WEIN
15. März 2015

MEININGER AWARD Die Sieger Excellence in Wine & Spirit

Fotos: Meininger

ProWein-Spezial: Weinfamilie des Jahres wurde Familie Baron Philippe de Rothschild - Als Weinunternehmer des Jahres hat die Jury den Rheingauer Winzer Wilhelm Weil auserkoren

Seit zehn Jahren steht der Vorabend der ProWein-Eröffnung unter dem Zeichen des renommierten MEININGER AWARD Excellence in Wine & Spirit, der im Rahmen einer Galaveranstaltung feierlich an herausragende Persönlichkeiten und Erzeuger der Wein- und Spirituosenbranche verliehen wird.

Die Jury des MEININGER VERLAGES, der den Preis in diesem Jahr zum elften Mal vergab, zeichnete die Bordelaiser Familie Baron Philippe de Rothschild als Weinfamilie des Jahres aus. Der Rheingauer Starwinzer Wilhelm Weil (Weingut Robert Weil, Kiedrich) wurde Weinunternehmer des Jahres (national), den MEININGER AWARD Excellence in Wine & Spirit als Weinunternehmen des Jahres international erhielt Accolade Wines (Australien). Für sein Lebenswerk wurde Sandro Boscaini (Masi Agricola) geehrt. Spirituosenmarke des Jahres wurde der bekannte Bitterlikör Ramazzotti (Mailand/Italien).

Weinfamilie des Jahres: Familie Baron Philippe de Rothschild

Einer der bekanntesten Namen für jeden Weinliebhaber auf der Welt ist mit Bordelaiser Spitzen-Crus wie Château Mouton-Rothschild und anderen verbunden, vor allem aber mit Baron Philippe de Rothschild (1902-1988), dem Visionär und Begründer des Ruhms seines Châteaus. Bekanntlich erwirkte er dessen Aufstieg vom Deuxième zum Premier Cru an die Spitze der Bordeaux-Klassifizierung von 1855, nachdem er schon in den zwanziger Jahren als erster Erzeuger des Bordelais seine Weine selbst in Flaschen abgefüllt und 1932 mit dem Mouton-Cadet einen der bis heute international erfolgreichsten Markenweine kreiert hatte. Die Familie um seine 2014 verstorbene Tochter Baronesse Philippine de Rothschild ist seinem Vermächtnis treu geblieben. Unter Philippine und ihren Kindern Philippe Sereys de Rothschild, Camille Ögren und Julien de Beaumarchais de Rothschild ist das vom Vater begonnene, über die Grenzen Frankreichs hinaus reichende Werk erfolgreich fortgesetzt worden. Dazu zählen wegweisende Joint Ventures mit der kalifornischen Familie Mondavi („Opus One“) und dem chilenischen Weinriesen Concha y Toro („Almaviva“) sowie weitere Bordelaiser Châteaux und Weingüter in anderen Regionen Frankreichs. Erzeugt werden sowohl absolute Premium- als auch eine Reihe von bekannten Markenweinen. Sitz des Familienunternehmens ist Pauillac. Philippe Sereys de Rothschild ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Baron Philippe de Rothschild S.A., Julien de Beaumarchais de Rothschild ist Mitglied des Aufsichtsrats. Sascha Speicher, Chefredakteur von MEININGERS SOMMELIER, hielt die Laudatio und überreichte den Preis.

Weinunternehmer des Jahres (national): Wilhelm Weil

Das Weingut Robert Weil in Kiedrich (Rheingau) ist nicht nur wegen seiner hervorragenden Rieslinge und der markanten Etiketten berühmt. Sein Besitzer Wilhelm Weil gehört zu Deutschlands wichtigsten Wein-Persönlichkeiten. Die Gründung des Weinguts reicht vier Generationen zurück, als der an der Sorbonne lehrende Germanistik-Professor Dr. Robert Weil die ersten Weinberge im Rheingau erwarb (1867). Schon zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten die Weil’schen Weine ihren Weg auf die Karten der besten Grandhotels und Restaurants der Metropolen Europas gefunden („Adlon“). Der Urenkel, Wilhelm Weil, leitet heute ein reines Riesling-Weingut mit stattlichen 90 Hektar Rebfläche. Auch seine Weine genießen unter Kennern weltweit den allerbesten Ruf. Wilhelm Weil ist ein unermüdlicher Botschafter für die deutschen Spitzengewächse, Mitglied des VDP-Präsidiums und Vorsitzender des VDP Rheingau mit Hessischer Bergstraße. Zum Wein verführt haben soll ihn übrigens eine 1971er Riesling Spätlese aus dem Gräfenberg, die der damals Zehnjährige heimlich aus dem Verkostungsschrank probiert hatte. Die Laudatio hielt Ilka Lindemann, die Chefredakteurin der Zeitschrift MEININGERS WEINWELT.

