, um sich Wochen und Monate zurückzuziehen. Meine Woche hier in Lonavala kostete nur Peanuts und hat mich doch sehr reich an Erfahrung und Wissen gemacht. Es ist auch erstaunlich, mit wie wenig man auskommen kann, um richtig zufrieden zu sein.

Und ich bin jetzt stark genug, um durchaus eine 6wöchige Yoga-Fasten-Kur, ganz weit im hinteren Indien in Erwägung zu ziehen. Die Anlehnung könnte das Buch: "Der Mönch, der seinen Ferrari verkaufte" sein.

INDIA IS INCREDIBLE - unglaublich, das indische Fremdenverkehrsamt hat diese Aussage sehr wohl und richtig gewählt.

Eure

Rose Marie Donhauser

Zu Teil 1: EAT