Mit Horst Lichter auf Tour

Von Jürgen Ruf

Horst Lichter bringt die Stimmung gern zum Kochen. «Ich mag den Klamauk und ich lache gerne Tränen, am liebsten gemeinsam mit anderen Menschen.» Im Fernsehen ist der Mann mit der runden Brille und dem markanten Zwirbelbart ein Dauerbrenner, mit seinen Sprüchen erheitert er zahlreiche Sendungen. In den kommenden Monaten widmet er sich der Bühne. Der Spaßmacher unter den Fernsehköchen startet seine dritte Tournee. Der Titel: «Jetzt kocht er auch noch!». Premiere ist am Sonntag (3. November) in Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen, Lichters alter Heimat.

Für den Rheinländer geht ein ungewöhnliches Jahr zu Ende. Mitte Januar ist er 50 geworden, seine Ehefrau Nada kurz darauf 40. Und nach einem halben Jahrhundert ist Lichter weggezogen aus seiner Heimatstadt Rommerskirchen, zwischen Köln und Düsseldorf gelegen. Er hat sich im Schwarzwald niedergelassen, ein neues Leben begonnen. Seine Kneipe «Oldiethek» in Rommerskirchen, in der er bekannt und fürs Fernsehen entdeckt wurde, hat er nach 22 Jahren aufgegeben.

«Ich habe mein Glück gefunden», sagt Lichter bei sich zu Hause, südlich von Freiburg. Ob «Lafer! Lichter! Lecker!», «Die Küchenschlacht» oder «Lanz kocht!»: Im Fernsehen ist der 50-Jährige eine feste Größe. Und aktiv im TV will er auch bleiben. Parallel dazu hat er in den vergangenen Monaten ein neues Bühnenprogramm erarbeitet: Nach seinen ersten beiden Tourneen «Sushi ist auch keine Lösung» und «Kann denn Butter Sünde sein?» mit zusammen rund 250 000 Zuschauern geht Lichter von diesem Herbst an erneut auf Tour.

Auf der Bühne macht Lichter keine Kochshow, er präsentiert sich als Geschichtenerzähler. «Alles, was ich erzähle, habe ich selbst erlebt - oder ich glaube daran», sagt er. Die Küche steht naturgemäß im Mittelpunkt. «Ich gehe der Frage nach, wieso viele Gasthäuser keine Häuser mehr für den Gast sind und warum wir Köchen huldigen, die aus einer Möhre eine Rose schälen.» Es gibt Geschichten und Anekdoten, gewürzt mit humorvollen Kocheinlagen.

Lichter mag die bodenständige Küche, er steht so manchem Sternerestaurant distanziert gegenüber. Er fühlt sich als Gast wie jeder andere. «Viele von uns haben eine falsche Erwartung», sagt er. «Es geht nicht darum, ob der Koch aus einem Schnitzel ein Schäumchen schlagen kann. Entscheidend ist, ob wir uns herzlich aufgenommen fühlen und mit den Kellnern auch mal gemeinsam lachen können.» Doch genau das sei nur noch wenig ausgeprägt. «Ich gehe nicht ins Gasthaus, nur um mich zu ernähren. Ich will mich unterhalten.»

Lichter hat sich mit sieben Vorpremieren langsam reingetastet in sein Bühnenprogramm. In den kommenden Monaten ist der Mann, der sich selbst als Clown und Küchenkomiker bezeichnet, fast jeden Abend in einer anderen Stadt. Die ersten 60 Termine bis Anfang Mai nächsten Jahres stehen fest. Danach wird es weiter gehen, Ende noch offen.

Die Bühnentour ist für Lichter kein Zuckerschlecken. «Ich habe wahnsinniges Lampenfieber, bin vor jedem Auftritt schrecklich aufgeregt.» Ist er unterwegs, übt er sich in eiserner Disziplin. «Ich frühstücke morgens und dann esse ich den ganzen Tag nichts mehr. Nach dem Auftritt gibt es Butterbrote.»

«Ich bin einfach zu aufgeregt», sagt er. Und außerdem: «Wenn ich mit vollem Bauch und voller Blase auf die Bühne gehe, bin ich nach einer halben Stunde am Ende.» Deshalb setzt sich Lichter streng auf Diät. «Ich kann ja nicht das Publikum alleine lassen, nur weil ich auf Toilette muss oder keine Puste mehr habe.»

Trotz der Tour: Den Dezember hält sich Lichter bewusst frei. Er will die Adventszeit, das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel genießen. «Seit Jahren achte ich darauf, dass ich den Dezember für mich habe. Termine mit Horst Lichter bekommen dann nur meine Frau und ganz enge Freunde.» Ins Restaurant geht er zu Weihnachten nicht. «In dieser Zeit stehe ich in der eigenen Küche und koche mit Freunden.» dpa