13. Juni 2018

Mineralwasser-Engpass Der Nachschub stockt

Die Hitzewelle der vergangenen Wochen hat die Getränkeversorgung in Berlin und Brandenburg an ihre Grenzen gebracht. Viele haben sich mit Wasserkisten eingedeckt, nun fehlt den Abfüllern Leergut.

Die Hitzewelle der vergangenen Wochen hat die Getränkeversorgung in Berlin und Brandenburg an ihre Grenzen gebracht. In einigen Läden in der Hauptstadt waren einzelne Mineralwasser und Sprudel ausverkauft. «Jedes Jahr gleich. Wenn es vier Wochen warm ist, bricht alles zusammen», hieß es beim Fachgroßhändler Preuss Münchhagen. Die Rhönsprudel-Gruppe als einer der großen Anbieter in der Region rief die Kunden auf, leere Wasserkisten zurück zu bringen, damit die Flaschen wieder befüllt werden können.

Das Unternehmen mit Marken wie Spreequell und Bad Liebenwerda hat in den letzten Wochen mehr Mineralwasser und Erfrischungsgetränke verkauft als je zuvor. Wasser sei noch genug da, aber Leergut sei in Hitzeperioden immer ein Problem. Für das Wochenende rechnen die Meteorologen wieder mit steigenden Temperaturen in Berlin.

Die Mineralbrunnen fahren Sonderschichten, mussten aber einzelne Aufträge ablehnen, wie es bei der Berentzen-Gruppe hieß, zu der die Vivaris Getränke Grüneberg bei Oranienburg gehört. Dort werden an normalen Tagen 350 000 bis 500 000 Flaschen mit Getränken befüllt, zuletzt waren es bis zu 550 000, wie Sprecher Thorsten Schmitt sagte. «Die Anlagen liegen an der Kapazitätsgrenze.»

Rhönsprudel verkaufte dieses Jahr bisher 20 Prozent mehr Spreequell als im Vorjahreszeitraum, wie die Marketingchefin für den Osten, Anett Stang, sagte. «Von der hohen Nachfrage sind vor allem die Mineralwässer betroffen, da bei anhaltender Hitze Menschen nahezu das Dreifache trinken.» Gleichzeitig fehlten im Mai wegen der Feiertage Produktionstage bei den Mineralbrunnen.

Das spüren die Kunden nun zum Teil am Ladenregal. «Aufgrund der anhaltend hohen Temperaturen kommt es leider zu Fehlartikeln bei Mehrweg-Getränken seitens der Hersteller», erklärte Edeka noch in dieser Woche mit einem Aushang in einer Berliner Filiale. Auch im Fachhandel gab es «Grifflücken», wie die Branche leere Flächen im Ladenregal nennen.

Die Hauptstadt hat beim Mineralwasser auch einen strukturellen Nachteil. «Berlin-Brandenburg hat relativ wenige Brunnenbetriebe», erklärte Berentzen-Sprecher Schmitt. Viele Marken werden aus anderen Regionen angeliefert. Zuletzt war der Durst der Berliner aber so groß, dass zeitweise die Lastwagen nicht reichten. Trotz des zeitweiligen Engpasses versichert das Unternehmen aber: «Es wird nicht passieren, dass es einmal kein Mineralwasser mehr im Supermarkt gibt.»

Und es gibt ja auch noch Leitungswasser. Die Berliner Wasserbetriebe weisen darauf hin, dass auch Wasser aus dem Hahn natürliche Mineralien und Spurenelemente enthält. Trinken allein reiche aber nicht, um den lebensnotwendigen Bedarf zu decken. Es komme auch auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung an. dpa