01. September 2012

Mit dem Boot durchs Burgund

Mit dem Hausboot auf französischen Kanälen

Ohne GPS hätten wir den kleinen verschlafenen Ort Loisy, geschweige denn die Anlegestelle Niorde nie gefunden. Dort am Flüsschen Seille lag unser Boot, ein kleiner, breiter Kahn mit zwei erstaunlich geräumigen Doppelkabinen, zwei Duschen und einer Küche. Auf der Penichette, so nennt man diesen Bootstyp, wollten wir eine Woche lang durchs südliche Burgund schippern.

Während Norman und Rainer eine kurze Einweisung zur Bootsführung bekamen, fuhren Mariann und ich in den Ort, um die Verpflegung, nein, Delikatessen wie aromatische Käsesorten und herzhafte Schinken, verschiedene Würste und Pasteten, knusprige Baguette, Croissants und Wein für die nächsten Tage einzukaufen.

Am späten Nachmittag, die stillen Wasser der Seille gaben ein perfektes Spiegelbild der von Bäumen gesäumten Ufer wieder, glitten wir flussaufwärts nach Louhans, der Provinzhauptstadt der Bresse, durch die Bilderbuchlandschaft, vorbei an verwunschenen alten Schlösschen und von Hecken umgebenen saftigen Wiesen. Hier und da standen Reiher am Ufer und Eisvögel tauchten. Auch bei der zweiten Schleuse, nur etwa ein Kilometer weiter, ging alles glatt - Test bestanden.

In dem hübschen mittelalterlichen Städtchen Louhans spazierten wir noch ein wenig auf der Grand Rue unter den 157 Arkaden, bis zum Marktplatz, wo am Morgen der wöchentliche Tiermarkt stattgefunden hatte. Die Region Bresse ist weltberühmt für ihr besonders gutes Geflügel und daher hat der Markt viele Besucher aus der Umgebung, angeblich geht auch Gérard Dèpardieu hier regelmäßig einkaufen, leider kamen wir zu spät. Aber gut essen konnten wir dennoch - natürlich "la volaille de Bresse".

Am folgenden Tag nach einem ausgedehnten Frühstück mit all den eingekauften Köstlichkeiten tuckerten wir dann im Schneckentempo, nach Cuisery, einem der sieben Bücherdörfer Frankreichs. Die Dorfstraße führte den Hügel hinauf und schon bald reihte sich ein Buchladen mit antiquarischen Büchern an den nächsten.

Und in einem fand ich tatsächlich die beiden Bände "L'homme qui rit" von Emile Zolà, die ich schon lange gesucht hatte. Noch ein Café au lait getrunken und dann ging's weiter in Richtung la Truchère, wo die Seille in die Saone fließt. Natürlich nicht ohne eine weitere Schleuse zu passieren. Schließlich glitten wir gemächlich auf der breiten Saone flüssaufwärts auf der uns hin und wieder flotte Motorboote, Lastkähne und Penichettes entgegen kamen. Am Kai von Tournus lagen schon jede Menge Boote und wir fanden buchstäblich den letzten Ankerplatz.

Der Vollmond schien vom anderen Flussufer herüber und wir verbrachten den Abend bei Wein und Käse an Bord. Nach einem Stadtbummel führen wir am nächsten Morgen ziemlich spät los. Vor uns lag die große automatische Schleuse 4Ormes und etwa zehn Schiffe, die schon darauf warteten hindurch geleitet zu werden. Nach einer Stunde hieß es umkehren, denn just an diesem Tag wurden alle Schleusen Frankreichs bestreikt. Da wir unter den letzten in der Schlange waren, waren wir unter den ersten die Tournus wieder erreichten und sicherten uns einen guten Liegeplatz.

Das Restaurant, das uns der Kapitän eines Nachbarbootes in der Schlange vor der Schleuse empfohlen hatte war leider wegen Renovierung geschlossen. Und so landeten wir an diesem Abend eher zufällig im kleinen Kellerrestaurant Le Charles V. wo uns die besten Steaks serviert wurden, die wir je gegessen hatten.

Am folgenden Morgen wurden wir dann gemeinsam mit drei anderen Booten durch die große Schleuse gelotst und kamen nach einer regnerischen Fahrt am Mittag in Chalon-sur-Saone. Es war richtig kalt geworden und so machten wir uns in dicken Sweatshirts, die wir Gott sei Dank eingepackt hatten, auf den Weg durch die Altstadt.

Der Hafen von Chalon-sur Saone ist seit Jahrhunderten Verladestation für die Weine des Burgund, die von hier aus in alle Welt verschifft werden. Selbstredend, dass man hier, wo ein gutes Restaurant neben dem anderen liegt auch die besten Tropfen verkosten kann. Und die Gelegenheit ließen wir uns natürlich nicht entgehen, aßen wie im Schlaraffenland - gut und viel.

Der Canal du Centre, er wurde im 18. Jahrhundert gebaut und gehört zu den ältesten in Frankreich, führt mitten durch die Weinberge des Burgund, vorbei an den berühmten Weindörfern Santenay und Cheilly de Marange, aber auch durch 15 weitere Schleusen. War es die Gelassenheit, die wir inzwischen gewonnen hatten oder lag es am Wein, den wir in jedem Dorf probierten – die Schleusen, die manchmal nur im Abstand von 400 Metern folgten bereiteten uns keine Schwierigkeiten mehr.

Eure

Gabriele Redden