Ehrenpreis für das Lebenswerk: Sandro Boscaini, Masi Agricola

Wer zum Thema Amarone Fragen hat, sollte sich an Sandro Boscaini wenden. Denn der Präsident von Masi Agricola, einem der namhaften Produzenten des Veneto, gilt als der Botschafter des Amarone schlechthin. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler befasst sich seit seinem Eintritt in das seit sechs Generationen im Valpolicella bestehende Familienweingut mit dieser Weinspezialität, und das war 1964. Seit 1978 ist er Präsident von Masi Agricola – eine Kontinuität, wie man sie heutzutage kaum noch gewohnt ist. Und für weitere Kontinuität ist gesorgt: Seine Kinder Raffaele und Alessandra, siebte Generation, sind ebenfalls im Unternehmen tätig. Masi bietet die ganze Palette aus dem Veneto, insbesondere Amarone. Mit anderen Erzeugern in Italien und Argentinien bestehen Joint Ventures. Sandro Boscaini engagiert sich leidenschaftlich für den hochwertigen Amarone, auch in der Gruppierung ‚Famiglie dell’Amarone d’Arte’, zu der sich elf namhafte Familienweingüter zusammengeschlossen haben. Laudator war Dr. Hermann Pilz, Chefredakteur der WEINWIRTSCHAFT.

Weinunternehmen international des Jahres: Accolade Wines

Unter dem Namen Accolade, zu Deutsch Auszeichnung oder Ritterschlag, ist eine Vielzahl namhafter Weinmarken und Erzeuger vornehmlich aus Australien, Neuseeland und Amerika zu finden, darunter Hardys, Grant Burge, Reynella, Nobilo, Kim Crawford, Waipara Hills, Robert Mondavi, Ravenswood, Inniskillin und Geyser Peak. Accolade Wines ist der bedeutendste Anbieter von Premium- und Markenweinen aus der ‚Neuen Welt’ in über 100 Märkten der Welt. Mit Sitz in Reynella, South Australia, beschäftigt Accolade Wines über 1.600 Mitarbeiter weltweit. Begonnen hatte alles 1853, als der aus England stammende Thomas Hardy mit seinen Söhnen in Adelaide ein Weingut gründete, das als Thomas Hardy & Sons, später BRL Hardy zu einem der größten Erzeuger Australiens werden sollte. Durch die Verschmelzung von BRL Hardy mit Constellation Brands entstand ein echter Global Player. Seit 2011 trägt das Unternehmen den Namen Accolade Wines. Felicity Carter, Chefredakteurin von MEININGER´S WINE BUSINESS INTERNATIONAL, hielt die Laudatio.

Spirituosenmarke des Jahres: Ramazzotti

Ramazzotti steht wie kaum ein anderes Getränk für italienische Lebensfreude mit einer Prise Erotik und Unkonventionalität. Dass der Bitterlikör vor genau 200 Jahren entwickelt wurde, weiß jedoch nicht jeder. Es war der Apotheker Ausano Ramazzotti, der mit erst 24 Jahren in Mailand aus 33 Kräutern und Gewürzen einen mildbitteren Likör kreierte und als Heilmittel in seinem Geschäft anbot. Schnell wurde daraus ein beliebter Digestif. Denn der findige Unternehmer eröffnete 1848 in der Nähe der Mailänder Scala eigens ein Café, um dort seinen ‚Amaro’ (anstelle des Kaffees) auszuschenken. Ramazzottis Enkel entwickelten die Marke weiter. 1985 wurde das Haus von Pernod Ricard übernommen. Während die Unternehmenszentrale immer noch in Mailand ansässig ist, wird inzwischen in Asti produziert. 2014 wurde der Ramazzotti Aperitivo Rosato lanciert, der sich ideal als fruchtiger Aperitif eignet. Die Rezeptur des Ramazzotti Amaro ist übrigens seit 1815 unverändert geblieben. Unter anderem sind Sternanis, Ingwer, Kardamom, Myrrhe, Rhabarber, Zimt, Enzianwurzel und die Schale sizilianischer Orangen enthalten. Den Preis überreichte Laudatorin Angelika Thielen, Chefredakteurin der GETRÄNKE ZEITUNG.